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Schleppjagd üben für Einsteiger

  • vor 2 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Wo sind wir hier eigentlich? In Spielberg, einem Ortsteil von Brachttal. Nie gehört? Macht nichts. Jagdreiter und Meute-Liebhaber wissen: Das liegt im Vogelsberg und ist das Zuhause der Vogelsberg-Meute. Und der Schleppjagdverein Vogelsberg-Meute e.V. hat für dieses erste August-Wochenende zu einem Einsteigerlehrgang am Kennel eingeladen.

 


Wo bitte - Kennel? Das ist der Zwinger für die Unterkunft der Hunde. Hier in Spielberg sind aktuell 36 Beagles der Meute untergebracht. Jetzt sind dann noch viele Pferde und Reiter zu Gast. Die Einladung richtete sich an alle, die schon immer mal an einer Jagd teilnehmen wollten, aber nicht wissen, ob ihr Pferd das kann, an alle versierten Jagdreiter mit jungem Pferd und an diejenigen, die ein routiniertes Pferd, aber selbst noch keine Ahnung vom Jagdreiten haben. Ganz jung sind mein Pferd und ich nicht mehr, auch wir sind zwar keine jagdunerfahrenen Neulinge (mehr), aber auch nicht wirklich versiert, und wir haben eine Verletzungspause hinter uns. Also die ideale Gelegenheit, um wieder etwas Jagdluft zu schnuppern.

 

Wer will, darf gerne bereits am Freitag anreisen. Dieses Angebot nehme ich gerne an. Der Empfang ist herzlich. Paddocks für die Pferde sind bereits vorbereitet, sodass mein Pferd nach dem Ausladen sofort seinen Platz hat und über die Abtrennung hinweg die ersten Artgenossen seiner „Reisegruppe“ beschnuppern kann. Heu steht parat, wo was zu finden ist, wird gezeigt – alles ganz tiefenentspannt.

 

Nun kann der Mensch sein Quartier beziehen. Ich bin der Empfehlung gefolgt und habe mich in einem kleinen Hotel in 11 Minuten Entfernung eingebucht. Abends treffen wir uns dann wieder alle am Kennel und es wird gemeinsam Pizza bestellt. Für Getränke ist reichlich gesorgt. Um an Kaltes zu kommen, sollte man nicht allzu geruchsempfindlich sein. Die lagern nämlich im Kühlhaus der Meute, wo auch der Pansen lagert, den die Hunde nach einer Jagd oder einem Training als Belohnung bekommen.


 

Samstagmorgen – Auftakt  

Um 9 Uhr ist allgemeines Treffen. Wir sind ein gut gelaunter, bunt zusammengewürfelter Haufen von 20 Lehrgangsteilnehmern: Jung und Alt (sowohl bei den Pferden als auch bei den Menschen), erfahrene Jagdreiter und Neulinge, alte Füchse und frisch angerittene Jungpferde, irische Hunter, Ponys, Haflinger, ... von allem ist etwas dabei. Und alle sind gespannt, was uns die nächsten zwei Tage erwartet. Sandra Foth und Micky Gindert von der Vogelsberg-Meute begrüßen alle und Philipp, Jakob als Trainer stellt den Ablauf vor.

 

Zum Warmreiten ist Treffen auf der großen Wiese nebenan. Hier kommen 26 (!) Pferde zusammen, denn die Lehrgangsteilnehmer werden beim Ausritt von ortskundigen Reitern der Vogelsberg-Meute begleitet. Wir sollen selbstständig in Schritt, Trab und Galopp warmreiten – ständig beobachtet von Philipp, der sich einen ersten Eindruck von uns verschafft. Viele werden direkt von ihm angesprochen und bekommen erstmal die Steigbügelriemen gekürzt – Thema: sicherer Sitz im Gelände. Bis Sonntag führen bis zu fünf Loch kürzere Bügel bei dem einen oder anderen zu Muskelkater.



Dann steigt auch Jakob aufs Pferd und los geht es mit einem gemeinsamen Ausritt. Auch wenn der Trainer selbst mitreitet, so ist seine Konzentration doch stets bei den Lehrgangsteilnehmern. Immer wieder reitet er zu jemandem hin und gibt Sitzkorrekturen, Hinweise zur Zügel- bzw. Handhaltung oder beantwortet individuelle Fragen. Großes Thema dabei immer wieder: Sicherheit!


 

Auf einer Wiese gibt’s dazu gleich die erste Aufgabenstellung. Es gilt die Regel: Vorne wird die neue Gangart angesagt und dann wird die Ansage in der Gruppe der Reihe nach von vorne bis nach hinten weitergegeben. Von hinten kommt (hoffentlich) ein „O.K.“, das wieder durchgegeben wird, bis es vorne ankommt – erst dann geht es los. Also zeigen wir Philipp mal, wie diszipliniert wir sind: Es klappt von Anfang an und wir halten uns den ganzen Ausritt brav daran. Es zeigt sich, dass wir eine super harmonische Gruppe sind, in der jeder mitmacht.

 

Auf dem weiteren Weg kommen wir auch an der „Rennstrecke“ vorbei, dem Gelände, auf dem auf freigemähten Strecken Hindernisse für das nachmittägliche Training auf uns warten. Die meisten davon sind extra für diesen Lehrgang gebaut worden! Ein paar unsichere Blicke – die sehen doch schon recht ordentlich aus ... 80 cm als festes Hindernis wirken halt anders als Stangen auf dem Springplatz. Ob wir das schaffen? Später gibt es dann die erlösende Auskunft: Die lassen sich fast alle auch runterbauen. Puhhh ...

 

Nach etwas mehr als zwei Stunden sind wir zurück am Kennel. Die Pferde werden abgeduscht und können auf den vorbereiteten Paddocks ein wenig ausruhen.


Für die Zweibeiner steht ein Brunch-Buffet bereit: Brot, Obst, Wurst, Käse, Süßes, Kuchen ...


Nun erfolgt auch die Einteilung für den Nachmittag. In zwei 10er-Gruppen geht es später zu den Hindernissen. Vorher gibt es für jede Gruppe eine kurze Theorieeinheit von Philipp zum sicheren, ausbalancierten Sitz.



 

Jetzt geht es in der jeweiligen Gruppe zur „Rennbahn“. Der Weg dauert im Schritt und Trab rund 20 Minuten, sodass wir gut aufgewärmt bei Philipp ankommen, der mit uns die nächsten 60 Minuten trainieren wird. Auch hier wird Sicherheit großgeschrieben – ohne Helm und vollwertige Sicherheitsweste läuft nichts. Nur Rückenprotektor!? Geht gar nicht! Schnell wird ausgeholfen und eine Weste wird vom Begleitteam organisiert. Bester Support.

 

Da es Philipp immer wieder auf die Sicherheit ankommt, beginnen wir zunächst ganz ohne Hindernisse und probieren, immer in 2er-Gruppen, seine Hinweise zum Sitz umzusetzen. Dann kommt ein wirklich sehr niedriger Baumstamm dazu, dann die ersten niedrigen Hindernisse, mal von der einen, mal von der anderen Seite. Wir steigern uns langsamm und langweilig wird es auch nicht. Für alle hat Philipp eine Rückmeldung und gibt wertvolle Tipps.

 

Zum Abschluss dürfen alle, die es sich zutrauen, auch noch über einen höheren Baumstapel. Für unerfahrenere Pferde wird ein sicheres, erfahrenes Pferd dazu eingeteilt, das vorneweg geht. Bei denen, die sich getraut haben: breites Grinsen auf dem Gesicht!

 

Nach der Pferdeversorgung wird abends gemeinsam am Kennel gegrillt: Steaks, Würstchen, Grillkäse, Kürbis, Zucchini, Peperoni ... für alle ist etwas Leckeres dabei. Und natürlich wird sich ganz viel unterhalten und immer wieder geht es um die Reiterei und das Jagdreiten. So lerne ich z. B. auch den Unterschied zwischen einem genähten und geflochtenen Schlag der Hetzpeitsche kennen.

 

Sonntag - dieses Gefühl... Sonntagmorgen kommt die Abfrage, ob wir ein „einfaches“ Hundetraining machen wollen oder auch mal zwei bis drei Schleppen legen und im Jagdgalopp den Hunden hinterher wollen. Ganz klare Aussage: Es wird nur das gemacht, wo sich alle sicher fühlen. Schnell ist sich die Gruppe einig: Mit Schleppe!



Treffen ist wieder auf der Wiese, wo die Equipage (die berittenen Aufpasser über die Hunde, die die Meute zusammenhalten) mit den Hunden eintrifft – los geht’s! Nachdem wir uns im Schritt und Trab aufgewärmt haben, kommt die erste Schleppe. Wir warten auf einer Wiese – ich habe einen hochmotivierten und daher zappeligen und unruhigen Sportpartner unterm Sattel, der es kaum erwarten kann. Dann ziehen die Schleppenleger los; kurzes Warten, bis sie aus dem Blickfeld verschwunden sind, und die Hunde werden auf die Schleppe losgelassen. Auch wenn es keine richtige Jagd ist, erschallt der Ruf „Gute Jagd!“ und los geht es auf schönen Graswegen und zwischen Maisfeldern hindurch.

 


Das Gefühl, mit vielen anderen der Meute hinterher zu galoppieren, das lässt sich einfach nicht in Worte fassen. Allen, die das noch nie erlebt haben, kann ich nur raten, so etwas mal auszuprobieren (und genau dafür gibt es ja die Lehrgänge wie diesen).

 

Auf einer Wiese endet die erste Schleppe. Überall glückliche Gesichter, die Pferde werden gelobt und Hunde und Reiter mit Wasser versorgt. Dann wieder die Abfrage: „Alles in Ordnung?“ Und die Frage, wie wir weitermachen: noch zwei Schleppen, eine oder gar keine mehr, eine anspruchsvollere Strecke oder eher eine flache, gerade Strecke? Die Gruppe einigt sich schnell auf eine weitere Schleppe mit flacher, gerader Strecke: Es sind ja einige Neulinge dabei und einige Pferde sind hinten unbeschlagen und haben somit keine Stollen, die den „Grip“ auf dem Boden erhöhen. Die Entscheidung wird von allen mitgetragen. Es ist wirklich so, dass nur das gemacht wird, bei dem sich alle sicher fühlen.

 

Also los zur zweiten Schleppe! Und dann ist da wieder dieses unbeschreibliche Gefühl ...


Nach einer guten Stunde sind alle zusammen wieder am Kennel zurück. Auf der Wiese bekommen die Hunde die Curée aus Pansen als Belohnung. Auch wenn es recht formlos zugeht, ziehen die Herren den Helm als Zeichen des Danks und des Respekts gegenüber den Hunden; Jagd-Etikette wird auch im Training praktiziert.

 

Zum Abschluss wird nochmal der Grill angeworfen und nun ertönt dann doch noch der Ruf der Jagdreiter: „Auf die Hunde, auf die Pferde, auf die Jagdreiterei ein dreifaches: Horrido – Joho, Horrido – Joho, Horrido – Joho!“

 

Vielen Dank an Philipp und alle, die dieses Wochenende ermöglicht haben (Organisation, Hindernisbau, Paddockaufbau, Grillen, Wasserversorgung usw.) und an alle Mitreiter: Schön war es mit Euch! Und für alle, die jetzt neugierig geworden sind: Ich habe gehört, es gebe schon Planungen für den nächsten Einsteigerlehrgang in 2027.

 

Text: Björn Patzke und Bilder: privat 

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