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Wer's glaubt: Jochen Soltau ist 75

Er ist ein Urgestein der Jagdreiterei im Norden, seit mehr als vier Jahrzehnten Mitglied der Niedersachsenmeute und immer noch als Anführer des ersten Feldes gefragt, zuletzt bei der Sko-Jagd am Rehrhof und beim 95jährigen Jubiläum des Hamburger Schleppjagdvereins in Sudermühlen. Heute, am 20.Oktober 2018, wird er 75 Jahre alt, und gefeiert wird das – ja wie wohl? Mit Jagdreiten. Jochen Soltau ist unterwegs in Tschechien und reitet ein langes Wochenende hinter den Böhmer Harriern.

Seine erste Jagd hinter der Niedersachsenmeute ritt er als Jugendlicher in den fünfziger Jahren vor dem Celler Schloss, und von da an war er „hooked“. Er gründete den Reitverein in Beedenbostel, veranstaltete dort mit Günther Pape und Heiner Stumpf die Jagden des Kreisreiterverbands Celle. Seit der Tag der Einheit 1990 zum ersten Mal gefeiert wurde, veranstaltete Soltau Jagden jeweils am 3. Oktober in Gockenholz und wer ihn kennt, der weiß, dass die jeweils mit einem fröhlichen Abend im Hause Soltau begannen und nach der Jagd ebenso fröhlich ausklangen. Heute findet diese Jagd in Hermannsburg statt. Er ist seit mehr als 40 Jahren Mitglied der Niedersachsenmeute, später auch beim HSJV und er reitet auch bei anderen Meuten. So trifft man ihn seit Jahren über Pfingsten in Rheinsberg in Brandenburg. Zunächst ritt er dort hinter der Lipperland Meute, wo auch eine enge Freundschaft zu dem kürzlich verstorbenen Heinrich-Wilhelm Vogeley entstand, später mit der Cappenberger Meute und heute mit den Nienhagenern. Soltau sattelt immer noch zu etwa zwanzig Jagden im Jahr - immer im ersten Feld. Bis heute wird er oft gebeten, das erste Feld zu führen, und viele schätzen es, hinter ihm zu reiten, weil er immer sicher und schnell direkt hinter den Hunden und der Equipage reitet und ihm kein Hindernis zu schwer ist. Die Hecken in Isernhagen liebt er besonders. Das ist seine schönste Jagd - und wenn es in Mechtersen über Vielseitigkeitssprünge geht, schlägt sein Herz höher. Er liebt die Gemeinschaft und tanzt mit der Jugend bis in die frühen Morgenstunden.


Jagd in Gockenholz Anfang der 1990er Jahre: Der Vater Jochen mit den beiden Töchtern Christiane und Babette. Die Schimmel sind aus eigener Zucht, Seelilie und Argenta.



Der Hof in Gockenholz bei Lachendorf im Kreis Celle, auf dem Jochen Soltau zu Hause ist, kommt aus der Familie seiner Frau Rita. Soltau ist aufgewachsen in Eicklingen im Landkreis Celle auf einem Hof, wo es nach dem 2. Weltkrieg vor allem Arbeitspferde gab und seine Mutter den Betrieb führte, weil der Vater schwer erkrankt war. Die Mutter brachte mit dem Gespann den Spargel nach Celle zum Verkauf im Feinkostladen. Jochen ist der jüngste von vier Geschwistern. Der älteste Bruder musste schon früh den Betrieb übernehmen, der kleine Jochen lief so mit. Er ritt die Pferde ohne Sattel zur Weide und zurück. Er durfte vom Nachbarn auch ein Pferd, einen großen Schimmel, auf Turnieren starten und ritt bereits mit 15 Jahren Springen bis zur Klasse M. Zum Turnier wurde damals geritten oder mit Gespann und später Trecker gefahren, die Pferde liefen als Handpferd mit. Die Passion für Pferde hat Jochen als einziger übernommen von seinem Vater, der früh gestorben ist. Die anderen Geschwister sind nicht geritten.
Über Jahre war Soltau auch als Züchter aktiv und er leitete lange den Pferdezuchtverein Celle-Südheide als Vorsitzender. Gezüchtet wurden ausschließlich Hannoveraner. Die Pferdezucht auf dem Hof Soltau begann in den 70er Jahren, nachdem Jochen und Rita 1968 geheiratet haben – Goldhochzeit in diesem Jahr! – und gemeinsam in Gockenholz den Betrieb aufbauten, der zuvor einige Jahre nicht bewirtschaftet worden war. Die Stute der Tochter Babette, Juristin, ist heute 15 Jahre alt, das letzte Pferd aus der Soltau’schen Zucht. Auch die Tochter Christiane ist Jagden geritten. Die Tierärztin ist inzwischen mit ihrem Pferd etwas ruhiger unterwegs. Beide Töchter sind beruflich in Hamburg gelandet. Rita Soltau ist nie geritten, aber jahrelang mit zu den Jagdwochenden der Niedersachsenmeute im September nach Gartow gefahren und hat dort auch oft genug ihren Geburtstag mit den Jagdreitern gefeiert - an einem Tag mit Claus Kühne, der damals noch lebte und mit Ellen-Antje Lamcken. Diese Feste sind legendär.

Das Reiten seiner selbst gezogenen Pferde hat der Ingenieur immer seinen beiden Töchtern überlassen. Für sich selbst hat er immer Pferde gekauft, oft mit ähnlicher Abstammung, zurück auf Graf Grannus. Der große Braune, mit dem er jetzt seit vier Jahren unterwegs ist, kam vierjährig direkt vom Züchter. Gropi 2 (nach Gropi von Wiebke Müller und Gropi 1) ist ein Graf Top-Sohn. Er war angeritten und den Rest hat er von seinem Reiter gelernt. Es war immer Soltaus Rezept, seine Pferde schon 4- oder 5jährig auf Jagden einzusetzen. Seit er 70 ist, trägt er dabei eine Airbag-Weste, vorher war an „so ein Zeug“ nicht zu denken. Jetzt unterhält er zwar des Öfteren die Jagdgesellschaft mit lautem Knall, wenn er sich beim Halali nicht rechtzeitig ausgeklinkt hat – aber die Familie ist beruhigt.
Text: Babette Soltau/ps und Fotos: Thomas Ix und privat