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Sanierungen in Marbach ausgezeichnet

Nicht nur die süddeutschen Jagdreiter sind begeistert und stolz auf „ihr“ Haupt- und Landgestüt Marbach. Bei der Jahrestagung der Deutschen Schleppjagdvereinigung 2016, ausgerichtet vom Badischen Schleppjagdverein Hardt-Meute, haben auch die Jagdreiter aus anderen Teilen des Landes das älteste Gestüt Deutschlands kennengelernt und bewundert. Bei einem Architekten-Wettbewerb sind jetzt die Sanierungen der Historischen Reithalle und der Langen Scheuer ausgezeichnet worden.


Ausgezeichnet: die Sanierung der Historischen Reithalle Marbach

Insgesamt 180 (!) Gebäude und bauliche Einrichtungen bilden die drei Ge-stütshöfe und vier Vorwerke des Haupt- und Landgestüts Marbach. Die meisten von ihnen stehen unter Denkmal- bzw. Ensembleschutz, was eine besonders umsichtige Nutzung und Instandhaltung mit sich bringt und Sanierungsarbei-ten langwierig gestaltet. Umso größer war die Freude bei allen Beteiligten, dass die Architektenkammer Baden-Württemberg im Jahr 2020 die gelungene Sanie-rung der Historischen Reithalle von 1860 und der Langen Scheuer (erbaut 1765-1771) im Haupt- und Landgestüt Marbach ausgezeichnet hat. Beim Wett-bewerb der Architektenkammer „Beispielhaftes Bauen Landkreis Reutlingen 2014-2020" vergab die siebenköpfige Jury unter Vorsitz von Prof. Susanne Dürr, Architektin, Karlsruhe, Vizepräsidentin der Architektenkammer, 22 Aus-zeichnungen. Eingereicht wurden 76 Arbeiten. Die Schirmherrschaft übernahm Landrat Thomas Reumann. „Wir danken allen Beteiligten für ihre umsichtige Planung und Umsetzung und gratulieren herzlich zur Auszeichnung“, sagt Landoberstallmeisterin Dr. Astrid von Velsen-Zerweck, „insbesondere dem Team von Vermögen und Bau Baden-Württemberg im Amt Tübingen gilt unser großer Dank für die gute Zusammenarbeit“.
Sanierung der Historischen Reithalle von 1860
Die Historische Reithalle im Haupt- und Landgestüt Marbach wurde 1860 während der Regentschaft von König Wilhelm I. von Württemberg (u.a. Begründer der weltberühmten Weil-Marbacher Vollblutaraberzucht) erbaut, erkennbar sind die Anklänge an orientalistischen Baustil nach der damaligen Mode, wie auch in der Wilhelma in Stuttgart zu sehen. Das Reithaus bildet zusammen mit den umliegenden Gebäuden des Gestüts ein denkmalgeschütztes Ensemble. Es wird auch heute noch für den täglichen Betrieb, v.a. für die Remontenausbildung in den Wintermonaten, genutzt. Für besondere Anlässe verwandelt sich die Reithalle in einen Empfangssaal, weshalb auch die Versammlungsstättenverordnung bei der Sanierung zu beachten war.
Begründung der Jury
„Der subtile Umgang mit der historischen Bausubstanz überzeugt und lässt die Reithalle in neuem Glanze erscheinen. Besonders der zurückhaltende Umgang mit Materialität und Farbigkeit schafft im Inneren ein Raumgefühl, das dem all-täglichen Reitbetrieb und den festlichen Veranstaltungen gleichermaßen be-eindruckend eine Bühne bietet. Die Modifizierung der Fassaden in Anklang an die historische Entstehungszeit hebt die architektonische Qualität des Gebäu-des bemerkenswert hervor. Die Sanierung schafft es daher, nicht nur die Ge-schichte des Baukörpers zu bewahren, sondern darüber hinaus dessen Nut-zungen zu optimieren“.
Architekten: e w architekten, Eberhard Wurst Freier Architekt BDA, Reutlingen; Projektleitung: Stephan Straush
Bauherr: Land Baden-Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau, Amt Tübingen
Statik: tragwerke+, Markus Vollmer, Reutlingen
Elektroingenieur: get solutions, Tobias Pich, Tübingen
Brandschutz: LW Konzept, Lilly Wedler, Stuttgart

Sanierung Ochsenstall/Lange Scheuer (erbaut 1765-1771)
Während der Regentschaft Herzog Carl Eugens von Württemberg (1737-1793) wurde in das Hofgestüt Marbach an der Lauter auch baulich investiert. In den Jahren 1765 bis 1771 wurde neben anderen Gebäuden die heute 38 m lange und 11,6 m breite Lange Scheuer mit Ochsenstall in vier Bauabschnitten unter den damaligen herzöglich-württembergischen Oberstallmeistern Gottlob Rein-hold Freiherr von Röder-Schwende (1762-1769) und Generalmajor Alexander Maximilian Freiherr von Bouwinghausen (1769-1794) erbaut. Sie befindet sich direkt an der Lautertalstraße L 249 und direkt gegenüber dem Haupteingang in den Gestütshof Marbach und ist Teil des komplett unter Denkmalschutz ste-henden Marbacher Gestütsensembles.
Das Fachwerkgebäude war stark beschädigt durch Holzfäule, Verwitterung und nicht fachgerechte Auswechslung von Konstruktionsteilen, und es neigte sich zur Straße hin. Zusätzliche Aufgabe bei der Sanierung war eine sichere Besu-cherführung vom Parkplatz zum historischen Gestütshof, die Umnutzung des Heu- und Strohlagers zur Ausstellungsfläche für historische Kutschen und Schlitten sowie die weitere Nutzung des Hofgeschosses als Pferdestall.
Begründung der Jury
„Die architektonische Weiterentwicklung und handwerklich hochwertige In-standsetzung des historischen Fachwerkgebäudes hebt diese Sanierungsauf-gabe entlang der Landesstraße deutlich hervor. Neben der Umnutzung der Scheuer zum repräsentativen Ausstellungsraum im Erdgeschoss und zu Pfer-deboxen im Hanggeschoss überzeugt insbesondere die neugeschaffene We-gebeziehung durch den Baukörper. Sie verläuft losgelöst und geschützt von der angrenzenden stark befahrenen Durchgangsstraße. Insgesamt sichert die Sa-nierung die Nutzung sowie den Erhalt des historischen Bauköpers. Darüber hinaus leistet sie durch die Rückgewinnung der öffentlichen Wegebeziehung einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Optimierung der fußläufigen Anbin-dung des Landesgestüts“.
Architekten: Hartmaier + Partner Freie Architekten BDA, Ralf Straub, Münsingen
Bauherr: Land Baden-Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen
Tragwerksplaner: MSing GmbH - Planungsgruppe Hohenstein, Franz S. Weiss, Reutlingen
Zimmerer- und Holzbauarbeiten: Herter Holzbau und Bedachungen GbR, Elmar Herter, Hayingen

Ausführliche Informationen zum ältesten staatlichen Gestüt Deutschlands auch auf gestuet-marbach.de
Text: Haupt- und Landgestüt Marbach und Foto: Radon