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  • Jagd und königliche Momente

    „Jagd ohne Hund ist Schund“, sagen die „grünen“ Jäger. Während die „roten Jäger“, die Jagdreiter in Deutschland, aus der traditionellen Parforce-Jagd die Schleppjagd gemacht haben, hinter Hunden auf künstlicher Fährte, so ist in Dänemark daraus sehr sportliches Gruppen-Geländereiten geworden, ähnlich (aber besser) als bei uns die meisten Fuchsjagden der Vereine. Das Jagdreiten in Dänemark lockt irrwitzige Zuschauermengen: 25.000 erfreuen sich an dem Anblick der eleganten und durchweg guten Reiter auf schnellen und schönen Pferden, die über massive Hindernisse setzen. So viele Zuschauer hat man in Deutschland höchstens bei der Vielseitigkeit in Luhmühlen, an einem guten Tag, aber niemals bei einer Schleppjagd. Aus Deutschland sind in diesem Jahr Anja Cohrs und Wolfgang Kailing mit ihren Pferden dabei gewesen. Hier ist Anjas Bericht: „Wie jedes Jahr am ersten Sonntag im November findet im Stadtpark von Kopenhagen die Hubertusjagd statt. Auf Einladung von Mette Kaufmann vom Sportrideklubben durften wir ein ganz besonderes Wochenende in Dänemark erleben. Wolfgang und ich, als Mitglieder der Niedersachsenmeute, machten uns mit Gespann auf den Weg und wurden mit herzlicher, warmer Gastfreundschaft empfangen, die uns vom ersten Augenblick an das Gefühl gab, willkommen zu sein. Bereits unser erster Ritt führte uns in das beeindruckende Wildgatter Dyrehaven, eine über 1.000 Hektar große, weitläufige Landschaft, in der Rot- und Damwild frei leben. Inmitten dieser herrlichen Natur liegt das prachtvolle Jagdschloss aus dem 17. Jahrhundert – ein Ort, an dem Geschichte, Tradition und die besondere Atmosphäre der dänischen Jagdkultur auf einzigartige Weise miteinander verschmelzen. Der Sonntag wurde zum Höhepunkt unseres Aufenthalts. Rund hundert Reiter jeden Alters kamen zusammen, um diese traditionsreiche Jagd auf dem Rücken der Pferde zu erleben. Sportlich, schnell und voller Begeisterung ging es über eine Strecke von etwa zwölf Kilometern mit rund 40 Hindernissen. Entlang der Strecke versammelten sich etwa 25.000 Zuschauer aus Kopenhagen und Umgebung, die dieses außergewöhnliche Ereignis mit großer Freude begleiten und bejubeln. Ein ganz besonderer Moment war die Ankunft der Kutsche mit Ihrer Majestät, Königin Mary. Wir durften Spalier stehen und salutieren – ein Augenblick voller Würde, Ehrfurcht und königlichem Glanz, der uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Nach der Hauptjagd folgten die traditionellen Qualifikationsrennen, darunter ein Flachrennen zur Ermittlung der Führung des Fuchses für das kommende Jahr. Auch hier zeigte sich die tiefe Verbundenheit mit den überlieferten Bräuchen und der lebendigen Jagdtradition. Am Abend fand das Wochenende seinen festlichen Höhepunkt bei einem traditionellen Galadinner in einem royalen Saal. In diesem besonderen Rahmen wurden zunächst der König und der heilige Hubertus besungen und gesegnet, die Gewinner der Rennen geehrt und die Jagdsaison feierlich verabschiedet. Doch neben all der Tradition und dem sportlichen Ehrgeiz waren es vor allem die menschlichen Begegnungen, die dieses Wochenende so besonders machten. Es wurde getanzt, gelacht und in geselliger Runde gefeiert. Alte Freundschaften wurden gepflegt, neue Verbindungen geknüpft und die dänische Gastfreundschaft einmal mehr von Herzen spürbar. Am Montag traten wir die Heimreise an – erfüllt von unzähligen Eindrücken, bewegenden Momenten und der Gewissheit, etwas ganz Einzigartiges erlebt zu haben.Ein Wochenende, das uns nicht nur die Schönheit einer großen Tradition nähergebracht hat, sondern auch gezeigt hat, wie wunderbar Sport, Geschichte, Freundschaft und Gastfreundschaft miteinander verbunden sein können. Von Herzen danke an Mette Kaufmann und den Sportrideklubben für diese unvergesslichen Tage. Wir nehmen viele schöne Erinnerungen mit nach Hause und freuen uns schon auf ein Wiedersehen.“ Text und Bilder: Anja Cohrs und privat Auf Instagram gibt es noch mehr zu sehen. Das ist der Link: https://www.instagram.com/p/DfNYR9EEdjo/?rpxt=bHlwa2F3OG44bjgx

  • Tradition ohne Muff im Solling

    TEXT ÜBERARBEITET “Es braucht ein ganzes Dorf….“ Die Schleppjagd in Neuhaus im Solling ist ein einzigartiges Kunstwerk, das unzählige Menschen gemeinsam formen und auf die Strecke bringen. Auch die 61. Version vor leuchtend bunter und ganz schön bergiger und damit anspruchsvoll zu reitender Herbstkulisse war wieder ein Erlebnis – nicht nur für Hunde, Reiter und Pferde, sondern auch für – nicht gelogen! – Hunderte von Zuschauern. Alles atmet Geschichte in Neuhaus. Schon das Stelldichein auf der Pfarramtswiese vor dem historischen Stallgebäude des Gestüts, wo im 18. und 19. Jahrhundert isabellfarbene Hannoveraner mit dunklem Aalstrich für royale Präsentationen gezüchtet wurde – heute das „Haus des Gastes“ - ist eine imposante Kulisse. Vor 70 Jahren kamen die Foxhounds aus Dorfmark zum ersten Mal in den Solling. Seit 30 Jahren steht die Schleppjagd in der Hand von Torsten Koßmann. Nach fünf Jahren als Schleppenleger, 25 Jahren als Jagdherr „und 130 Sprüngen über die Steinmauern“ übergab er jetzt die Organisation und das Amt an seine Nachfolgerin Anna-Kathrin von der Goltz. Und Tradition haben auch die Schaumküsse für die Reiter beim Curée – sie sind mindestens ebenso begehrt wie der Pansen bei den Hunden. „Egbert hat immer drei Stück gegessen“, verriet Torsten Koßmann dem Master Casimir von Schultzendorff über dessen Vater, der vor ihm lange die Hunde in Neuhaus geführt hat. Auch die vielen Zuschauer - der Herbst-Spaziergang am Schleppjagd-Sonntag - ist Tradition in Neuhaus. Schon der Kalender der Niedersachsenmeute von 1989 erwähnt „riesige Zuschauermengen“. Die sind nicht nur eine logistische Herausforderung bei ihrer Führung durch das Gelände, sondern auch für die Equipage: viele Zuschauer, sie bedeuten auch zahlreiche Fremdhunde dicht an der Schleppe, Lautstärke beim Anlegen und gelegentliches Überqueren der Schleppe. Aber das wurde alles locker gehandhabt und bestens gemeistert. Wie meinte der Fotograf Thomas Ix so treffend: „Gut, dass es nicht gebrannt hat in Neuhaus, denn die Feuerwehrleute waren alle bei der Jagd im Einsatz.“ Und Casimir von Schultzendorff als Master steht sowieso für Lockerheit in der Hundeführung. Schert ein Hund beim Stelldichein oder in der Pause mal kurz aus, um einem Zuschauerhund freundlich ‚Guten Tag‘ zu sagen, dann sagt er nur: „Ich habe Vertrauen“. Und das wurde auch niemals enttäuscht. Alle 10 ½ Koppeln blieben vollzählig dabei auf den insgesamt acht Schleppen. So viel Geschichte und Tradition, das steht in Neuhaus aber ganz und gar nicht für „ollen Muff“. Im Gegenteil: auffällig viele junge Reiter waren dabei, viele mit Ponys, die ohne zu zögern alle Hindernisse angingen, auch die charakteristischen Mauern aus Solling-Sandstein, aufgeschichtet nach englischem Vorbild in Zeiten des historischen Gestütsbetriebs. „Auf die Sprünge geholfen“ haben auch die insgesamt vier Vorbereitungslehrgänge mit namhaften Ausbildern wie Andreas Weiser und Celestina Löbbecke, die Grundlagen für das Reiten im Gelände vermittelten. Mit Hilfe von Sponsoren wurde diese Basis-Arbeit finanziert. Wenn es laut Sprichwort „ein Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen“, so kann es bestimmt nicht schaden, ein ganzes Dorf hinter sich zu wissen, wenn eine Schleppjagd zu veranstalten ist. Der Holzmindener Bürgermeister Christian Belke begrüßte die Jagdreiter und ehrte Torsten Koßmann mit einer Urkunde für seine sachkundige Umsetzung des mittlerweile städtischen Angebots „Schleppjagd“. Die Person, die hinter allem steht, ist Alicja Wiatr. Die Mitarbeiterin im Tourismusamt verantwortet das Projekt Schleppjagd, das die Stadt Holzminden seit drei Jahren im Rahmen ihres Angebots für Touristen finanziert – die einzige Kommune in Deutschland, die den Schleppjagdsport subventioniert, anstatt ihn mit immer neuen Ver- und Geboten eher zu sabotieren. Mit Charme und unstillbarem Drive nimmt sie jede Kleinigkeit in den Blick. Wiatr hat selbst nichts mit Pferden zu tun, aber ist längst eine „Jagdreiterin ehrenhalber“. „Ich lerne jedes Mal dazu“, saugt sie die vielen Details auf, die mit den Hunden, Pferden, Reitern zusammenhängen und führt mit lockerer Hand alle Feuerwehrleute aus Neuhaus und Silberborn am langen Zügel, motiviert die erwachsenen Kinder von Freunden und Bekannten, Schilder aufzuhängen, Absperrungen zu bilden und überall einzuspringen, wo Hände fehlen. Für die Zuschauer hat sie im „Haus des Gastes“ einen Herbstmarkt mit wunderschönen und thematisch passenden Angeboten organisiert. Und da auch eine Kommune unzähligen Erlassen für die öffentliche Ordnung unterliegt, hat sie auch die bei größeren Menschenansammlungen inzwischen obligatorischen Anti-Terror-Bestimmungen optisch ansprechend umgesetzt: Die Lücken zwischen den uralten Eichen an der Pfarramtswiese wurden mit Veteranen aus dem Traktorschuppen des ortsansässigen Oldtimer-Clubs verbarrikadiert – oder mit dicken Solling-Sandsteinbrocken. „Das sieht doch schöner aus als Betonsperren“, findet sie. Stimmt! Und noch eine oder besser, gleich zwei Besonderheiten hat Neuhaus im Solling zu bieten: pferdefreundliche Förster. Der eine ist Lars Metje, außerdem noch Ortsbürgermeister und verantwortlich für das örtliche Revier durch das ein Großteil der Jagdstrecke führt. Er hilft sogar beim Aufbau der Hindernisse. Und die andere ist Kira Wippermann. Sie führte als Schleppbegleiterin die ganze Jagdgesellschaft an, in vorbildlichem Stil, auf ihrem prächtigen Schimmel, mit raumgreifender mächtiger Galoppade und gebißlos gezäumt. Ein schönes Bild - und auch Familiensache, denn schon ihr Vater, Guido Wippermann ist die Neuhäuser Jagd oft geritten und unterstützt die Veranstaltung immer noch. Noch so eine schöne Tradition in Neuhaus im Solling. Text: Petra Schlemm und Bilder: Thomas Ix. Mehr von ihm unter www.foto-ix.de

  • Begegnung beim Markt-Shopping

    Der 1. November ist gewesen – jetzt wird es Zeit für die ersten Sondierungen zum Thema Weihnachtsgeschenke. Eine gute Gelegenheit dafür war bereits der Herbstmarkt bei der Schleppjagd in Neuhaus im Solling, themenbezogen organisiert vom Tourismusbüro der Stadt Holzminden. Getragene Hufeisen bringen Glück, weiß Frank Quade aus Höxter-Lüchtringen, der mit seinem Stand „Design mit Herz“ zum ersten Mal im Neuhaus vertreten war. Sehenswert sind seine Weihnachtsbäume - ganz groß oder auch ganz klein - geschweißt aus den eisernen Halbmonden und verziert mit Kugeln in einer Farbe nach Wahl. Da kann das Fest ja nur glücklich verlaufen. Große Aufmerksamkeit fand auch Dagmar von Fürstenberg mit ihren Gemälden und den daraus vervielfältigten Drucken. Nicht weniger als 2500 Motive hat sie inzwischen anzubieten. Und seltsamerweise haben die Käufer jedes Jahr andere Favoriten – aber dann setzen die sich auch zeitgleich auf den anderen Märkten durch. In diesem Jahr sind offenbar Islandponies „en vogue“. Die Malerin, die die Jagdreiterszene über Jahre mit ihren wunderbaren Fotografien erfreut hat, findet inzwischen kaum noch Zeit für die Begleitung einer Schleppjagd mit der Kamera – die neue mit dem spiegellosen Objektiv wird in erster Linie für Naturbeobachtungen genutzt. Die Verkäufe auf den saisonal unterschiedlichen Märkten nehmen immer mehr ihrer Aufmerksamkeit in Anspruch. Aber ihr Herz schlägt weiter für die Schleppjagd und besonders die Foxhounds. Kein Wunder, hat sie doch eine Hündin aus dem Kennel in Dorfmark bei sich zu Hause auf dem Sofa. „Kimi“ war nicht für die Schleppjagd zu begeistern, sehr scheu und leicht zu verschrecken. Deshalb wurde sie im Alter von zwei Jahren in Privathand bei Dagmar abgegeben und die beiden kommen prima zurecht. Inzwischen hat sich Kimi, mittlerweile zehn Jahre alt, auch an die Marktbesuche gewöhnt. Sie reist dazu mit ihrem eigenen Korb und zieht sich – das ist wörtlich zu nehmen! - ihre Decke über den Kopf, wenn ihr der Rummel zu viel wird. Den Aufmarsch beim Stelldichein hat sie zwar mit ihrem Frauchen beobachtet, aber sichtlich indigniert den Kontakt zu ihren jagenden ehemaligen Kennelgenossen abgelehnt. „Bei mir hat sie keinerlei Angst mehr und ich würde immer wieder einen Foxhound übernehmen“, ist die Künstlerin überzeugt. Text und Bilder: Petra Schlemm

  • RWS mit Jung-Equipage geprüft 

    Ist doch pieps-einfach, so eine Betriebsprüfung – oder etwa nicht? Beim Rheinisch- Westfälischen Schleppjagdverein (RWS) war jetzt eine Equipage aus jugendlichen Pikören im Einsatz als es darum ging, die Sicherheit der Meute unter Beweis zu stellen. Im Rahmen der Jugendwoche fand jetzt in Schwarzenstein die Gebrauchshundeprüfung der Meute des Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdvereins (RWS) statt. Unter den Augen der Richter Alexandra Baum als Vertreterin des Jagdgebrauchshundeverbandes JGHV und Jürgen Böcking für die Deutsche Schleppjagdvereinigung DSJV stellten sowohl die Hunde als auch die jungen Reiterinnen und Reiter ihr Können eindrucksvoll unter Beweis. Eine Besonderheit war die Zusammensetzung der Equipage: Sie bestand aus sieben Jugendmitgliedern, von denen einige wenige Tage zuvor zum ersten Mal gemeinsam mit den Hunden geritten waren. Begleitet wurden sie von Master Christian Coenen, Huntswoman Sandy Less, sowie Ute Boss-Hekma mit dem Schleppgeschirr. Bereits der Auftakt der Prüfung bot ein beeindruckendes Bild: Geschlossen galoppierte die Equipage aus dem Wald auf die Wiese und lieferte damit gleich einen spektakulären Auftakt. Die übrigen Teilnehmer der Jugendwoche beobachteten das Geschehen besonders aufmerksam und sparten auch nicht mit tosendem Applaus für die hervorragende Leistung ihrer Mitreiter an und mit der RWS-Meute. Im Rahmen der Prüfung mussten die Hunde verschiedene Aufgaben meistern. Dazu gehörten unter anderem das Verhalten gegenüber Fremdhunden, das Abrufen durch die Huntswoman über Distanzen von 50 bis 100 Metern sowie die Arbeit an einer kurzen Schleppe. Eine Verleitfährte mit einer Rehdecke galt es dabei zu ignorieren. Besonders erfreulich ist zudem die Entwicklung des K-Wurfs. So läuft der Rüde Ken bereits in seiner zweiten Jagdsaison als Kopfhund bei fast jeder Jagd. Seine Abstammung führt auf den ehemaligen RWS-Kopfhund Enzo zurück, der auch in der Linie des K-Wurfs vertreten ist und damit zur Entwicklung dieser vielversprechenden Junghunde beigetragen hat. Die Entscheidung, die Prüfung mit einer neu zusammengestellten Equipage statt mit einem eingespielten Team durchzuführen, war durchaus mit einem gewissen Risiko verbunden, das der Master aber bewusst einging. Umso bemerkenswerter war das harmonische Zusammenspiel zwischen Hunden und Reitern. Das tägliche Hundearbeitstraining während der Jugendwoche hatte sich bereits nach wenigen Tagen ausgezahlt und zeigte eindrucksvoll, wie schnell die jungen Mitglieder dazulernen. Wie gelungen die Vorstellung war, brachte ein Zuschauer mit den Worten auf den Punkt: „Daraus könnte man einen Lehrfilm drehen.“ Die Gebrauchsprüfung war somit nicht nur ein schöner Erfolg für die RWS-Meute, sondern auch ein eindrucksvoller Beweis für die engagierte Nachwuchsarbeit des Vereins. Neben hervorragend arbeitenden Hunden verfügt der RWS über eine lernfreudige, motivierte und ausgezeichnet berittene Jugend, die an diesem Tag ihr Können unter Beweis stellte. Text: Clara Coenen und Bilder: Eva Grasedick

  • Jubiläen in Seligenporten

    Ein besonderes Jubiläum, zwei runde Geburtstage und die Premiere einer Zwei-Meute-Jagd: Neben der Vogelsberg-Meute war auch die Geiseltal Beaglemeute angereist und im Kloster Seligenporten stand alles im Zeichen von 50 Jahren durchgehender Schleppjagd-Tradition. Die Jagdgesellschaft erlebte von Freitag bis Sonntag unvergessliche Tage im Zeichen der Passion, der Freundschaft und des Jagdreitens. Bereits am Freitagnachmittag fanden sich 23 früh angereiste Reiterinnen und Reiter ein zum traditionellen Vorbereitungsausritt. Bei herbstlichem Sonnenschein führte die Strecke durch bunte Wälder, über weitläufige Wiesen und Äcker. Ein erster Höhepunkt war der Zwischenstopp im Steinbruch, wo eine herzhafte Brotzeit sowie Wein – sogar aus Gläsern – gereicht wurden. Auf dem Rückweg passierte die Gruppe bereits Teile der späteren Jagdstrecke. Dies bot allen Gelegenheit, die anspruchsvollen Sprünge der bekannten „Geisterbahn“ sowie den Wasserdurchritt in entspannter Atmosphäre zu erkunden und zu üben. Am Abend versammelten sich die Equipagen beider Beagle-Meuten sowie die „Early Birds“ am Kamin zum gemeinsamen Abendessen. Gastgeber Toni Bauer überraschte seine Gäste mit einer kulinarischen Besonderheit: Gegrillt wurde direkt im Kamin. Der Abend klang bei gemütlichem Beisammensein, anregenden Gesprächen und der Vorfreude auf den Hauptjagdtag aus. Pünktlich fanden sich dazu neben den beiden Equipagen, der Jagd- und Hausherrschaft bereits 26 Reiterinnen und Reiter sowie zahlreiche Zuschauer im Klosterinnenhof ein. Zur Einstimmung gab es herzhafte Kartoffelsuppe und Sekt. Bei der Begrüßung gab Toni Bauer einen faszinierenden Einblick in die Geschichte: Historische Chroniken des Klosters belegen, dass Seligenporten bereits in früheren Jahrhunderten Standort des Jagdpacks der Wolfensteiner war – die Jagdtradition an diesem Ort reicht somit weit über das Jahr 1976 hinaus. Obligatorisch auch der Dank an die Jagdherrschaft Micky und Florian Gindert, an beide Meuten und die zahlreichen Helfer ohne die eine solche Veranstaltung nicht denkbar wäre. Kurz vor dem Aufbruch zum Satteln drohte ein Wettereinbruch mit dunklen Wolken und Regen die Stimmung zu trüben. Jagdherrin Micky Gindert bewies jedoch ein glückliches Händchen: Kurzerhand bat sie die Gesellschaft für eine halbe Stunde zurück an den warmen Kamin. Tatsächlich zog die Regenfront punktgenau vorüber, sodass alle Teilnehmer trocken im Sattel saßen, als die Beagles beider Meuten loslegten. Es folgten vier dynamische Schleppen über Wiesen und Natursprünge, getragen vom Geläut der Hunde. Bei zügigem Tempo und frischem Wind bot sich ein eindrucksvolles Bild. Zur Rast erwartete die Reiterinnen und Reiter als Neuerung eine beritten gut erreichbare Versorgungsbar zur Erfrischung. Frisch gestärkt ging es weiter über die legendären Naturhecken, überbaute Gräben und weitläufige Wiesen – stets den Beagles auf der Spur. Die neu konzipierte Waldschleppe stieß bei Mensch und Hund auf Begeisterung. Den krönenden Abschluss bildete die Halali-Schleppe durch die Geisterbahn mit sechs Sprüngen in Serie, wovon zwei geheimnisvoll im Verborgenen lagen. Nach dem abschließenden Wasserdurchritt schallte das traditionelle „Halali-Halali“ über die Felder. Nach der Rückkehr zum Kloster, dem Curée für die Hunde und der Versorgung der Pferde fand sich die Jagdgesellschaft bei Kaffee und einem reichhaltigen Kuchenbuffet am Kamin zusammen. Bei Einbruch der Dunkelheit kehrten die grünen Jäger von der Entenjagd zurück. Das anschließende „Verblasen der Strecke im Fackelschein des Klosterhofes“ verlieh dem Abend eine außergewöhnliche, magische Atmosphäre. Die enge Verbundenheit zwischen der grünen und der roten Jagd rund um das Kloster wurde auch in den Worten von Rainer Pistorius deutlich. Das anschließende Jagdessen mündete in eine ausgelassene Feier. Erst tief in der Nacht – kurz bevor die Uhren auf Winterzeit umgestellt wurden – endete ein ereignisreicher Tag mit einer schwungvollen Stiefelparty. Das von den grünen Jägern verliehene bayerische Prädikat „wuide Hund“ bescheinigte den Jagdreitenden nicht nur ihren beherzten Ritt im Feld, sondern auch ihr Stehvermögen auf der Tanzfläche. Am Sonntagmorgen traf sich die Gesellschaft noch einmal zu einem gemeinsamen Frühstück. Mit unvergesslichen Eindrücken, bester Laune (und einer gewissen Müdigkeit) traten die Gäste im Laufe des Vormittags die Heimreise an. Text: Micky Gindert und Bilder: privat. Mehr unter https://www.pictrs.com/givemeasmile

  • Saumäßig glücklich

    Wollschwein Piggeldy ist ihre beste Freundin! Meutehunde müssen möglichst früh alles kennenlernen, was ihnen in ihrem späteren „Arbeitsleben“ begegnen könnte. Diese Prägephase ist begrenzt auf den Zeitraum zwischen der achten und zwölften Lebenswoche. Die diesjährigen Welpen der Hardtmeute sind jedenfalls eindeutig schon „schweinefest“. Sie turnen mit Begeisterung auf dem warmen Bauch der Wollsau, benannt nach einer Zeichentrickfilmfigur aus dem Kinderfernsehprogramm. Seit zehn Jahren lebt das Schwein bei Master Andrea Wiehn im Kennel des Badischen Schleppjagdvereins auf dem Lacherwaldhof in Dunzweiler. Und wenn sie müde sind, kuscheln sie sich dann auch gerne dort ein. „Die lieben sich einfach.“ So wie alle Hunde, die Piggeldy mit Andrea Wiehn großgezogen hat, als gute Lehrmeisterin für die Grand Anglo Francais Hunde, die später eine Schulterhöhe von 70 Zentimetern erreichen werden. Und auch keine schlechte Alternative für das Schwein, das eigentlich „nur ein schönes Jahr auf dem Meutehof haben sollte“ - um dann Fleisch zu liefern. Aber wie das manchmal so geht.... Text: PS und Foto: Andrea Wiehn

  • Rheinlandmeute sicher zertifiziert

    "Wow! Das war Spitzenklasse!“ Begeistert äußerte sich die Vorsitzende der Deutschen Schleppjagdvereinigung, die als Beobachterin die Betriebssicherheitsprüfung der Rheinlandmeute begleitet hat. „Ich habe schon einige Prüfungen gesehen, aber das jetzt war wirklich etwas Besonderes“, betonte Steffi Schreck. Betriebssicherheitsprüfung – was ist das? Antwort: ein verbindlicher Test für jede Meute, die der Deutschen Schleppjagdvereinigung (DSJV) angeschlossen ist, orientiert an den Rahmenrichtlinien des Jagdgebrauchshundeverbandes (JGHV) für Gebrauchsprüfungen der „richtigen“ Jagdhunde, während Meutehunde eine Jagd ja nur auf einer Duftspur simulieren. Abgenommen wird die Prüfung von erfahrenen Mastern und Huntsmen gemeinsam mit einem Verbandsrichter des JGHV. Bei der Rheinlandmeute agierten Jürgen Böcking (Cappenberger Meute) und Holger Balmes als Prüfer. Die Prüfung dient der Sicherheit und Ordnung im Schleppjagdsport. Sie zeigt, dass die Junghunde wildfrei und spurtreu sind, also auf der künstlich gelegten Schleppe bleiben. Außerdem müssen sie in jeder Situation im Appell von Master und Pikören stehen und Fremdhunde passieren können, ohne Interesse zu zeigen. Bewertet wird das Verhalten der Hunde in der Meute: Appell, Gehorsam bei der Begegnung mit Wild oder anderen Hunden, Bindung an den Master oder Huntsman und die Fähigkeiten auf der Schleppe. Die Prüfung muss mindestens alle drei Jahre abgelegt werden, auch als ein Zeichen nach außen, denn Schleppjagdreiten ist keine Jagd auf Wild, sondern eine Reitjagd auf einer künstlich gelegten Duftspur. Die einzelnen Prüfungsteile sind in den Richtlinien der DSJV klar definiert: ● Spurtreue: Folgen die Hunde der Schleppe sauber und ohne Abweichung? ● Loslassen und Annehmen: Lassen sich die Hunde auf Kommando lösen und zuverlässig wieder aufnehmen? ● Reiten der Equipage: Wie harmonisch bewegt sich die Gruppe im Schritt und Trab sowie beim Stop-and-Go, dem Anreiten mit den Hunden? ● Gangarten der Meute: Trab und Galopp der Hunde sowie das sofortige Anhalten der Meute. ● Abrufen der Meute: Der Reiter entfernt sich rund 100 Meter von der Meute und ruft die Hunde zu sich. Die Equipage folgt der Meute, hält an und ist sofort wieder bereit. ● Wildspur-Probe: Über den Weg wird eine Rehdecke gezogen. So wird geprüft, ob die Hunde der Wildspur folgen. Sie dürfen das nicht! ● Fremdhunde: Ein Hund, der nicht zur Meute gehört, darf nicht beachtet werden. Die Foxhounds müssen geschlossen an ihm vorbeilaufen. Ein Erfolg bei der Prüfung ist immer das Ergebnis sorgfältiger Vorbereitung. Während der Jagdsaison trafen sich die Piköre der Rheinlandmeute immer zusätzlich auch montags zu gemeinsamen Übungsstunden mit einem Teil der Equipage. Im Mittelpunkt standen weniger die Schleppen als das Stop-and-Go, das Reiten in der Gruppe und das Zusammenspiel in der Equipage. „Das Schleppjagdreiten ist ein echter Mannschaftssport, der Mensch und Hund, Reiter untereinander, Pferde und Natur gleichermaßen verbindet, und genau darauf kam es an“, verdeutlicht Kim Dippe. „Donnerstags haben wir zudem unser gesamtes Pack mit unseren Junghunden aus dem R- und S-Wurf in einem Fußtraining bewegt. Dabei übten wir unter anderem das ruhige Verhalten bei Fremdhunden.“ Diese wichtige Prüfung für alle DSJV-Meuten setzt heftige Emotionen frei. Dippe: „Vor der Prüfung war die Aufregung groß, doch das Vertrauen in unsere Hunde und in die Equipage war stets da. Umso größer ist nun die Freude über das Ergebnis. Die gemeinsame Vorbereitung hat die Equipage als Gemeinschaft noch enger zusammengeführt. Solche Übungsstunden wollen wir auch künftig pflegen, denn neben Schleppe und Hundetrab gehören das Abrufen der Meute und das Meistern ungewöhnlicher Aufgaben zu einem gut eingespielten Team. Und dieses hilft uns eben auch auf Schleppjagden. Mit unserer Meute sind wir von Herzen zufrieden. Sie standen vorbildlich im Appell, folgten der Schleppe spurtreu und hörten aufmerksam auf Ruf und Horn unserer Huntslady Barbara Siegel.“ Und man wäre ja nicht bei der Rheinlandmeute, wenn zum Abschluss an die Betriebssicherheitsprüfung nicht auch gefeiert worden wäre. Im Anschluss ging es zur Oktoberfestparty im Naturressort Tannenhof, dem Ort des traditionellen Pfingstwochenendes bei der RM. Eine schöne Gelegenheit, das Dirndl auszupacken, das bereits bei der Meutehaltertagung im April in Bayern ausgeführt wurde. Text und Bilder: Kim Dippe

  • Alles Zirkus

    „Kamele“ gibt es ja viele auf dieser Erde… Aber dass Geburtstagsgäste bei einer Einladung zum Feiern von zwei lebendigen Vierbeinern dieser Art begrüßt werden – dafür muss man schon nach Mecklenburg kommen. Auf der Reitanlage an der Redentiner Mühle bei Wismar feierte unlängst Peter Leibold den Eintritt in das siebte Lebensjahrzehnt. „Das Leben ist eine große Manege“ – welch ein nützlicher Sinnspruch. Passend dazu hatte der Präsident des Schleppjagdvereins „von Esebeck“ den Zirkus Renz als Kulisse und „Tatort“ für sein Fest eingeladen. Blau-gelb strahlten die beiden Zelte, errichtet inmitten der Stallungen und der Reithalle; die Kamele im Gatter am Eingang blickten freundlich. Sportlich Aktive unter den Gästen konnten den Gastgeber bei einer privaten Schleppjagd hinter den Hunden der Mecklenburger Meute begleiten. Master Gabriel Rodenberg hatte dafür auch die andere Hälfte der Hunde, die bei ihm in Dalwitz stationiert sind, zu den Kumpels in Redentin mitgebracht. Anschließend wurde in der Manege im großen Zirkuszelt gefeiert. Große Bühne für Artisten und auch die Hounds waren angetreten, um ihrem „Zirkusdirektor“ die Honneurs zu machen. Zitat des Gastgebers, eingebettet in Erzählungen über Stationen seines Lebens, das auf einem Bauernhof in der Nähe von Fulda begonnen hat: „Wir alle sind Akrobaten des Alltags, auf dem Hochseil des Schicksals und des Glücks. Wer darauf umkehrt, strauchelt und kann stürzen. Wir sind Dompteure unserer Ängste und wir sind Jongleure unserer Träume…..“ Wohl wahr… Text: PS und Bilder: Klaus-Dieter Baumgart

  • Viele Gründe für Seligenporten

    Man muss die Feste feiern, wie sie fallen, zumal als Jagdreiter im Oktober. Und ein Anlass findet sich doch immer. Micky und Florian Gindert haben gleich vier gefunden für eine Doppeljagd mit zwei Meuten in Seligenporten. Foto: givemeasmile/Peter Jäger Am Wochenende, 23. bis 25. Oktober gehen die Beagles vom Vogelsberg und aus dem Geiseltal gemeinsam auf die Schleppen. Dann wird die Oberpfalz in Bayern „auf links gedreht“, denn diese Schleppjagd im Landkreis Neumarkt gibt es seit 50 Jahren und der Erfinder und Veranstalter Toni Bauer feiert sein siebtes Lebensjahrzehnt. Außerdem ist Seligenporten ein besonderer Ort für die Jagdherrschaft. Hier haben sich Florian, geb. Kallert und seine Michaela „Micky“ Gindert 2020 verlobt, und jetzt sind die Geschäftsführerin der Vogelsbergmeute und ihr Mann seit fünf Jahren eine Familie. Dass die Braut inzwischen eine vier vorne stehen hat – davon spricht man jetzt nicht so laut. Und sehen tut man davon ja auch nix. Alle Details für das Wochenende in der Einladung hier:

  • Termin neu: Verden und Isernhagen

    Dinge ändern sich – selbst so eiserne Grundsätze wie „Isernhagen immer am Hubertustag“. In diesem Jahr 2026 wird über die Hecken auf dem ehemaligen Übungsplatz der Kavallerieschule bereits am 1. November gesprungen, also am Sonntag, nicht am Dienstag, am 3. November. Foto: Thomas Ix Diese Terminverlegung macht das Wochenende zu einer anstrengenden Angelegenheit, für die Niedersachsenmeute und auch für die engagierten Jagdreiter, die nur ein Pferd zur Verfügung haben. Die meisten werden sich entscheiden müssen für einen von zwei Terminen, denn bereits am Samstag, am 31. Oktober, laufen die Hunde in Verden auf den Allerwiesen. Auch das ist ein fester Termin. Beide Jagden zählen mit zu den anspruchsvollsten im Kalender der Meute. Alle Infos zu Verden hier: Zu Isernhagen hier:

  • Nix Sofa: Jagd auf der Königsinsel

    UPDATED - TV-Tipp Dichte Wolken, leichter Regen und kühle Temperaturen - für viele bedeutet das: Sofa! Nicht aber für Jagdreiter, die am Samstag mit 40 Pferden und 30 Englischen Foxhounds zahlreiche Zuschauer auf Herrenchiemsee lockten, um dort bei bestem „Hundewetter“ die 69. Große Herbstjagd über die Königsinsel zu bestreiten. Unter der Schirmherrschaft von Hubert Aiwanger, Staatsminister und stellvertretender Bayerischer Ministerpräsident, und auf Einladung von Esther Höhn und Josef Ettenhuber, die in diesem Jahr zum 10. Mal die Jagdherrschaft für diesen Höhepunkt im Jagdkalender übernommen hatten, durfte bereits zum 37. Mal hinter der Meute aus dem Wittelsbacher Land auf dem geschichtsträchtigen Boden geritten werden. Neben Teilnehmern aus ganz Deutschland waren auch Gäste aus der Schweiz, Italien und sogar aus Australien angereist. Auch die Vorsitzende der Deutschen Schleppjagdvereinigung, Steffi Schreck und Vertreter der Cappenberger- und der Rheinlandmeute mischten sich unter die Gesellschaft – Jagdreiten verbindet. Am Freitagabend wurde das traditionsreiche Jagdwochenende mit einem Empfang im Pferdemuseum auf Gut Ising eingeläutet. Die Gastgeber Ettenhuber und Höhn begrüßten ihre Gäste und gaben ein paar Hinweise über den Ablauf des Wochenendes. Auch Präsident und Master Toni Wiedemann begrüßte und dankte der Jagdherrschaft für ihr großes Engagement, für ein Jahrzehnt Herrenchiemsee und zuvor zahlreiche Jagdpatenschaften für die Jagd am Haupt- und Landgestüt Schwaiganger. Begleitet von Alphornbläsern begann nun der gemütliche Teil des Abends, voller Vorfreude auf die bevorstehende Jagd. Der nächste Tag startete für alle früh am Morgen. Bereits um kurz nach sieben bildete sich eine lange Schlange am Schiffsanleger für die Überfahrt mit der Fähre auf die Insel. Nach dem Jagdfrühstück begrüßten beim Stelldichein vor der Kapelle der Schirmherr Hubert Aiwanger, die Jagdherrschaft Josef und Esther und der Master Toni die Gesellschaft. Alle betonten die Verbundenheit zur Natur, zu den Tieren und zu Kultur und Tradition, die mit Veranstaltungen wie dieser gepflegt und erhalten werden. Ein besonderer Dank ging an dieser Stelle an alle, die dazu beitragen, dass solch ein Großevent vor so einer besonderen Kulisse stattfinden kann. Priester Dr. Lothar Katz segnete schließlich Hunde und Pferde und schickte die Reiter, begleitet von den jagdlichen Klängen der Bläsergruppe Trompes de Bavière, auf eine unfallfreie Jagd. Rund 18 km legte die Jagdgesellschaft zurück, überwand dabei auf sieben Schleppen insgesamt 25 Hindernisse. Der traditionelle Ritt durch den Kanal fiel in diesem Jahr wegen des niedrigen Wasserpegels allerdings sehr trocken aus. Auch nach dem letzten Sprung in „Pauls Ruh“ mussten sich die Pferde zunächst durch den Schlamm des trockengelegten Ufers kämpfen, bevor sie das türkisgrüne Wasser des Chiemsees erreichten. Zum Glück musste kein Reiter Bekanntschaft mit dem zwar sehr weichen, aber auch ziemlich müffelnden Untergrund machen. Nass wurde man wegen des Regens trotzdem, was einem „echten Jagdreiter“ aber nichts ausmacht. Das Geläut der Hunde und das Donnern der Pferdehufe im Galopp entschädigten für die durchweichte Kleidung. Und beim großen Halali vor dem Königsschloss war der Regen längst vergessen. Zu einem stimmungsvollen Abschluss des Wochenendes traf sich die Jagdgesellschaft am Sonntag in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf Gut Ising zur festlichen Hubertusmesse, die von den Bläsern der Trompes de Bavière musikalisch begleitet wurde. Text Kathrin Haselbauer und Bilder: Verena Dechant, SvB und privat Bei der Schleppjagd auf der Insel Herrenchiemsee war auch der Bayerische Rundfunk mit einem Kamerateam dabei. In der ARD Mediathek kann man den Beitrag sehen. Dies ist derLink: https://www.ardmediathek.de/video/abendschau-der-suden/tradition-schleppjagd-auf-herrenchiemsee/ard/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNVdPMDE3OTcxQTAvc2VjdGlvbi9kOTE4YTg2ZC1kOTQ1LTRiYmMtOTJiMi1mMzk4YTRjYzE4MTU

  • „Ihren Jagdschein, bitte!“

    Menschen, die „in Zeiten wie diesen“ eine neue Schleppjagd in jungfräulichem Gelände veranstalten, die sind so selten wie karierte Maiglöckchen oder ein weißer Elefant. Martha Eugenia Bende ist nichts davon – aber sie hat einen Plan. Sie will am 17. Oktober die Schleppjagd als altes Kulturgut auch Menschen zugänglich machen, denen Pferde, Hunde und die Tradition der roten Röcke bislang fremd sind. Sie lädt ein zu „Marthas Ostseejagd“ in das mecklenburgische Heilbad Graal-Müritz. Martha Bende sieht sich selbst „nicht als die typische Jagdherrin“, sagt über sich: „Ich bin weder adlig noch Gestütsbesitzerin“. Aber sie ist pferdeaffin. „Als Kind habe ich mir an jedem Geburtstag beim Ausblasen der Kerzen auf dem Kuchen ein Pferd gewünscht.“ Ihr Großvater hatte Pferde in den Großen Salzwiesen am Ribnitzer Moor, aber sie hat das Reiten nicht von der Pike auf gelernt. Sie studierte Soziale Arbeit und kaufte von ihrem Gehalt ihr Herzenspferd Cassandro. Vor drei Jahren hatte sie Lust, mit dem Schimmel etwas zu unternehmen und stieß bei ihren Recherchen auf die Mecklenburger Meute. „Seitdem brenne ich für die Schleppjagd“. Seit ihrer "Feuertaufe" am Tegelhof auf Rügen ist sie häufig im Jagdfeld hinter den Hunden unterwegs, und bei der „Wald- und Wildwoche“ in ihrem Heimatort Graal-Müritz entstand die Idee für einen neuen Programmpunkt in dem kommunalen Tourismusangebot: Marthas Ostseejagd im Moor, dem großen Küstenwald und am Strand. Aber die Umsetzung war nicht so einfach. „Ich weiß nicht, wie oft ich schon erklärt habe, dass bei einer Schleppjagd niemand totgeschossen wird.“ Als sie im Rathaus ihren Plan vorstellte, kam als Antwort auf einen ihrer „sechs oder sieben Anträge“ zunächst die Auflage, dass alle Teilnehmer der Schleppjagd aber auch ihren Jagdschein vorlegen müssten. Für die Sondergenehmigung auf dem Parkplatz musste sie ein Foto des Meutetransporters vorlegen, um klarzustellen, dass da kein Zwanzig-Tonner im Naturschutzgebiet anrollt. Bende hat Verständnis für diese Sorgen. „Ich hatte ja bis vor drei Jahren selbst keine Ahnung und genau die gleichen Fragen, wie sie mir jetzt gestellt wurden.“ Um alle Missverständnisse im Vorhinein auszuräumen, bietet sie jetzt sogar einen Info-Abend an, am 12. Oktober ab 17.30 in ihrer Ferienhaus-Anlage, der „Villa Meeresblick“. Da will sie erzählen, wie eine Schleppjagd abläuft. „Kein Vortrag, das ist langweilig.“ Auf dem Kremser können auch Nicht-Reiter am Samstag danach, am 17. Oktober, das Geschehen beobachten und die Jagdsignale der Bläser kennenlernen. „Ich will, dass die Menschen wieder näher an die Natur heranrücken und die Scheu vor Pferden und Hunden verlieren.“ Das setzt Bende auch beruflich um, mit Cassandro und dem Schecken Crispy, ihrem jetzigen Jagdpferd, beim therapeutischen Reiten, bei Bauernhof-Pädagogik oder bei Besuchen mit ihren Pferden im Hospiz. “Das ist mir eine Herzensangelegenheit!“ Text: Petra Schlemm und Bild: Klaus-Dieter Baumgart Alle Info zu Marthas Ostseejagd hier:

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