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Auferstanden - Sidney ist wieder da

Borna-Virus! Eine tödliche Diagnose, und viele, die Sidney kannten, waren traurig mit Sabine Kreuter, die damit ihr phantastisches Jagdpferd eingebüßt hatte. Aber zweieinhalb Jahre nach der furchtbaren Infektion seines Gehirns ist der Trakehner-Sohn von Windfall wieder da.

 

„Ich bin so froh, dass ich meinen Professor wieder habe. Er ist wieder ganz der Alte. Nur braver“, sagt Sabine Kreuter, Pikörin beim Schleppjagdverein von Bayern. Sidneys „Comeback“ mit dem SvB hatte den passenden Rahmen: unter dem Damensattel und vor mehr als 3000 Zuschauern, die ihn und Sabine bei der Historischen Jagd- und Kutschengala im Schlosspark von Oberschleißheim bewunderten. Sie hätten noch lauter geklatscht, wenn sie gewusst hätten, was hinter den beiden lag.

Erst zog er dauernd Kreise auf der Weide. Dann hörte er nicht mehr auf zu saufen, bis ihm das Wasser abgestellt wurde. Später war der Dunkelbraune pausenlos in seiner Box unterwegs, rannte gegen die Wände, schlug sich den Kopf blutig. „Wir haben ihm Wülste aus Handtüchern ans Halfter genäht, um ihm einigermaßen Schutz zu geben. Er sah aus wie ein Boxer hinter seiner Maske.“ Natürlich kam sofort bei den ersten Anzeichen von Merkwürdigkeiten der Tierarzt, und glücklicherweise einer, der sofort auf Borna-Virus tippte. Genützt hat es erst mal nichts, denn die Infektion ist immer noch ziemlich unerforscht. Man weiß nur, dass sie aufs Gehirn des Pferdes wirkt (tritt auch viel bei Schafen auf.) Die Ausdrucksformen sind unterschiedlich. Oft entwickeln die Pferde Kolik und gehen daran ein. Sidney war nur matt und unkoordiniert in seinen Bewegungen, stieß sich dauernd, war orientierungslos. „Sabine, wenn Du den Anblick aushalten kann, dann lass ihn leben. Er hat eine Chance“, redete der Tierarzt der verzweifelten Pferdebesitzerin zu. „Er hat bei mir auf dem Hof eine sehr große Box, und da haben wir ihn dann einen ganzen Monat drin gelassen. Ich hatte zu viel Angst, dass er auf der Stallgasse umkippt und wir ihm dort nicht hätten helfen können,“ schildert die Kfz-Kauffrau aus dem Allgäu heute.

Nach den ersten harten Wochen ging es tatsächlich langsam, sehr langsam wieder aufwärts. Sidney fraß normal, soff nicht mehr als üblich, wirkte nur matt und unkoordiniert in seinen Bewegungen. Trotzdem begann Sabine eine Therapie mit ihrem langjährigen Gefährten. Spazierengehen, ein bisschen ausreiten, nie abgeschoben in der Ecke gelassen. „Er fühlt sich wohl, ist halt nur ein bisschen behindert“, war sie nach einem Jahr überzeugt. Die Verbesserungen hielten an. Schließlich ist das Pferd jetzt im August wieder bei einem Jagdpferdetraining in Pöttmes am Kennel gewesen. „Er ist wieder sicher auf den Beinen, sonst würde ich ihn ja nicht reiten und schon gar nicht springen.“ Anders geworden ist die Ausstrahlung. Er strahlt weniger als früher, ist nicht mehr der unbedingte Hingucker. „Er ruft nicht mehr so laut, wo stehen die Bäume, die ich ausreißen soll,“ charakterisiert Kreuter. „Er ist braver geworden.“ Was ja auch nicht ganz unangenehm ist, vor allem bei einem Pferd, das unter dem Damensattel gehen soll. Das kannte Sidney schon vor dem Borna-Fall, aber er war immer eine Handvoll.

Er ist anders geworden. Und er lebt. Und er wird wieder in Kreuters Jagdstall eingereiht für die leichteren Anforderungen. „Wir fangen ganz langsam an und schauen, was er anbietet. Aber er hat echt Lust drauf“, ist Kreuter sicher. Sie kennt den jetzt Dreizehnjährigen schließlich lange genug aus vielen Jahren Jagd.

ps