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Wilfried Ebel (1936 - 2019), Ehren-Huntsman

Das letzte Stelldichein für Wilfried Ebel: Der Ehren-Huntsman des RWS wird am 15. März, Freitag, zu Grabe getragen. Die Trauerfeier in der Friedhofskapelle von Schermbeck beginnt um 15 Uhr. Anschließend treffen sich die Trauergäste auf Haus Schwarzenstein, wo über Jahrzehnte der Mittelpunkt seines Lebens gewesen ist. 

Nach schwerer Krankheit, die er mit großer Haltung ertragen hat, ist der große Hunde-Kenner und Jagdreiter von Beruf und aus Leidenschaft gestorben. Fast 35 Jahre Berufserfahrung als professioneller Huntsman und die Erlebnisse bei weit über 1300 Jagden lagen hinter ihm. Er wurde 82 Jahre alt.

Geboren im Wendland im Kreis Lüchow-Dannenberg, ist Wilfried Ebel aufgewachsen auf dem väterlichen landwirtschaftlichen Betrieb. Mit den Pferden seines Vaters startete er auf den Turnieren der Umgebung. Als Agrar-Ingenieur verwaltete er zehn Jahre große Güter bevor er seinem beruflichen Leben eine neue Richtung gab und 1971 als Huntsman zum Hamburger Schleppjagdverein wechselte. „Ich wollte das mal versuchen.“ Ein Jahr später zog er um in das Haus Schwarzenstein in Drevenack. Beim RWS übernahm er 1972  von seinem Vorgänger Warnecke eine wenig einheitliche und ungestüme Meute. Die Anfänge waren holperig, und mit seinem leisen Humor schilderte Wilfried Ebel nach Jahren noch gerne, wie er mit Hilfe von Scheinwerfern und einem Mikrofon den Hounds im Kennel immer nah war. Aber wenn sie dann mal gar keine Ruhe geben wollten, dann ist er auch im Schlafanzug runtergeflitzt aus seiner Wohnung und hat den Nervtötern die Tageszeit angesagt.  Fünfzehn Jahre hat es gedauert bis aus dem Pack die Seriensieger bei Meuteschauen geworden sind: laut, spurtreu und verkehrssicher, passioniert, und dabei so freundlich, dass fremde Hunde auch bei der Curée mithalten dürfen. Ebels Rekord-Jahr war 2002, als der L-Wurf gleich sieben Mal die Note „vorzüglich“ erntete. Weit mehr als 1200 Jagden hat er in seinem Leben geritten. „Das habe ich nie genau mitgezählt.“ Exakte Recherchen aus alten Jagdbüchern des RWS haben jetzt ergeben: es waren sogar mehr als 1300!  


„Zur Ruhe setzen“ – das war nicht sein Ding. Mit 67 Jahren erst ist Ebel in den Ruhestand gegangen. Das letzte Jahr hat er noch mit seinem Nachfolger Heiko Burchard zusammengearbeitet und sein Wissen weitergegeben. Zu seiner Abschiedsjagd 2003 haben gut 150 RWS-Mitglieder gesattelt und seine Ernennung zum Ehrenhuntsman des RWS miterlebt. Damit hatte er das Recht, auch nach dem Ende seines Angestellten-Status weiter mit dem Verein zu reiten. Das hat er gerne und häufig getan, bei Jagden und noch regelmäßiger bei der Morgenarbeit – unaufdringlich und diskret und in der gewohnten reiterlichen Manier: Als im Frühjahr 2016 beim RWS „130 Jahre RWS-Huntsmen“ gefeiert wurde – hat Wilfried Ebel mit 80 Jahren noch das dritte Feld geführt, während Heiko Burchard (50) mit dem Master an den Hunden ritt.

Im Bundesverband, in der Deutschen Schleppjagdvereinigung, ist Ebel seit 2001 kynologischer Berater gewesen. Artgerechte Haltung und die richtige Auswahl der Elterntiere hinsichtlich ihrer charakterlichen Ausprägung und zur Vermeidung von Erbkrankheiten lagen ihm am Herzen. Er wurde nie müde, auf die Bedürfnisse der Meutehunde nach genügend Auslauf und menschlicher Zuwendung hinzuweisen. Ziemlich bald nach seinem Dienstantritt beim RWS hat Ebel mit dem Hundefachmann Herbert Stegmann den Kennel in den Lippewiesen umgebaut. Noch heute gilt die Anlage als Beispiel für moderne Meutehunde-Haltung.

„Ich hatte mal einen…“ – wo Pferdeleute endlos erzählen können von ihren Pferden, da wusste Wilfried Ebel auch noch Hundegeschichten beizutragen. Vom Rüden Gustav, dem das Herz brach, als er als alter Kopfhund nicht mehr mit raus zur Jagd gehen sollte, von vielen Erlebnissen in der Welpenstube, von außergewöhnlichen Beobachtungen bei den ersten Schulschleppen. Ein Gespräch am Frühstückstisch oder ein langer Abend mit Wilfried Ebel – das waren Sternstunden für jeden, der zuhören kann. Wenn er denn in Erzähl-Laune war,  was nicht automatisch immer der Fall war, denn Ebel war alles andere als eine Plaudertasche. Oft genug standen seine norddeutsche Verschwiegenheit und außergewöhnliche Diskretion und Loyalität zu seinen Arbeitgebern davor. Aber auch ohne allzu direkt zu werden konnte er Ungesagtes deutlich werden lassen.  Die Bürde eines Status- oder vermeintlichen „Standes-Unterschieds“ hat den norddeutschen Bauernsohn nie belastet. „Ich hatte es doch immer gut und konnte machen, was ich wollte. Hauptsache, die Hunde liefen. Und das taten sie,“  hat er im Rückblick einmal gesagt.

Das Glück in seinem Beruf hat ihm im Privatleben gefehlt. Er hat seine Tochter und seine Frau verloren und war zum Ende seines Lebens weitgehend allein. Die junge Frau, die auch sein altes Jagdpferd, den Fuchs Ever, übernommen hat, betreute ihn bis zum Schluss und ging ihm in Alltagsdingen zur Hand.  

Im „Jagdfunk“ hat Wilfried Ebel bei der Junghundeschau 2016 aus seinem Leben und seiner Arbeit berichtet. Hier schildert er Jochen Schumacher, welche „unglaublichen Zufälle“ ihn nach Drevenack gebracht hat und was dort sein Leben ausgemacht hat.
Hören Sie rein: jagdfunk.de/jf042-meutehunde/
Die Trauerkarte hier

Text: Petra Schlemm und Fotos: Archiv