Jagd und königliche Momente
„Jagd ohne Hund ist Schund“, sagen die „grünen“ Jäger. Während die „roten Jäger“, die Jagdreiter in Deutschland, aus der traditionellen Parforce-Jagd die Schleppjagd gemacht haben, hinter Hunden auf künstlicher Fährte, so ist in Dänemark daraus sehr sportliches Gruppen-Geländereiten geworden, ähnlich (aber besser) als bei uns die meisten Fuchsjagden der Vereine.

Das Jagdreiten in Dänemark lockt irrwitzige Zuschauermengen: 25.000 erfreuen sich an dem Anblick der eleganten und durchweg guten Reiter auf schnellen und schönen Pferden, die über massive Hindernisse setzen. So viele Zuschauer hat man in Deutschland höchstens bei der Vielseitigkeit in Luhmühlen, an einem guten Tag, aber niemals bei einer Schleppjagd. Aus Deutschland sind in diesem Jahr Anja Cohrs und Wolfgang Kailing mit ihren Pferden dabei gewesen.

Hier ist Anjas Bericht:
„Wie jedes Jahr am ersten Sonntag im November findet im Stadtpark von Kopenhagen die Hubertusjagd statt. Auf Einladung von Mette Kaufmann vom Sportrideklubben durften wir ein ganz besonderes Wochenende in Dänemark erleben.

Wolfgang und ich, als Mitglieder der Niedersachsenmeute, machten uns mit Gespann auf den Weg und wurden mit herzlicher, warmer Gastfreundschaft empfangen, die uns vom ersten Augenblick an das Gefühl gab, willkommen zu sein. Bereits unser erster Ritt führte uns in das beeindruckende Wildgatter Dyrehaven, eine über 1.000 Hektar große, weitläufige Landschaft, in der Rot- und Damwild frei leben. Inmitten dieser herrlichen Natur liegt das prachtvolle Jagdschloss aus dem 17. Jahrhundert – ein Ort, an dem Geschichte, Tradition und die besondere Atmosphäre der dänischen Jagdkultur auf einzigartige Weise miteinander verschmelzen.

Der Sonntag wurde zum Höhepunkt unseres Aufenthalts. Rund hundert Reiter jeden Alters kamen zusammen, um diese traditionsreiche Jagd auf dem Rücken der Pferde zu erleben. Sportlich, schnell und voller Begeisterung ging es über eine Strecke von etwa zwölf Kilometern mit rund 40 Hindernissen. Entlang der Strecke versammelten sich etwa 25.000 Zuschauer aus Kopenhagen und Umgebung, die dieses außergewöhnliche Ereignis mit großer Freude begleiten und bejubeln.

Ein ganz besonderer Moment war die Ankunft der Kutsche mit Ihrer Majestät, Königin Mary. Wir durften Spalier stehen und salutieren – ein Augenblick voller Würde, Ehrfurcht und königlichem Glanz, der uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Nach der Hauptjagd folgten die traditionellen Qualifikationsrennen, darunter ein Flachrennen zur Ermittlung der Führung des Fuchses für das kommende Jahr. Auch hier zeigte sich die tiefe Verbundenheit mit den überlieferten Bräuchen und der lebendigen Jagdtradition.


Am Abend fand das Wochenende seinen festlichen Höhepunkt bei einem traditionellen Galadinner in einem royalen Saal. In diesem besonderen Rahmen wurden zunächst der König und der heilige Hubertus besungen und gesegnet, die Gewinner der Rennen geehrt und die Jagdsaison feierlich verabschiedet. Doch neben all der Tradition und dem sportlichen Ehrgeiz waren es vor allem die menschlichen Begegnungen, die dieses Wochenende so besonders machten. Es wurde getanzt, gelacht und in geselliger Runde gefeiert. Alte Freundschaften wurden gepflegt, neue Verbindungen geknüpft und die dänische Gastfreundschaft einmal mehr von Herzen spürbar.
Am Montag traten wir die Heimreise an – erfüllt von unzähligen Eindrücken, bewegenden Momenten und der Gewissheit, etwas ganz Einzigartiges erlebt zu haben.Ein Wochenende, das uns nicht nur die Schönheit einer großen Tradition nähergebracht hat, sondern auch gezeigt hat, wie wunderbar Sport, Geschichte, Freundschaft und Gastfreundschaft miteinander verbunden sein können. Von Herzen danke an Mette Kaufmann und den Sportrideklubben für diese unvergesslichen Tage. Wir nehmen viele schöne Erinnerungen mit nach Hause und freuen uns schon auf ein Wiedersehen.“
Text und Bilder: Anja Cohrs und privat
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