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JuHu 2020: Mit Maske und Höchstnoten

Nicht alle Corona-bedingten Veränderungen müssen zum Schlechten sein. Das hat die Junghundeschau der Meutehalter in der Deutschen Schleppjagdvereinigung DSJV eindrucksvoll gezeigt. Der neue Standort für den Ring, direkt im Innenhof vor der imposanten Kulisse des Haus Schwarzenstein, förderte nach mehr als 50 Jahren Gastgeberschaft des Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdvereins eine ganz neue Atmosphäre, und nicht zuletzt präsentierten sich die Hunde vielfach sichtbar selbstbewusster. Die Hundeführer hatten ihnen offenbar ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen können in der Vorbereitung und das dokumentierte sich in der Notengebung durch neue Richter. So viele „sehr gut“ gab es gefühlt noch nie.

Die Breite der hohen Qualität in dieser „Corona-Schau“ zeigte sich noch deutlicher in den Noten für jeweils einen ganzen Wurf. Der Hamburger Schleppjagdverein holte sich den Pokal für die beste Aufzucht seines M-Wurfs bei den Foxhounds mit einer Gesamtnote von 2,85. Dicht dahinter, mit 2,92,  rangierte die Ostwestfalenmeute, gefolgt von der Taunusmeute, noch dichter dran mit 2,93. Der Vogelsberger T-Wurf bei den Beagles schaffte sogar 1,9. Da hatten allerdings die Bestnoten für gleich drei Titelträger durchgeschlagen. Nathalie Wiederspahn räumte ab mit Champion Tarzan und den beiden Championessen Tara und Tilly. Die Frankenmeute hält den Reserve-Titel für den Rüden Max.


Drama auf den Foxhound-Ringen: Bei den Rüden fiel der Titel schließlich an den Hamburger Monti vor dem Ostwestfalen Falko, der gegen seinen Bruder Ferres ins Stechen musste nachdem sich herausgestellt hatte, dass der auserwählte lemonfarbene Tiger von der Taunusmeute als Champion um gut drei Wochen zu alt war. Für die Championatsbewertung dürfen die Hounds nicht alter als 18 Monate sein, um vergleichbar zu bleiben. Elf Rüden aus drei Meuten gingen auf dem Championatsring, fünf von ihnen ernteten ein „sehr gut“. Mit dem Reservetitel für Undine bei den Hündinnen tröstete sich Taunus-Master Brigitte Roggendorf über den Verlust.

Der Sieg fiel hier an Jade von der Niedersachsenmeute. Alle fünf Niedersächsinnen ernteten ein „sehr gut“. Aktiv und kess meldeten sie schon beim Antreten im Ring „Hoppla, jetzt kommen wir“. Dieser Erfolg kam nicht von ungefähr, eine gründliche Vorbereitung hat sich ausgezahlt. Gut zehn Wochen haben Ida Eggers und Julia Okon auf die Schau hingearbeitet und dazu auch zuhause am Kennel in Dorfmark einen Vorführring errichtet. „Ein Titel und fünf Mal sehr gut - seit mindestens 30 Jahren hat es das für uns nicht mehr gegeben“, schätzte der Niedersachsen-Master und DSJV-Vorsitzende Egbert v. Schultzendorff, nachdem er seiner Frau Cosima per Telefon nach Dorfmark eine Live-Reportage vom Finale gegeben hatte – Emotion pur. Jade und ihre Schwestern gehören zu einem Wurf aus insgesamt 13 Welpen, von denen der Schleppjagdverein von Bayern die Hälfte übernommen und auch bereits eingejagt hat. Und auch hier hat die Taunus-Meute indirekt mitgewirkt. Die Wurfmutter Susi ist dort im Kennel in Wetzlar geboren und in einem Vierer-Wurf nach Niedersachsen abgegeben worden.

Elf Meuten – genauso viele wie im Vorjahr – stellten in diesem Jahr ihre Hunde aus vier Rassen zur Eintragung ins Stammbuch des Jagdgebrauchshundeverbandes vor. Neben drei Beagle- und sechs Foxhound-Meuten waren auch die Anglo Francais der Hardt-Meute und die Harrier aus Böhme wieder dabei. Weil diese beiden Meuten jeweils ohne Konkurrenz antraten, entfiel für sie die Championatsbewertung. Die Qualität war dennoch sichtbar. Der „Franzose“ Portos verließ den Ring mit einem „sehr gut“. „Das gab es hier für uns noch nie“, freute sich Bettina v. Welck, die Master Andrea Wiehn in den Ring begleitet hatte. Thorsten Mönchmeyer stellte einen eigenen Wurf und insgesamt 16 Harrier-Ankäufe aus der holländischen Soestdijk-Meute vor, die überwiegend mit gut bedacht wurden.


Anders als gewohnt gaben keine Juroren aus England ihre Urteile ab.  Vierzehn Tage Quarantäne bei Rückkehr in die Heimat auf der Insel wollte verständlicherweise niemand auf sich nehmen. Die Lösung für dieses Problem hatte der DSJV-Zuchtreferent und Organisator der Junghundeschau Chris Gabrielse ganz in der Nähe aufgetan. Aus Brügge war Mark Wentein eingesprungen, der den Bowler des Richters genauso souverän trägt wie die vielen anderen „Hüte“, die der belgische Tausendsassa aufsetzt: als Chefredakteur einer Pferdezeitschrift ebenso wie als Chairman des European Horse Network und ganz besonders als sportlicher Einspänner-Fahrer. „Sechs Weltmeisterschaften mit vier Pferden.“ An der Qualifikation für die siebte – mit seinem Jagdpferd - arbeitet er gerade. Wentein ist Ehrenmaster des Jagdclub RCB (Riding Club Belgium) und seit 40 Jahren aktiver Jagdreiter mit Erfahrungen in sechs Ländern. „Die Hunde, die ich heute gesehen habe, dürften alle in meiner Meute stehen“, zeigte er sich beeindruckt von den Hounds in Deutschland. Er richtete gemeinsam mit Jürgen Böcking, dem langjährigen Huntsman der Cappenberger Meute und jetzt nach 35 Jahren eigentlich im Ruhestand. „Wir haben hoffentlich die  richtigen Sieger rausgesucht und wenn nicht, dann habt Ihr keine Ahnung“, bescheinigte er dem Publikum in seinem hinlänglich bekannten Dortmunder Ruhrpott-Charme. Im Beagle-Ring standen keine Unbekannten. Neben dem DSJV-Hunting-Referenten Dr. Michael Weiler vergab JGHV-Richter Robert Zurl die Noten. Zurl führt Beagles jagdlich und ist bereits zum vierten Mal in Schwarzenstein. Er lobte am Ende überschwänglich: „Wenn ich einen neuen Beagle für die Jagd suchte, dann würde ich hier bei den Meuten gucken.“  


Schönheit allein genügt nicht –das gilt auch für Hunde. Neben dem Formwert im Ring entscheiden vor allem die Leistung auf der Schleppe und der Gehorsam im Appell über die Qualität eines Meutehundes. Seit 2012 unterziehen sich die deutschen Meuten regelmäßig einer Gebrauchsprüfung und stellen damit ihre Betriebssicherheit unter Beweis. Eine „Eins-plus“-Vorstellung lieferte in diesem Jahr die Böhmer Harrier Meute. Bereits zum dritten Mal stellte der Master Thorsten Mönchmeyer seine Harrier in der „Höhle des Löwen“, nämlich vor kritischen Masterkollegen vor, und sein Pack überzeugte auf der ganzen Linie: Dicht geschlossen in allen Gangarten hinter dem Master, absolut unbeeindruckt von den zahlreichen Fremdhunden, nicht abgelenkt von der Wildfährte und sauber auf der Schleppe, selbst der starke Windversatz wurde korrekt ausgearbeitet. Gut reitende Piköre auf bestens herausgebrachten Pferden, diese alle mit klar durch Arbeit definierten Muskelpartien, keine Corona-Pölsterchen, obwohl der Master selbst seit Februar wegen Rückenproblemen nicht im Sattel gesessen hat. „Das war perfekt“, bescheinigten der DSJV-Vorsitzende Egbert v. Schultzendorff und der Hunting-Referent Dr. Michael Weiler.

Ergebnisse der Junghundeschau 2020
Foxhounds:
Champion: Monti (Hamburger Schleppjagdverein)
Reserve: Falko (Ostwestfalenmeute)
Championesse: Jade (Niedersachsenmeute)
Reserve: Undine (Taunusmeute)
Beagles:
Champion Tarzan (Vogelsberg)
Reserve: Max (Frankenmeute)
Championesse: Tara (Vogelsberg)
Reserve: Tilly (Vogelsberg)
Schwarzensteiner Siegerkoppel:
Rikscha/ Sugar (Taunusmeute)

Weitere Impressionen:



Text und Bilder: Petra Schlemm. Ganz viele Fotos gibt es bei givemeasmile.de