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Aidan O'Connell im (Un?)Ruhestand

Eher heimlich und ziemlich still und leise ist jetzt eine Ära zu Ende gegangen. Aidan O’Connell, der schon zu Lebzeiten legendäre Jagdreiter, zieht sich als Lehrer zurück. In Warmeloh auf dem Hof Alt hat der 70jährige sich jetzt verabschiedet und einen letzten Kurs veranstaltet. Viele seiner aktuellen und noch mehr seiner ehemaligen Jünger waren dabei, zwanzig Jahre nach der Premiere, die Kersten Lieker traditionell (und ohne Corona) sonst immer an den Himmelfahrtstagen organisiert hat.

„Germany has been good to me“, Deutschland war gut zu mir, blickte O’Connell zurück auf seine Karriere, die als Spring- und Rennreiter über große Kurse, unter anderem in Dublin und beim Grand National begonnen hat und die als weltweit bekannter Lehrer jetzt zu Ende ist. „Im vorigen Jahr habe ich noch in Vancouver in Kanada und Seattle in den USA unterrichtet – in diesem Jahr: nix“, war der Ausstieg in Corona-Zeiten eher ein Ausschleichen als das große Finale, das er verdient hätte.


Aber was hätte da noch kommen sollen für einen, der sogar mal stellvertretend für alle irischen Landsleute die St. Patricks Day Parade in New York angeführt hat. „It’s all about people“,  sagte er jetzt im Hinblick auf die langen Freundschaften, die aus seinen Kursen in ganz Deutschland entstanden sind. Immer wieder faszinierend ist sein Namensgedächtnis. Nicht nur an die, die einmal in seinem Kurs runtergefallen sind,  erinnert er sich glasklar und sofort.


Angefangen hat alles in den frühen 70er Jahren. Da hatte O’Connell ein Springpferd für den großen Sport. Weil der Wallach sehr schnell, aber nicht eben vorsichtig war, wurde er Steeplechaser. „Die Geschwindigkeit – das war wie eine Droge,“ so O’Connell. Und noch heute sieht er im Rennsport das Maß aller Dinge und die Quelle seiner Weisheiten, die er in seinen Kursen weitergegeben hat.
Das Rennreiten hat Spuren hinterlassen. „Bei jedem zehnten Start ein Sturz – das ist die Regel.“ Seine schwerste Verletzung hat er sich bei einem Grand National zugezogen. Er ist gestürzt und ein nachfolgendes Pferd trat auf seine Schulter. Große OP, langer Schnitt, und geblieben ist ein tiefes Loch unter seinem Schlüsselbein. „Das Gefährlichste beim Reiten sind die, die hinter Dir kommen.“ Und seither umarmt er Frauen auch vorzugsweise mit dem rechten Arm.


Angefangen hat die deutsche Freundschaft für den Iren 1979 bei einer Jagd in Limerick. Da waren vier Gäste aus Deutschland dabei, unter anderem Karl Rabeler aus Sudermühlen und Gösta Schaper, später Vorsitzender des Hamburger Schleppjagdvereins. Ihnen fiel der großgewachsene elegante Reiter in Frack und Zylinder auf. Er hat ihnen eine Reise durch Irland organisiert und später Pferde vermittelt. 1986 die erste Jagd in Sudermühlen: „Du hast Informationen, die die Reiter in Deutschland brauchen können“, habe Martha Rabeler zu ihm gesagt. Das war der Anfang einer Tournee durch ganz Deutschland mit Kursen für alle, die mehr wissen wollten vom „Master of Safety and Style“, wie Wolfgang Kailing ihn bezeichnet. Der Jagdreiter aus Garbsen hat O’Connell vor 34 Jahren kennengelernt und sich gewünscht, dass das noch viel eher erfolgt wäre. „Das hätte viele Knochen gerettet.“ Als Physiotherapeut kann er das in seiner Praxis beurteilen.


Der letzte Lehrgang mit Aidan in Warmeloh – hoch kamen dort nicht nur Reminiszenzen wie viel Reiter denn dort wohl bei den Kursen mal im Teich gelegen haben... Die „O‘Connellonians“ hat Harald Mayer die Gefolgschaft von Aidan getauft. Geblieben ist jedem von ihnen die Erkenntnis: Balance, immer nach vorne gucken, nie nach unten und Zügel gleiten lassen. „Sonst Bye-bye – that is the secret.“


Mit seiner Lebensgefährtin, der Olympiareiterin Olivia „Polly“ Holohan, bleibt der horseman Aidan O‘Connell den Pferden weiter verbunden.  Seine Tür in Irland bleibe immer offen für Reiter aus Deutschland, hat er zum Abschied versichert.
Text und Bild: PS und ArchivS24