75 Jahre Niedersachsenmeute
Der 75. Geburtstag - da wird „bei normalen Leuten“ gerne zum Mittagessen mit vorherigem Sektempfang eingeladen, damit der Gastgeber rechtzeitig zum Mittagsschlaf wieder zu Hause sein kann. Nicht so die Niedersachsenmeute.

Da gab es zwar auch Sekt, aber vorher eine knackige Jagd mit 65 Reitern und reichlich Sonnenschein in Völkersen und am Abend eine fette festliche Feier im Niedersachsenhof in Verden: Die Damen in lang, die Herren auch nicht mehr in Reitstiefeln, sondern im dunklen Anzug. Dazu Musik, die zum Tanzen oder wenigstens Mitwippen einlud, und wer mochte, konnte mit einem Imbiss gegen den kleinen Hunger vorgehen, ohne dass ein dickes Buffett die Tanzfreude eingeschläfert hätte.

Jobst von Reden als Vorsitzender des Schleppjagdvereins begrüßte nicht nur die Jagdherrin des Tages, Katrin Badenhop-Klatte und ihren Mann Sebastian Klatte, sondern „auch die Gäste, die noch keine Mitglieder der Niedersachsenmeute sind“. Die weiteste Anreise – aus Forst in Baden-Württemberg - hatte sicherlich die neue Vorsitzende der Deutschen Schleppjagdvereinigung, Stephanie Schreck, aber auch andere hatten keinen langen Weg gescheut: vom Hamburger Schleppjagdverein, aus Cappenberg und vom Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdverein.

Camill von Dungern und Leonard von Schultzendorff, „als der älteste und der jüngste Master“ der Niedersachsenmeute, hatten sich den Rückblick auf die Geschichte der Meute und den Ausblick in die Zukunft der Schleppjagdreiterei geteilt. Camill von Dungern zielte dabei in erster Linie auf den Meutebegründer Christian von Loesch, seinen Schwiegervater, der 1951 die ersten beiden Hunde aus Überbleibseln der Kavallerieschule Hannover und aus Verden übernahm, bevor zwei Jahre später der Schleppjagdverein gegründet wurde, mit dann fünf Foxhounds. Wohlgemerkt: Das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Verlust seiner schlesischen Heimat und ohne Beruf, denn Rittmeister waren nicht mehr gefragt. „Als ungelernter Landwirt“ und Vater von vier Töchtern hat er mit seiner Frau Sigrid in diesen kargen Zeiten den Grundstein gelegt für den heute mit rund 800 Mitgliedern größten Schleppjagdverein Deutschlands. Der Enkel des Meutegründers, Leonard „Löwe“ von Schultzendorff stellte das Gestern dem Heute gegenüber und gab zu bedenken, dass das Jagdreiten viele Anpassungen erlaube, „nur die Essenz sollte erhalten werden: Der Dreiklang von Hunden, Pferden und Mensch.“ Jeder – ob Reiter, Helfer im Hintergrund oder Zuschauer – trage dazu bei, diesen Sport und die Gemeinschaft zu erhalten und weiterzuentwickeln. Sein Aufruf: „Das Schicksal der Meutezukunft wird nicht von äußeren Umständen entschieden, sondern von uns. Packen wir es an!“

Die DSJV-Vorsitzende Stephanie Schreck hielt eine flammende Rede und lenkte den Blick der Zuhörer in erster Linie auf die vielen Helfer, die jeden Tag hinter den Kulissen im Einsatz sind und dafür Sorge tragen, dass der Jagdtag ein unvergesslicher Moment im Leben von jedem werden kann, der dabei gewesen ist. So hat die Niedersachsenmeute schon rund 40 Piköre, die an den Wochenenden reihum ihre Kraft und Zeit zur Verfügung stellen. Dann überreichte sie die Urkunde des Bundesverbandes der Meutehalter und Schleppjagdreiter zum 75-jährigen Bestehen an Jobst von Reden, stellvertretend für den Verein, der die Niedersachsenmeute trägt.

Neben der Urkunde wird im Kennel in Dorfmark dann auch das Bild der Cappenberger Meute hängen, das Conny Funke überreichte. „Wir sind zwar erst 66 Jahre alt, aber uns verbindet eine großartige Freundschaft, die hoffentlich noch lange erhalten bleibt und uns weiter viele schöne gemeinsame Jagden bringen wird“, wünschte sich die zweite Vorsitzende des Schleppjagdvereins aus Westfalen. Bevor die Tanzfläche freigegeben wurde, kam noch Karl Wallis vom Verdener Schleppjagdreitverein zu Wort als Sprecher der Jagdveranstalter. Er beschränkte sich auf eine eher ideelle und dabei wohl noch wichtigere Geburtstagsgabe: „Unsere Jagden sind unser Geschenk“. Und das sind immerhin jedes Jahr drei allein in Verden und drei weitere im Landkreis.
Text und Bilder: PS - Bilder von der Jagd in Völkersen unter www.foto-ix.de



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