Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und dabei das Nutzererlebnis zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Mehr Informationen

Schleppjagd und Vielseitigkeit

 

Lernen mit Meistern:
Einstieg in die Vielseitigkeit
mit Frank Ostholt, Teil II



 

Wallauf- und absprünge sind charakteristische Hinderniskomplexe im
Gelände. Pferd und Reiter müssen sich nach und nach damit vertraut machen und ihre Balance finden.

Sind Sie im ersten Teil unserer Serie auf den Geschmack zum Buschreiten gekommen? Damit Sie jetzt richtig loslegen können mit dem Geländetraining, hilft Ihnen Frank Ostholt mit wertvollen Tipps auf die Sprünge. Wie Sie die einzelnen Hinderniskomplexe von Auf- und
Absprüngen über Gräben bis hin zum Wasser meistern, lesen Sie hier.


Bevor es mit dem Buschtraining losgeht, sollte man noch einmal überprüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Pferd und Reiter sollten nicht nur ein eingespieltes, sich vertrauendes Team sein, sondern auch eine gute Kondition mitbringen, damit die Kräfte im Gelände nicht nachlassen. „Sind eine geeignete Strecke, ein Führpferd und ein Ausbilder vorhanden, können Sie mit der Geländearbeit beginnen. Selbstverständlich immer mit Ruhe und Bedacht“, so Vielseitigkeitsreiter Frank Ostholt. Beim Aufwärmen kann man etwas Balancetraining einbauen. Während der Galopparbeit wird das Pferd anschließend aufmerksam auf die leichten Hilfen des Reiters gemacht (siehe RR 6/06). „Dann kann man mit der Erarbeitung charakteristischer Geländesprünge beginnen“, sagt das Mitglied des Championatskaders. Jetzt geht’s hoch – Aufsprünge Im Gelände kommen Auf- und Absprünge sehr häufig vor, beispielsweise bei Wällen. „Diese Art von Hinderniskomplexen ist dem Pferd vom bisherigen Springen nicht bekannt. Es muss deshalb zuerst lernen, sie zu taxieren und sich seine Kräfte einzuteilen“, weiß Frank Ostholt. Ein Wallaufsprung ist für das Pferd anstrengend. Es braucht Schub aus der Hinterhand, um auf die Erhöhung aufzuspringen. „Am besten reitet man aus mittlerem Tempo mit Vorwärtsimpuls an, bei kleinen Kanten erst aus dem Trab. Das Pferd muss gut an den Hilfen stehen und sollte nicht zu früh abspringen, damit es problemlos auf den Wall herauf kommt.“ Für den Reiter gilt: Im leichten Sitz bleiben, Blick nach oben richten und mit dem Oberkörper nicht zu stark abknicken. „Ist der Aufsprung geschafft, sollte man weiter vorwärts reiten“, so der Vielseitigkeits- Olympiareiter von Athen.

 

 

Wallab- und Tiefsprünge

Für einen Tiefsprung oder einen Wallabsprung brauchen Pferd und Reiter viel Vertrauen. Das Tempo sollte nicht zu flott sein. Anfangs kann aus dem Trab oder sogar aus dem Schritt angeritten werden. So kann sich das Pferd alles in Ruhe ansehen, bevor es mit einem ersten Schritt nach unten geht. „Das Pferd lernt, ruhig herunter zu gehen und nicht nach oben abzuspringen. Der Reiter sollte nach vorn sehen und die nächste Aufgabe im Blick behalten. Dadurch bleibt der Oberkörper aufgerichtet. Man muss aber aufpassen, dem Pferd nicht in den Rücken zu fallen“, so Ostholt. Wichtig ist, etwas hinten zu bleiben und die Schultern aufgerichtet zu lassen. Der Pferderücken wird entlastet, das Gewicht bei der Landung auf beide Steigbügel, nicht auf die Knie, verteilt. Dafür muss die Steigbügellänge unbedingt stimmen. „Damit sich das Pferd ausbalancieren kann, wird die Hand leicht geöffnet. So gleiten die Zügel so weit wie nötig hindurch, das Pferd hat Bewegungsfreiheit. Nach der Landung wird die Hand wieder geschlossen und der Zügel aufgenommen.“ Tiefsprünge aus dem Galopp sollten übrigens nicht zu häufig geübt werden, da sie die Vorhand des Pferdes belasten.

 

 

Mit Schwung über Gräben

Gräben stellen keine besonderen Anforderungen an das Springvermögen, wohl aber an die Taxierfähigkeit. Am besten versucht man es anfangs mit einem natürlich aussehenden Graben, der nicht besonders tief und breit ist. Anreiten sollte man dieses Hindernis wie einen Weitsprung: „Der Blick muss wieder nach vorn gerichtet sein, auf die andere Seite des Grabens. Schauen Sie nicht nach unten“, erklärt Frank Ostholt, der weiß, dass sonst der Überblick verloren gehen und der Oberkörper nach vorn fallen kann. „Fangen Sie ruhig erst aus dem Trab an und steigern das Tempo dann. Auch vom Hindernis weg werden die Galoppsprünge leicht vergrößert. Das schafft Vertrauen und die Pferde lernen, nach dem Sprung wieder nach vorn anzuziehen“, so der Sieger des CCI**** Luhmühlen. „Wird das Pferd zögerlich, muss man hartnäckig bleiben. Nicht mit Gewalt, sondern mit Konsequenz.“ Sprich: die letzten Galoppsprünge vor dem Sprung richtet man den Oberkörper etwas auf, hält das Pferd vor dem Schenkel und vermittelt ihm damit Sicherheit. Überbaute Gräben werden ebenso angeritten wie offene. „Oft fallen sie dem Pferd leichter, weil es den Sprung besser taxieren kann und die Flugkurve automatisch erhöht wird.“

 


Wasser – von Skepsis zu Spaß

„Man sollte nicht pauschal sagen, dass ein Pferd mit Angst vor Wasser nicht für die Vielseitigkeit geeignet ist. Es ist in diesem Fall nur nötig, dass man sich viel Zeit lässt“, erklärt Frank Ostholt. Grundsätzlich haben Pferde Respekt vor dem nassen Element. Sie können nicht sehen, wie tief das Wasser ist oder ob sich darunter ein sicherer Grund verbirgt. Deshalb spielt das Vertrauen zum Reiter hier wieder einmal eine sehr große Rolle. „Man sollte keine Möglichkeit auslassen, sein Pferd mit Wasser vertraut zu machen. Schon beim Durchreiten von Pfützen kann das Pferd positive Erfahrungen mit Wasser sammeln.“ Am allerbesten bewährt sich auch bei der Wassergewöhnung ein Führpferd. Wenn der Neuling sieht, dass sein Kumpel ohne Angst ins Wasser geht, wird er vertrauensvoll folgen.

 

 

Schritt für Schritt ins Wasser

„Anfangs sollte man sich einen ganz flachen Wassereinritt suchen, an dem der Grund griffig ist und das Wasser nicht zu tief wird. Ängstliche Pferde lässt man kurz gucken und folgt dem Führpferd im Schritt direkt ins Wasser. Dabei muss man auch auf einen Sprung über die Einstiegsstelle gefasst sein, wenn sich das Pferd überwindet“, weiß Ostholt. Hat sich der Vierbeiner ans Wasser gewöhnt, wird es auch im Trab oder Galopp durchritten. Später folgt dann der erste Aussprung: „Am besten geht es an einer flachen Stelle über einen kleinen Baumstamm hinaus. Über denselben Stamm kann man nachher auch ins Wasser hinein springen. Denn es bietet sich genauso wie bei Gräben an, die Hindernisse von beiden Seiten zu absolvieren. Dadurch ergeben sich immer neue Aufgabenstellungen“, so Ostholt Falls vorhanden, kann man später auch das Aus- und Einspringen an einer kleinen Kante trainieren. In diesem Fall wird genauso angeritten wie bei Auf- und Absprüngen. „Man lässt den Aussprung an der Kante ganz gelassen auf sich zukommen, aber ohne das Pferd allein zu lassen“, so Ostholt. Der Vierbeiner soll seine Aufgabe erkennen und zunehmend selbstständig meistern. Das gilt ebenso für den Wassereinsprung von der Kante. „Man beginnt aus dem Trab, bis das Pferd am Einsprung nicht mehr zögert“, empfiehlt der Leiter des Bundesleistungszentrums. Für den Reiter ist auch hier der Blick nach vorn,die leicht offenen Hände und die sichere Schenkellage am Gurt wichtig.

Einmal Wasser, immer Wasser?

Leider ist das nicht so. Hat sich der Vierbeiner an die heimische Wasserstelle gewöhnt, heißt das noch nicht, dass er überall ins kühle Nass geht. „Deshalb sollte man auf vielen verschiedenen Strecken trainieren.“ Am besten auch auf der Anlage, auf der man seine erste Prüfung reiten wird – denn die kann man langsam schon ins Auge fassen.


 

 


F. Ostholt/S. Abt 

 

Texte/Fotos: Cornelia Höchstetter

Wir danken der Reiter Revue für die Bereitstellung.