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Nimmerdor

Der Saisonschluss 2011 bei der Vogelsberg-Meute schien eine gute Gelegenheit zum Abschied nehmen. Der Schimmel Nimmerdor, 15 Jahre lang Top-Masterpferd für Dr. Michael Weiler, ist im Alter von 23 Jahren seine letzte Jagd gegangen. „Er ist voll fit, aber er hat seinen Ruhestand bei guter Gesundheit verdient“, sagt sein Reiter.

 

Die Geschichte von Nimmerdor ist so besonders wie bei fast allen anderen „besonderen“ Jagdpferden. Es kommt darauf an, dass der Reiter an sein Pferd glaubt…. Der holländisch gezogene Vogelsberger Nimmerdor ist ein Sohn des weitaus bekannteren Vererbers nach dem er benannt worden ist.  Geboren 1988, kam er in jungen Jahren als Deck- und Sporthengst in das Gestüt Im Niedern in Schotten im Vogelsberg-Kreis. Im Sport war er recht erfolgreich. „Entweder ganz vorne oder gar nicht platziert“, erinnert sich Dr. Michael Weiler, der das Pferd tierärztlich betreut hat. Als Deckhengst wurde der Schimmel aber wenig angenommen und so fällten die Betreiber des inzwischen aufgelösten Gestüts den Entschluss, den Hengst kastrieren zu lassen und als Sportpferd gut (= teuer) zu verkaufen. Dieser Plan ging allerdings nicht auf. Das Pferd hatte im Parcours den Biß verloren und Weiler kaufte ihn schließlich 8jährig für sich selbst.

„Er war anfänglich sehr schwierig, “ sagt der Leiter der Tierklinik Gelnhausen dezent in der Rückblende. Andere Reiter waren in ihrem Urteil wesentlich direkter. „Die Kommentare reichten von „Den würde ich nie reiten“  bis zu „Hätte ich gleich nach der ersten Schleppe erschossen“. Der Schimmel  „drehte am Rad“, gab seinem Reiter stets „alle Hände voll“ zu tun, weil er seine Nerven nicht kontrollieren konnte. Weiler blieb ruhig,  bei einem Gummigebiss und dem Ausbildungsprinzip „nasse Satteldecke“, will heißen: gründliche Arbeit bei einer Pferdewirtin, die zielgerichtet mit dem Schimmel auch im Gelände Dressur-Arbeit machte. Das Ergebnis konnte sich (nach geraumer Zeit!) sehen lassen und war schließlich immer Gegenstand des Neids von vielen Betrachtern. „Egal, ob wir richtig oder falsch hinkamen, Nimmerdor ist immer drüber gekommen“, sagt Weiler über sein Verlaßpferd, mit dem er in seiner Equipage viel als Schleppenleger ganz vorne geritten ist. „Er wurde dann im Laufe der Jahre immer ruhiger.“

Nimmerdor wird weiter in Arbeit gehalten und von seinen „Pflegemädchen“ auch im Gelände geritten. Warum auch nicht. Er wird ja erst 24.
Petra Schlemm
Bilder: Empter und privat