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Bernd Schiel - der Mann, der fast alles kann

Ein Mann und sein Verein: vor 25 Jahren hat der Berliner Bernd Schiel den Brandenburger Hunting Club mitbegründet und seither als Club-Master geführt. „Ich hatte immer Glück, dass die mich machen lassen haben“, findet der 70jährige jetzt rückblickend nach dem „geordneten Übergang“ an seinen Nachfolger Andreas Hoffmann, der nun mehr als 90 Mitgliedern vorsteht.

Zehn Jagden im Herbst an geschichtsträchtigen Orten – unter anderem Kloster Chorin, Schloß Liebenberg, Boitzenburg und nicht zuletzt Sanssouci in Potsdam; darum herum ein Jahresprogramm mit Lehrgängen, VS-Turnier, kleinen und großen Ausritten und dazu einem monatlichen Treffen in Berlin ohne Pferde „damit man sich nicht aus den Augen verliert“ – das ist sein straffer Aktionsplan rund um den „Sport in Rot“, den Schiel selbst vor 35 Jahren in der Lüneburger Heide kennengelernt hat. Da hat der Segler seine Frau Bruni mit Pferd in den Urlaub begleitet – „für die Durchfahrt durch die Zone musste noch der Hänger desinfiziert werden“ - und eine Jagd in Sudermühlen beobachtet. „Das war’s dann.“ Dolf Keller – damals noch auf dem Wahler-Hof in Bevensen - machte den frisch Entflammten „fit“ für seine erste Jagd. Die fand statt am Gut Hasenthal in Geesthacht und Jagdherr war die „graue Eminenz“, Erik Schepkowski - damals schon in sehr fortgeschrittenem Alter und mit schwindender Sehkraft, die nur noch die vielen blinkenden Meuteknöpfe auf dem von Keller sen. geliehenen roten Rock wahrnahmen, aber nicht mehr das Gesicht von Schiel. „Und da bin ich dann beim Stelldichein als Herr von Scotti begrüßt worden.“ In diese „großen Namen“ ist er dann hineingewachsen, denn gleich nach der Premiere folgte für Schiel die nächste Jagd, in Gatow. „Das war dann schon knackiger.“  Einer der ersten Reitlehrer des Berliners auf dem Wahler-Hof war auch Clemens v.Welck, heute im Badischen Schleppjagdverein Hardt-Meute aktiv.  „Kleine Welt“, sagt der Jubilar.

Mit dem Geschäftsführer des Landesverbandes Berlin nahm Schiel danach jede Gelegenheit war, „im Westen“ Schleppjagd zu reiten, und nach dem Mauerfall wurde 1991 in Seeburg  bei Potsdam im Polo-Club der Hunting Club gegründet. Zunächst liefen einige Jahre die Black Forest Beagles als „Brandenburger Meute“. Seit 15 Jahren jagen die Brandenburger zumeist hinter den Bracken von Hinrich Mönchmeyer, der  dazu jeweils aus Böhme in Niedersachsen anreiste „und nicht einmal zu spät gekommen ist.“. In der kommenden Saison übernimmt dessen Sohn Thorsten mit den Böhmer Harriern die Termine. Außerdem wird hinter Foxhounds und Beagles der Mecklenburger und der Franken-Meute geritten.
 
Wer Reiter ist und noch dazu züchten will, der braucht auch Land. Schiel fand das dort, wo die DDR ehemals ausländische Diplomaten zum Reiten eingeladen hatte. Am Rand des Spreewaldes in Köthen, im Gestüt am Pichersee, züchtete er zunächst mit Holsteiner Stuten und schließlich zumeist Trakehner, vor allem mit seinem Schimmelhengst Octavio v. Amiego, den Harald Fechner über den Sport zur Körung brachte. Octavio ist heute 25, steht bei Fechner und deckt immer noch. "Eigentlich wollte ich da nur zum Gucken hin und dann habe ich ihn gesehen". Da geht es Schiel wie so vielen anderen Züchtern....Schiel renovierte das Gestüt, baute eine Reithalle und zwei Geländestrecken, arbeitete an einer Novellierung des Brandenburger Reitwegegesetzes mit, und all das kommt jetzt dem BHC zugute. Seit 2004 gehört die Anlage neuen Besitzern, die wie Schiel dem BHC verbunden sind. Die Familien der Brüder Tim und Leif Bröcker und Hoffmann-Dufft des neuen Masters Andreas Hoffmann führen das Gestüt weiter im Sinn von Schiel und als Zentrum des BHC. Insgesamt wohnen inzwischen neun Kinder auf dem Gestüt im Spreewald, und deren Kreativität spiegelt sich nicht nur bei Jugendlehrgängen sondern auch bei Theateraufführungen und anderen Sonder-Aktionen.
Jugendarbeit ist das Thema für Schiel nicht nur im Club mit seinem Ferienlehrgang, der über vier Tage 50 Kinder und Jugendliche ans Jagdreiten bringt sondern auch in der eigenen Familie. Zukunftsprojekt des ehemaligen BMW-Händlers sind die beiden jetzt elfjährigen Enkel, die er hinter den Hunden sehen will. „Das Mädchen hat den Bazillus schon.“ Seine eigene Jagdreiterei und die Musik (Posaune und Klavier) sollen darüber nicht zu kurz kommen, und von seinen vielen BHC-Projekten hat er sich die „Luisenjagd“ in Potsdam weiter erhalten, die er im November im dritten Jahr organisiert. Ganz groß herauskommen soll auch seine Leidenschaft für die Jagdhorn-Bläserei. In Planung ist ein großes Konzert.  



Unter der Überschrift „25 Jahre BHC – Danke Bernd!“ wurde jetzt am Pichersee in Groß Wasserburg mit Mitgliedern, Freunden und Gästen groß gefeiert. Dabei waren natürlich auch die Brandenburger Bracken aus Böhme. Und prächtig subsummiert hat der „Vereinsbarde“  Dr. Hans-Peter Pförtner das Leben des Masters. Vertont nach der „Diplomatenjagd“ von Reinhard May hieß es „Bernd Schiel ist ein Mann, der fast alles kann.“ Wohl wahr.   
Text: Petra Schlemm und Foto: Rossfoto Dana Krimmling