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Blacky - im Innern der reinste Meutehund

Man muss nicht als reinrassiger Meutehund geboren werden, um die Schleppjagd zu verstehen und ein Kopfhund zu werden. Thorsten Mönchmeyer, der vor zwanzig Jahren noch als Jointmaster neben seinem Vater Hinrich stand, erinnert sich an seinen ersten „eigenen“ Anführer im Pack, das damals noch als Böhmer Beagle Meute firmierte. Blacky passte ganz und gar nicht in das Schema der Reinzucht – aber er war trotzdem ein ganz Besonderer.

Master Mönchmeyer erzählt: „Man darf die Althunde nicht unterschätzen, sie haben in der Meute viel Mitspracherecht und sie jagen die jungen/wilden Hunde mit ein. Sie zeigen ihnen wie es Spaß macht über Wiesen, Felder und in Wäldern zu jagen, sie sind Motivator und Wegweiser. Mit jeder Jagd lernen die Junghunde mehr und mehr von den alten. Auch wenn die Jungen mal zu stürmisch sind und die Alten sie dann mal vorführen - doch das ist Hundearbeit und ein Genuss zu sehen, was in der alten Hunden noch steckt.

Im Laufe der Jahre hatten wir schon den ein oder anderen Hund, der uns oft unsere Grenzen aufgezeigt hat, und wir haben erst immer über diese Hunde gemeckert, doch dann kam dieser eine Moment, und wir haben all unseren Groll vergessen. Das war der Moment, wo wir erkannten, warum dieser Althund das jetzt so macht. Erst dann haben wir gemerkt, wie wenig wir doch über Hunde wissen.

Der erste Hund, der mir gezeigt hat, wo meine Grenzen sind, war Blacky. Er war eine Mischung aus Dalmatiner und dem Nachbarshund. Blacky konnte seinen Vater nicht leugnen, denn er sah ganz genauso aus. Die Dalmatinerin war bei uns der Haushund und natürlich sollte der Wurf zu Hause bleiben. Die Welpen waren wahrhaft peinlich, weil sehr deutlich keine Meutehunde. Ich habe Blacky trotzdem mitgenommen und eingejagt. Er hat alles immer am schnellsten kapiert.


So ähnlich sah Blacky aus...


Dieser Hund hat im Laufe der Zeit richtige Fans gehabt. Oft fragten mich Zuschauer, ob ich Blacky mit dabei habe? Für mich war es ja klar, dass er mitkommt, aber als dann Sprechchöre anfingen seinen Namen zu rufen und ihn anfeuerten, da ist mir bewusst geworden, warum die Leute immer fragten, ob Blacky mit dabei ist.
Dieser Hund hat zuerst von mir und uns gelernt. Und als er gemerkt hatte, was es für ein Spaß macht, jedes Wochenende zur Jagd zu fahren, da konnten wir von ihm lernen. Er hat uns viele Jahre begleitet. Als er nicht mehr konnte, da hatte ich das Gefühl, ich falle in ein Loch. Das Pack hat sich viele Jahre auf ihn verlassen und konnte das auch immer voll und ganz. Er hat jede Schleppe sauber ausgearbeitet, und er war dabei sehr schnell. Richtig „sauer“ ist er geworden, wenn er überschossen hatte. Einmal hat er sich das durchgehen lassen, aber wenn es dann nochmal passiert ist - dann merkte man richtig, wie ärgerlich er war und mit sich selber unzufrieden. Dann fing er an noch sauberer zu arbeiten, und wehe einer seiner Kumpels zog nicht mit, dann hat er das kurzerhand geklärt. Das war immer der Moment, wo es für uns in der Equipage hieß: jetzt geht es richtig los. Ich weiß nicht, wie dieser Hund es gemacht hat, aber was er gemacht hat, war genial.

Beim Curée fiel er nie auf. Er hat sich sein Stück Pansen genommen und das war es. Oft sah es so aus, als wollte er sagen: ‚So Jungs, esst schnell auf, lasst uns eine kurze Pause machen und dann geht‘s zur nächsten Jagd‘.
So war er jedes Wochenende. Doch dann plötzlich lief er auf drei Beinen, und er wollte es nicht verstehen, dass er jetzt nicht mehr mit konnte. Er ist geröntgt worden, und die Diagnose wollte ich am liebsten nicht hören: wir müssen das Bein abnehmen, es besteht keine andere Möglichkeit. Puh, da bin ich mit Tränen in den Augen nach Hause gefahren.
Ich wusste aber, dass Blacky auf drei Beinen schneller läuft als das halbe gesunde Pack. Das wusste ich deshalb, weil er beim Training aus seinen Kennel ausgebrochen war und uns gefolgt ist.
Die Entscheidung stand fest: Blacky wird operiert, und uns war klar, dass diese Operation nicht ungefährlich sein würde. Der Tierarzt hatte mich noch einmal aufgeklärt, und auch der Arzt wusste, was dieser Hund uns bedeutet. Leider, trotz aller Mühe, ist Blacky dann nicht mehr aufgewacht…. Ich kann mich an eine Jagd später im Emsland erinnern, bei der die Bläser beim Schüsseltreiben die Geschichte des alten Kopfhundes geblasen und erzählt haben. In diesem Raum mit seinen vier Ecken standen vier Männer, die sich anschauten und mit ihren Tränen kämpften. Alle haben das gleiche gedacht: Blacky!“


Dazu noch eine persönliche Anmerkung:  Es war ziemlich am Anfang von Thorstens Zeit als Huntsman, als er erst Jointmaster war, aber doch schon alleinverantwortlich „sein“ Pack führte. Da lernte auch ich Blacky kennen. Thorsten hatte gerade begonnen, echte „Schauschleppen“ einzulegen, bei denen die Reiter im Feld tatsächlich mit ihren Pferden als Zuschauer stehen blieben um die Hunde bei der Arbeit zu beobachten. Heute ist das ziemlich verbreitet, aber zu Beginn der 2000er Jahre war das noch sehr unüblich. Wir blickten auf eine riesige rechteckige Grünfläche, die ganz umgeben war von Wald. Wir konnten den Schleppenleger beobachten und dann die Meute suchen sehen. Blacky vorneweg, natürlich, und wie immer auch für die Laien an seiner Farbe gut zu erkennen. Aber kurz nach dem Anlegen am Waldsaum bog die Meute falsch nach rechts ab, in großem Bogen nach innen auf die Fläche. Nur Blacky und ein, zwei andere liefen weiter „richtig“ auf dem Scent. Nach etwa dreiviertel der Strecke auf der Geraden, da bog Blacky plötzlich ebenfalls scharf ab. „Nein“, dachte ich. „Jetzt macht er es auch noch falsch! Und Thorstens Vorführung ist im Eimer.“ Aber nichts war „im Eimer“! Pfeilschnell schoss Blacky auf die Abtrünnigen zu, umkreiste die Möchtegern-Führenden und zog das gesamte Pack mit sich, mit vollem Geläut zurück auf die richtige Fährte…. Das ist eine der stärksten – nein, eigentlich DIE nachhaltigste Erinnerung - aus meiner Anfangszeit bei der Böhmer Harrier Meute (BHM), die damals noch als Böhmer Beagle Meute (BBM) firmierte. Blacky war weder das eine noch das andere - überdeutlich „nur“ ein Mischling, aber doch ein wunderbarer Meutehund!  PS