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Schleppjagd in Seligenporten

Der Name Seligenportens geht auf das Frauenkloster zurück, das als „monasterii felicis porte“ (Kloster zur glücklichen Pforte) bezeichnet wurde, sagt Wikipedia. Auch 781 Jahre später, im Oktober 2023, ist es ein glückhafter Ort geblieben und so schließt sich der Kreis in diesem Jagdbericht.




Die Landschaft um Seligenporten, eingebettet in den Markt Pyrbaum, erstreckt sich weitblickend mit herrlichem Grün und leichten Hügeln in Richtung Horizont. Durchzogen wird die Fläche mit manchem Graben und Nadelforst, beritten werden kann sie hier und da auf weichem Sandboden.

Von der Durchfahrt Seligenportens biegt man in einer leichten Kurve durch den Torbogen des Klosters ab und betritt einen Ort der Jagdreiterei. Im gotischen Kreuzgang verzieren Gemälde mit Jagdmotiven die Wände. Fast schon historisch wirkende Fotografien in schwarz-weiß charakterisieren die Stimmung hoch zu Ross hinter den Hunden und zeugen von Heldentaten über den berühmten Hecken zu Sudermühlen. Sie stimmen freudig auf den bevorstehenden Jagdtag ein. Im Hintergrund hallen die dezenten Klänge imposanter Hornfanfaren durch den Gang des Klosters.


Die erste Line startet auf herrlichem Grün. Es geht über breites Geläuf mit einem leichten Anstieg, der den Pferden sogleich vorhandene, überschüssige Energie raubt. Ein malerischer Blick über das Tal in Richtung Seligenporten wartete am Ende der Schleppe, von der aus es unmittelbar zur nächsten ging. Am Waldrand legten wir die Beagles ab. Unüberhörbar gaben sie Laut und signalisierten ihre Ungeduld. Von breiter Wiese kommend, leicht bergab, fädelte sich das Feld diszipliniert in eine Schlange ein: „Siehe da: ein Gräbelein“, oder „oh Schreck, wie komm‘ ich da nur rüber?“.


Die dritte Line war lang und bescherte uns eine naturgewachsene Hecke, leicht bergab zu springen. Sodann ging es auf einer abwechslungsreichen Linienführung auf Feldwegen und Wiesengeläuf weiter, bis wir die Schleppenleger am Waldrand erreichten.

Der vierte Run war englisch. Hier überzeugten mehrere Hecken in einem Windschutz von der britischen Seite, die Bayern bislang an sich zu verstecken versuchte. In großen Bögen wurde der Windschutz „s-förmig“ durchritten. Sprung, in breitem Radius die Hand wechseln, sah sich ein paar hundert Meter weiter erneut mit einer Hecke konfrontiert, um sogleich den nächsten Bogen auszureiten, während unmittelbar das nächste im Windschutz versteckte Buschwerk zu überwinden ist.

Die Beagles hatten alle Nase voll zu tun; aber meisterten ihre Aufgabe mit großem Erfolg und führten das Feld wie in einer Perlenkette geschnürt durch die einzelnen Elemente dieser Line.

Auf dem Rückweg war schnelles Denken und Handeln in hohem Tempo angesagt. Die berühmte Geisterbahn lockte mit all ihren Reizen. So kann man froh sein, dass sie deutlich entschärft im Vergleich zu früher ist, denn hier kommen die Hindernisse dicht an dicht. Zwar sind es nur drei oder vier in Folge, dem Verfasser ging’s spürbar zu schnell. So verzählte er sich beim Überwinden der Sprünge selbst.

Wem sein Hunter zu schnell wurde, der konnte sich auf den gut gefüllten Bachlauf am Ende des Wäldchens verlassen, der die Pferde auf natürliche Weise ausbremst. In diesem Jahr war er spürbar tief.

Am anderen Ufer ging es weiter. Der Run nimmt noch einmal an Fahrt auf, auf weiten und grünen Wiesen kann man das Glück hoch zu Ross fühlen. Oh Schreck, schon wieder eine Hecke. Sogleich ein Graben. Das Feld nun deutlich entzerrt! Am Ende der Line waren alle glücklich. Es war der letzte Run des Tages. Die Strecke insgesamt: Nicht zu kurz, nicht zu lang. Ganz besonders hervorzuheben: die große Abwechslung! Wo sonst kommt man in den Genuss aus einer Mischung von Wiesen, Sandwegen, Gräben, Hecken, festen Hindernissen, Waldpassagen und Bachlauf? Gepaart mit dem einzigartigen Ambiente, das das Kloster seit jeher bietet!

Für Jagdreiter, die eine urige Seite an sich haben, sei gerade die Klostergaststätte eine Wohlfühloase. Holzvertäfelt, mit offenem Kamin, Gemälden und Bildern an den Wänden – es könnte auch ein Pub in England sein. Doch schmeckt man spätestens am guten Bier, doch in Bayern gelandet zu sein!

Text: Philipp Jakob und Bilder: Heike Schrader

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