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So geht Jagdreiten nach Corona-Stopp

Der Termin stand schon lange im Kalender. Jagdreiterlehrgang mit Abzeichenprüfung zum Jagdreiterabzeichen und mit abschließender Frühjahrsjagd. Ob das stattfinden konnte war lange ungewiss. Während die norddeutschen Jagdreiter es gewöhnt sind in der Brut- und Setzzeit nicht jagen zu dürfen, hatten auch die süddeutschen Jagdreiter dieses Jahr Corona-bedingt sehr lange jagdfrei. Dann wurden endlich Lockerungen verkündet.

Sowohl die Deutsche Schleppjagdvereinigung als auch der Pferdesportverband Hessen gaben Leitlinien bzw. Empfehlungen heraus, wie man solche Veranstaltungen absolvieren könne. Der Lehrgang wurde auf 15 Teilnehmer reduziert. Ein Dutzend Teilnehmer von 12 Jahren bis Ü60 absolvierten Pferdeführerschein und Jagdreiterabzeichen 1 oder 2. Die Durchführung des praktischen Teils, des Reitens im Gelände und über Naturhindernisse war ohnehin unbedenklich und bei der Theorie hielt man sich eben an die Abstandsregeln.
 
Die Jagd war offen auch für Reiter, die nicht Teilnehmer des Lehrgangs waren. In der Einladung wurde bereits darum gebeten, das Jagdgeld vorab als Vorkasse zu überweisen. Eine große Wiese war als Anhängerparkplatz frei gegeben worden, sodass Abstandhalten wirklich einfach war. Während in Hessen das Stelldichein sehr gern einem Picknick gleicht mit Sektempfang, Schnittchen – und manchmal artet es fast in einen Brunch aus – fand das Stelldichein diesmal zu Pferde statt. Kein Händeschütteln, kein Umarmen, kein Busssi. Auf das Prickelige wurde trotzdem nicht verzichtet. Fleißige Helfer brachten bruchsichere Partysektgläser zu den Reitern und reichten sie aufs Pferd. Kein Eintrag ins Jagdbuch. Keine Bruchübergabe nach der Jagd. Zuschauer wurden geführt, aber nur im eigenen PKW, nicht mit Kutschen oder Traktor-Anhängern. So geht Corona-Jagen.
 
Über 40 Reiter fanden sich auf der Stelldicheinwiese in Schackau ein. Für die Hunde der Taunusmeute war es die erste Jagd seit Februar und entsprechend freudig waren sie unterwegs. Die Gastgeber hatten eine Strecke mit sechs Schleppen arrangiert, Feldwege, Wiesen, Waldschleppen – alles dabei, das das Jagdreiterherz höher schlagen lässt, mit kleinem Stopp zu Pferde nach der dritten Schleppe. Hier fing es seicht an zu nieseln. Der Regen wuchs sich zu einem veritablen Sommerregen aus. Ganz überraschend war das nicht – der Wetterbericht hatte für Schackau ab 15 Uhr Gewitter vorhergesagt. Davon blieben Veranstalter und Reiter jedoch verschont. Die Petersberger Jaghornbläser blieben tapfer bis zum Cureé.


 
Auch wenn am Ende der Jagd die meisten Reiter so durchnässt waren, dass sie von dem Angebot des Jagdessens in der Scheune kaum Gebrauch machten sondern direkt die Pferde einluden und heimwärts fuhren – so waren doch alle alle, auch die Autorin, sehr dankbar, daß ein Veranstalter sich aus der Deckung gewagt und eine Jagd organisiert hatte. „Besser als gar nicht zu reiten“, waren sich alle einig.


Text: Julia Läßig und Bilder: Klövensteen