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Aphorismen eines alten Züchters

Die ruhigen Tage „zwischen den Jahren“ bieten Gelegenheit zu Muße und Nachdenken. Vielleicht geben die „Trakehner Weisheiten“ Anstoß dazu und werden nach dem Jahreswechsel hin zu 2026 vielleicht sogar aktiv umgesetzt oder zumindest „im Hinterkopf“ bewegt.



Foto: Archiv Schleppjagd24

Die Aphorismen des Veterinärs Paul Matthias, der auch als Züchter des später legendären Tempelhüter bekannt wurde, hat Axel Henrich (Versmold) in seiner Bibliothek entdeckt.

Die Statue des Tempelhüter ist als Kopie des Originals aus Trakehnen in Verden an der Aller vor dem dortigen Pferdemuseum zu sehen.


Lebensdaten des Paul Matthias: geboren 1863 auf dem väterlichen Gut Kappe, Kreis Deutsch-Krone, Studium der Veterinärmedizin in Berlin und Hannover, Eintritt in den Gestütsdienst, 1886 bis 1894 Graditz, 1894 bis 1897 Beberbeck, 1897 bis 1924 Trakehnen, danach Privatpraxis in Packledimm, dort auch Ausbilder von bedeutenden ostpreußischen Dressurpferden, so auch von „Bojar“ v. Bulgarenzar, erfolgreich in Schweren Dressurprüfungen mit Käthe Franke. Paul Matthias stieg auch noch mit 75 Jahren täglich in den Sattel. Er war ein strenger Verfechter des Konzepts “Selektion nach Leistung“.


Hier sind die Erkenntnisse des Paul Matthias:


Mit der Zucht des Pferdes befasse dich nur, wenn dir die Liebe zum Pferd angeboren ist.

Pferdezucht ist keine sichere Kapitalanlage. Willst du rasch reich werden, werde Rossschlachter oder Autofabrikant.


Treibe Reinzucht! Benutze tiefe Stuten mit gutem Fettpolster und schwungvollem Gang. Beurteile die Stuten genauso streng wie den Hengst. Lege Stammtafeln an und versieh sie mit Bildern. Paare nach Exterieur, aber berücksichtige die Abstammung.


Untugenden und Charakterfehler vererben sich treu. Roarer (Kehlpopfpfeifer) und dämpfige Pferde meide. Periodische Augenentzündung ist kein Erbfehler.


Beim Verkauf sei ehrlich! Ein teuer verkauftes fehlerhaftes Pferd schadet dir mehr, als zehn reell verkaufte Pferde gut machen können. Beim Kauf lass kein Körperteil unbeachtet. Von dem, was du siehst, zieh` ein Fünftel ab; denn so viel ist das Pferd weniger, wenn du es im eigenen Stall hast.


Zieh` Pferde nicht im Stall auf, denn Pferde und Kaninchen sind grundverschiedene Tiere.


Für dein Pferd bist du verantwortlich, nicht dein Kutscher. Sind deine Pferde misstrauisch und böswillig, entlasse den Pfleger.


Gute Rossgärten, gute Zucht! Treibe Wechselweide mit Rindvieh. Lass die Pferdeäpfel auseinanderwerfen oder aufsammeln; du vermeidest Schädlinge und vermeidest Geilstellen. Zu alte Gräser ruinieren die Weide, nach dem Weiden die Mähmaschine, nach dieser die Wiesenwalze. Kompost ist der beste Weidedünger.


Wenn irgend möglich, baue Luzerne an. Sie ist gleich wertvoll grün und trocken. An tragende Stuten gib Wiesenheu. Meide versumpfte Weiden und tränke nicht aus Teichen.

Bei Absatzfohlen und Jährlingen spare nicht an Hafer. Einen Ersatz für Hafer gibt es nicht. Salzlecksteine und Kreide sollen in keiner Krippe fehlen.


Knochenstärke und Rumpfigkeit erreichst du nur durch gute Weide und viel Heu. Klee- Luzerne und Esparsettenheu ist das Beste für wachsende Pferde.


Das gesunde Pferd bedarf der Bewegung. Ein Feiertag mag hingehen, zwei sind von Übel.


Pferdezucht ist konservativ, Pferdehandel ist demokratisch. Das Pferd stellt den Idealismus, das Auto den Materialismus dar. Jeder hat das Pferd, das er verdient.


Die beste Prüfung des Edelpferdes ist die Jagd hinter der Hundemeute.


Wer Pferde und Hunde nicht mag, den betrachte mit Misstrauen – Reite, dann bleibst du jung!

Foto: Archiv Schleppjagd24 

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