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Fritz Pape 1947 - 2023

Die Jagdreiter trauern um Fritz Pape, einzigartiger Mensch, Horseman und Jagdreiter, der wenige Wochen vor seinem 76. Geburtstag gestorben ist.



Geboren am 10.09.47 in Pforzheim, zog er mit der Familie in jungen Jahren auf das von seinem Vater gekaufte Schloss Sindlingen in Jettingen bei Herrenberg. Hier lernte er das Reiten in allen Disziplinen von der Pike auf. Vom Jagdreiten kam er zum Vielseitigkeitssport, damals noch Military genannt. Auf vom Vater gezüchteten Pferden brachte er es bis in den Vielseitigkeitskader und war nominiert für die Olympischen Spiele 1972 in München, an denen er aufgrund einer Verletzung seines Trakehners Talmingo nicht teilnehmen konnte. Die Brüder Fritz und Hans Pape dominerten Jahrzehnte lang die Turniersportszene im Ländle. Fünfmal wurde Fritz Landesmeister in der Vielseitigkeit, daneben war er auch im Springsport bis Klasse S erfolgreich. Seine Turnierpferde liefen morgens noch Reitstunden, dann ging es auf ein Turnier, wo er oft die goldene Schleife mitbrachte. Nachdem ihm der Durchbruch bis zu den großen internationalen Championaten nicht gelang, baute er, nach Abschluss der Ausbildung zum Hotelier und Gründung einer Familie, auf Schloss Sindlingen ein Mekka des Jagd- und Geländereitens auf. Er begeisterte Generationen von Reitern, vom Kind bis zum Erwachsenen, für das Geländereiten, führte ganzjährig Kurse durch und fuhr jährlich Anfang November mit einer Gruppe von Lehrgangsteilnehmern zum Jagdreiten nach Irland. Er war 33 Jahre Landestrainer Vielseitigkeit, erkannte früh das Talent von Michael Jung und förderte ihn. Er veranstaltete Vielseitigkeitsturniere und Jungpferdesichtungen. Neben Vielseitigkeitsreitern machte er auch viele Jagdreiter beritten. Seine internationalen Kontakte reichten von Irland bis Australien.

Unverkennbar mit seinem Schnauzbart hat er aber nie aufgehört selbst Jagden zu reiten und andere Menschen für das Jagd- und Geländereiten zu begeistern. Die beliebten Lehrgänge auf Schloss Sindlingen waren für viele Reiter aus ganz Deutschland der Auftakt dazu. Die Herbstlehrgänge beinhalteten dabei auch die Teilnahme an den umliegenden Jagden unter anderem der Herbstjagd in Marbach mit der Hardt Meute. Fritz Pape war über ein Vierteljahrhundert Mitglied des Badischen Schleppjagdvereins und viele seiner Reiter wurden es ebenfalls. Beim Training und auf der Jagd war er mit seinen Schülern nicht zimperlich. Bei einer Jagd in Marbach beobachtete ich einen seiner Schüler, wie er abstieg und sein Pferd führte. Ich machte Fritz Pape darauf aufmerksam, der nur bemerkte ‚Ach ein Bedenkenträger, lass ihn sein Pferd nur zurückbringen‘. Wenn das Wetter schlecht war und der Veranstalter fürchtete, dass keine Teilnehmer kommen würden, auf Fritz Pape war immer Verlass, bis zu 20 Reiter kamen aus Sindlingen und Fritz strahlte: Wetter wie in Irland! Insider liebten die jagdlichen Ausritte rund um Sindlingen, besonders am 24. Dezember morgens, die Weihnachtsjagd.

Seine Gesundheit war nach einem Krankenaufenthalt stark eingeschränkt und trotzdem ritt er noch einmal in Marbach mit, aber man sah, dass es ihm nicht mehr leichtfiel.

Vor zwei Wochen hatte er sich bei einem Spaziergang verlaufen, war hingefallen, konnte nicht mehr aufstehen und wurde erst am nächsten Tag nach einer großangelegten Suchaktion gefunden. Wahrscheinlich an den Folgen der Unterkühlung ist er jetzt gestorben.

Die Jagdreiter sind dankbar für seine jahrzehntelange Unterstützung und werden ihn in bester Erinnerung behalten. Sie trauern mit seiner Frau und seiner ganzen Familie.

Text: Clemens v. Welck und Bilder: Thore Brockhoff und Hagen Kälberer


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