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Jodys Tod

Es gibt sie, die böse Fee, die den Menschen in großen Glücksmomenten eiskaltes Wasser den Rücken runter rinnen lässt. Am Soerser Sonntag hatte sie in Aachen einen großen Auftritt.
Eine Hubertusmesse zum Auftakt des CHIO. 80 Jagdreiter mit top herausgebrachten Pferden, die 34 Meute-Hunde mehr Mittelpunkt als Kulisse. Und dann das: Unmittelbar nach der Tiersegnung, beim Auszug aller Beteiligten aus dem Dressurstadion, sackt ein braunes Pferd zusammen. Tot.

Sie hieß Jody, die Stute, 21 Jahre alt, ein zuverlässiges Jagdpferd mit fast 300 Einsätzen hinter der Cappenberger Meute. Über ihre Herkunft und ihre Jugend weiß man nichts. Ein Viehhändler hat sie angeboten, ohne Papiere. Sie tat ihre Dienste als Pikörpferd an den Hunden, brav mit Kindern, keine edle Schönheit, aber geduldig mit jedem Reiter. Eines Tages erblindete sie auf dem rechten Auge. Als der Augapfel entfernt worden war, ging sie weiter wie zuvor, war in der vorigen Woche noch bei der Hundearbeit im Einsatz. Ihr Besitzer Bernd Funke hatte sie für den Tag in Aachen einem Freund mitgegeben, Heinz Vögeling. Der Drensteinfurter muss aus gesundheitlichen Gründen das Jagdreiten aufgeben. Die Präsentation „Jagdreiten in der Soers“ sollte sein letzter Ritt im roten Rock sein.Er hatte sich das sehr gewünscht und Jody trug ihn so bereitwillig wie sie einem Reiter immer zu Diensten war.

Gewohnt professionell haben die Aachener schon nach kurzer Zeit die mobile grüne Wand aus Plastikplanen errichtet, die das Pferd vor den Blicken der fassungslosen Zuschauer verdeckt. Ein kleiner privater Raum, in dem Tierarzt Chris Gabrielse noch eine Infusion gibt, der Reiter dann schließlich Abschied nimmt. Sterben vor vielen Zuschauern, das braucht keiner. „Totes Pferd zur CHIO-Eröffnung“, so eine Schlagzeile ist unerwünscht. Aber vielleicht sind die mehr als 5000 Menschen an diesem Sonntag auch deshalb in der Messe in der Soers gewesen, um einer unscheinbaren, aber treuen, immer willigen, immer zuverlässigen Stute – unserem Freund, dem Pferd - die Reverenz zu erweisen. Wer weiß – vielleicht war doch auch die gute Fee in Aachen,  eine ganz kleine?                                                                    Petra Schlemm

 

Foto: Hepp