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Vielen Dank, mein Freund Beverley

Pferdewechsel bei Gabriel Rodenberg. Der Master der Mecklenburger Meute hat seinen Schimmel Beverley in den Ruhestand verabschiedet. „Vielen Dank, mein Freund!“ Es war ein emotionaler Moment vor großer Kulisse, als der Schimmel beim Stelldichein zum Stiftungsjubiläum am Schloss Vanselow abgesattelt wurde – gesund und munter im Alter von 24 Jahren und nach rund 550 Jagden.

Rodenberg und Beverley – sie kennen sich seit 24 Jahren und sind zusammen in den Jagdsport hineingewachsen. Die Geschichte des einen ist auch die des anderen. Ein Master und sein Pferd – ihre ist eine Besondere.



Der Schimmel, geboren 1993, ist selbstgezogen aus einer Stute, die Rodenberg ebenfalls schon als junges Pferd unter den Sattel genommen hat. Kordula  war von Kobold ll aus der Hannoveraner Linie Komet - Körling -Körting -King. Der berühmte Kolibri war ein Sohn des Kobold I, also ein Bruder zu Kobold ll und enge Verwandtschaft. Der Vater ist der Anglo-Normanne Babylon, Ihn hat Rodenberg auf der Hengststation von Horst Beerbaum – Vater von Ludger und Markus und „Wiedereinrichter“ auf dem elterlichen Hof in Mecklenburg – einige Jahre betreut und damit auch etliche seiner Fohlen aus der Nähe gesehen . „Koppel kannte der gar nicht, aber er ließ sich reiten wie eine Feder und das hat er auch vererbt“, betont Rodenberg.



Also Springvermögen und Nerv vom Vater. Die Mutter geht unter anderem auf den Trakehner Drusus zurück. Damit erklärt Rodenberg Beverleys Härte. „Wir waren auch schon mal kopfüber im Graben. Der war nie kaputt..“ Aber der Anfang als Jagdpferd war schwer und pädagogisch eher zweifelhaft. Bei Willy Rehr in Warendorf, dem Gründer und Master der Warendorfer Meute hat Rodenberg seine „Lehrzeit“ in Sachen Schleppjagd verbracht. „Der Schimmel und ich, wir sollten uns hinten in die Weide am Auslauf stellen und dann hat Willy die Hunde rausgelassen.“ Fünfzig Foxhounds plötzlich um ihn herum. Der Schimmel ist ruhig stehengeblieben und Rodenberg hatte sein „Patent“ als Schlusspikör in der Tasche. Aber der Anfang war trotzdem schwer, weil der Schimmel keine Minute Schritt gehen wollte. Regelmäßige Jagdteilnahme „manchmal dreimal in der Woche“ brachte dann den Gewöhnungseffekt. Und Rodenbergs besondere Methode: „Anspannen. Das ist gut für den Schritt.“ Beverley geht sogar sechs-spännig und zu vieren hat Rodenberg mit ihm mal die RWS-Equipage durch das Jagdgelände gefahren als Coenen und Co. auf Urlaub in Vanselow waren. Dass der Schimmel auch M-Springen und eine sehr gute Dressur zeigen konnte, wird nur der Vollständigkeit halber erwähnt. „Fliegende Wechsel kann der,“ so sein Reiter.


Aber am besten ist der Schimmel bei den Hunden. Bei den Jagden der Warendorfer im Berliner Raum ist Rodenberg mit anderen Mecklenburger "Pionieren" (so auch Detlef Neumann, heute Vizemaster) nach der Feuerprobe im Rehrschen Kamp fortan immer dabei gewesen. In Pasewalk hat Rehr plötzlich ohne Vorwarnung sein Rufhorn übergeben. „Du führst jetzt die Hunde, hat der nur gesagt und dann stand ich da“, erinnert sich Rodenberg an den Moment., der beider Leben fortan weiter bestimmt hat. 2003 kamen die ersten Hunde aus Warendorf nach Dallwitz, die fortan die Mecklenburger wurden. 550 Jagden und die dazu gehörigen Trainingsritte ist Beverley mit ihnen gegangen. Bei der Jagd in den Wörlitzer Elbauen im Herbst 2016 hat er seinen Halali-Sprung gemacht.



Beverleys Nachfolger ist Puschkin, ebenfalls ein Schimmel und nicht neu im Geschäft. Rodenberg hat ihn von Maria Gillissen übernommen, die mit ihm über Jahre die Münsterländer Beagles geführt hat. Er ist 15 und wieder fit nach einer Beinverletzung. Dahinter wartet bereits ein Lasall-Sohn, jetzt sechs Jahre alt und noch in Ausbildung. „Die Schimmel werden nicht alle“, so Rodenberg.  Beverley wird sie sich hoffentlich noch lange angucken, wenn er zum Winter von der Weide kommt und wieder seine angestammte Box bezieht. Rodenbergs Tochter Ann-Christin versorgt ihn, und auf ihn wartet schon die nächste verantwortungsvolle Aufgabe: den Enkeln des Masters das Reiten beibringen. Damit wird er gut zu tun haben. Die Älteste ist neun und will jetzt springen. Die jüngsten von insgesamt sechs Großkindern sind noch kein Jahr alt.
Text: Petra Schlemm und Bilder: Schlemm,  Klaus-Dieter Baumgart. Archiv

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