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Quartier

 

„So einen kriege ich nie wieder!“ Spätestens bei der Februar-Jagd 2009 in Hermannsburg dämmerte es Jürgen Böcking, Huntsman der Cappenberger Meute, was er an seinem Masterpferd Quartier hat. Zwanzig Jahre wird der Fuchs am 16. April und rund 320 Jagden ist er bisher gegangen, war niemals lahm und niemals ängstlich. Seine größte Stärke: „Er liebt die Hunde!“ Und das ist auch seine größte Schwäche: „Ohne die Hunde ist er stinksauer und lässt das auch deutlich merken.“


Seit sechzehn Jahren gehören Böcking und der kompakte Fuchs mit dem hübschen Stern zusammen. Ihr Zusammentreffen war Liebe auf den ersten Blick – zumindest auf Böckings Seite. Der Dortmunder war auf Pferdesuche im Nordwesten unterwegs und bekam die Empfehlung mal in einer Reithalle im Raum Cloppenburg einen Vierjährigen von Quo Vadis (damals aufgestallt bei Vorwerk) anzugucken. „Der stand da zum Anreiten und nach zwei Runden Schritt in meiner Sonntagshose habe ich gesagt, den kaufe ich.“ Die Ankaufsuntersuchung in Mühlen war schnell gemacht und ohne Befund und in einem eilends geliehenen Anhänger wurde Quartier – französische ausgesprochen: Kartjeh – nach Dortmund gebracht.


Er brauchte nicht lange, um seine Berufung zu entdecken. Schon fünfjährig ging er zum ersten Mal die bekannt schwere Jagd bei Peter Simons in Aachen. „Da standen immer 40 bis 50 Sprünge, die alle nicht zu umreiten waren. Kein Problem für ihn,“ so Böcking, der den Fuchs immer ganz besonders schätzt, wenn es um Springen und/oder Hundearbeit geht. „Der springt alles und ist ideal inmitten der Hunde.“ Deshalb hat Quartier auch schon mehrere Auftritte in der Aachener Soers gehabt, wo die Cappenberger Schaubilder geritten sind. Quartier ist stets das erste Pferd, das die Cappenberger Hunde kennenlernen. Weil im Kennel in Selm keine Pferde untergestellt werden können und dort auch nicht geritten werden darf, wachsen die Cappenberger Foxhounds zunächst ohne Kontakt zum Pferd auf. Bevor sie dann nach der Fußarbeit das erste Mal vom Pferd aus angelegt werden, reist Quartier nach Selm an. „Dann stelle ich ihn mitten in den Kennel, damit die Hunde wenigstens wissen wie ein Pferd aussieht, bevor es draußen ernst wird,“ erklärt Jürgen Böcking, dem vor 32 Jahren seine ersten Hunde von Altmeister Franz Jandrey „verliehen“ wurden und der seither mit insgesamt nicht mehr als vier Pferden gut 1000 Jagden auf dem Konto hat. „Quartier ist zuverlässig brav bei diesen ersten Begegnungen und die Hunde erkennen ihn auch aus allen anderen Pferden heraus. Diese Bindung an ein ganz bestimmtes Pferd darf man nicht unterschätzen,“ so Böcking.

Offiziell ist Quartier bereits „in Rente“, aber wenn Not am Pferd ist, muss er trotzdem wieder ran, so wie in Hermannsburg, als Böckings Jagdpferd Nummer 1 eine leichte Kolik nahm. Der Senior ist noch voll im Training, wird jagdlich aber nur noch gezielt eingesetzt . Gearbeitet wird der Fuchs vor allem von „Pferdemädchen“ Simone, die seit 19 Jahren Böckings Pferde mit reitet und ihr „Muckelchen“ drei Mal wöchentlich herausholt. „Dafür trägt er ihr die Gerte nach und hat letztens ihr Handy gefressen,“ amüsiert sich Böcking über seinen Oldie.


Sechzehn Jahre Meutearbeit und über 300 Jagden, da kennt der Fuchs das Geschäft „Wenn ihm das beim Anlegen zu lange dauert, dann dreht er sich auch gerne auf der Hinterhand um und lässt die Hunde selbstständig los. Da muss ich immer aufpassen, damit er nicht das Kommando übernimmt.“ Der Griff zum Kinn ist das geheime Zeichen zwischen Huntsman und Pferd. „Wenn ich den Kinnriemen am Helm schließe, dann weiß er, es geht los.“ Ein gutes Jagdpferd ruht in sich und vermeidet Energieverschwendung durch Aufregung. Dafür ist Quartier ein gutes Beispiel. Er steht überall, frisst überall und alles, verreist gerne, ist von unverwüstlicher Gesundheit – aber er ist keine Schlaftablette. „Auf der Weide, da zeigt er noch gerne was er drauf hat, genau wie bei Dressurstunden in der Halle im Winter. Da setzt er seine Reiter auch schon mal ganz gerne ab.“