Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und dabei das Nutzererlebnis zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Mehr Informationen

Dragan - Jäger und Schauspieler

Allen Rollen gerecht: von Rabauke bis Kuschelhund. Am Osterdienstag ist er eingeschläfert worden. Der Tierarzt musste eine Schauspieler-Karriere beenden, die vor zehn Jahren im Kennel der Taunus-Meute begonnen hat: Vom rauflustigen Meutehund bis zur Schmusebacke - Dragan hatte das ganze Repertoire drauf.

 

Schon ganz vornehm: Dragan nach einigen Tagen in seiner neuen Umgebung 

Der große, fast weiße Foxhound brillierte neben der Jagd nicht nur auf der Bühne in Worms bei den Nibelungen-Festspielen sondern schließlich auch noch als Kuschelhund im Altenheim. Einmal in der Woche wurde er dort abgeliebelt und es war schwer zu beurteilen, wer das mehr genossen hat: die alten Menschen im Rollstuhl oder der „weiße Riese“, der menschliche Nähe in einem normalen Haushalt auch erst mit acht Jahren kennengelernt hat. Vor gut zwei Jahren wechselte er aus dem Meutekennel in das Haus von Heinzwilhelm und Roswitha Ramb in Worms. Auf der Bühne der Nibelungen-Festspiele haben sich die drei  getroffen. Dragan und seine Meute-Gefährten hatten dort über Wochen vielbeachtete Auftritte, wenn sie vor Publikum anstelle von Siegfrieds Leib einen Pansen zerrissen. „Wir haben immer noch das Bild vor Augen, wie die Hunde die Beute zerfetzen. Deshalb sind wir immer wieder gerührt, wie zärtlich und mit welchem Einfühlungsermögen sich so ein Foxhound dann den alten Menschen  gegenüber verhält,“ erinnert sich Roswitha Ramb, die als Statistin zum Festspiel-Stab gehört.

Wie ein ganz normaler Haushund: Angst bei Gewitter 

„Er war ein ganz toller Hund, überhaupt nicht aggressiv, alle waren begeistert von ihm“, erzählt Heinzwilhelm Ramb. Er und seine Frau haben inzwischen Erfahrung mit der Umstellung von Foxhounds aus der Meute auf ein „ziviles“ Privatleben. Vor Dragan gehörte Ben zu ihrem Haushalt. Auch der hat sie auf der Bühne in Worms adoptiert. „Man muss wissen, dass diese Hund zwar viel gesehen haben in ihrem „Berufsleben“, aber dass sie in einem Haushalt überhaupt nichts kennen: keine Treppen, keine Spiegel, keine Geräusche von Telefon oder Fernseh-Apparat.“ Aber Rambs fanden heraus: „Das findet sich alles, sobald der Hund etwas Zutrauen gefasst hat.“ Dazu hat Roswitha Ramb jeweils zwei Nächte bei ihren neuen Hausgenossen geschlafen und dann fingen sie an, das ganze Haus zu erkunden und sich einzugewöhnen. Und Streicheleinheiten zu schätzen. Sauberkeit war nie ein Problem. „Auch im Kennel halten die Hunde ihren Fress- und Schlafplatz sauber,“ weiß Heinzwilhelm Ramb. Ausgang ohne Leine – auch von Anfang an keine Schwierigkeit. „Gute Meutehunde sind wildrein.“ Dragan hat sich sogar ans Stadtgetümmel gewöhnt, ist bis in die Wormser Innenstadt mit seiner „neuen Meute“ mitgegangen.

Seit Dragans Nierenkrankheit nach einer Infektion unheilbar wurde und er erlöst werden musste, gehen die Eheleute Ramb wieder allein spazieren. „Aber wenn die Jagdsaison vorbei ist, dann schauen wir mal. Wir haben jahrzehntelang wegen unseres Berufs auf einen Hund verzichtet. Jetzt können wir versuchen, einem alten Hund einen schönen Lebensabend zu bereiten. Wer einen braven lieben Hund will, der sollte einen Foxhound nehmen“, empfehlen die beiden mit vollem Herzen, nachdem sie Dragan und vor ihm Ben kennengelernt haben.    
                                                                                     Petra Schlemm