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JuHu 2018: Es geht wieder aufwärts

Der „Pillenknick“ scheint überwunden. Nach einer sehr kleinen Junghundeschau im Vorjahr wurden jetzt gut doppelt so viele Hounds  zur Formwert-Beurteilung der Deutschen Schleppjagdvereinigung (DSJV) am Haus Schwarzenstein in Drevenack präsentiert: 126 Foxhounds und Beagles aus 14 Meuten, nachdem die Frankenmeute noch kurzfristig hatte absagen müssen. Diese „Materialprüfung“ ist der erste Schritt zur Eintragung ins Stammbuch des Deutschen Jagdgebrauchshundverbandes (JGHV), die den Status als Arbeitshund bescheinigt  – mit den damit verbundenen Privilegien, obwohl auf der Schleppe kein lebendes Wild gejagt wird.

Klasse braucht nicht Masse. Das zeigte die Nienhagen Foxhound-Meute, die mit 26 Hunden im Kennel eine der kleinsten in der DSJV ist. Master Jörg Markgraf mit Sohn Timo sicherte sich für seinen G-Wurf gleich zwei Titel: Gustav wurde Champion und Gudrun Reserve-Siegerin. Die nicht viel größere Taunus-Meute lieferte die Championesse Sugar und den besten Wurf.

Aber Masse macht auch Klasse. Die Beagle Meute Münsterland stellte 22 junge Beagles aus sechs  Paarungen vor und Neville gewann den Titel bei den kleineren Meutehunden und dazu den Clinkard-Pokal als Beagle, der dem Zuchtziel am nächsten kommt. Viel Arbeit für das neue „Team ohne Joint-Master“. Hannah Jaspers stellte daraus die Hunde vor, während die anderen Piköre hinter dem Zaun blieben. Zehn Junghunde stellte die Vogelsberg-Meute vor, und ihr R-Wurf war der beste des Jahres. Nathalie Wiederspahn präsentierte daraus Ruby als Champion und aus ihrem P-Wurf die beiden Reserve-Sieger, Paul und Pearl.

Nicht nur bei Pferden ist Zucht ein Langzeit-Projekt. Zwar zeigt sich das Resultat einer Paarung bei Hunden schneller, aber trotzdem ist langfristiges Denken und Kontinuität gefordert. Das zeigte einmal mehr der Rheinisch-Westfälische Schleppjagdverein. Der Gastgeber der Schau präsentierte seine „sehr guten“ Vorjahres-Champions für eine neuerliche Bewertung, und die Geschwister Dobbie und Debby wurden jetzt mit dem Top-Score „exzellent“ benotet. Dobbie und sein Bruder Dutch sicherten sich außerdem den Titel der Schwarzensteiner Siegerkoppel, der ein besonders gutes Gleichmaß in der Zucht bescheinigt.

Mit einem „Gut mit Stern“ bewerteten die Richter den Ankauf des Hamburger Schleppjagdvereins aus der irischen Westmeath Hunt, Conman. Für den bei einer schmalen Zuchtbasis  notwendigen „Schuss“ Fremdblut ist also gesorgt.

Den holen sich die Meuten inzwischen auch durch einen regen Zuchtaustausch untereinander. Mit einer Gemeinschafts-Produktion zeigten sich die Niedersachsen-Meute und die Hamburger, und die Rheinland-Meute hat mit den Nienhagenern den Mecklenburger Champion Djuk eingesetzt.

Lob verdient aber auch die Ostwestfalen-Meute, die aus den „Eigengewächsen“ Cognac und Cindy einen sehenswerten E-Wurf gezeugt hat und in allen drei Kategorien der Schau Hunde vorstellte. Leider zeigten sich Emil und Elvis auf dem Endring etwas schüchtern. Das dürfte aber in erster Linie auch der langen Verletzungspause des Masters Friedel Sielemann geschuldet sein, der neun Wochen lang mit einem Beinbruch außer Gefecht war. Die Arbeit mit Pferden und Hunden blieb in der Zwischenzeit weitgehend bei seiner Frau Heike, die neben ihrem Beruf somit auch noch 140 Kilometer täglich zu fahren hatte. „Kompliment“., äußerte sich anerkennend nicht nur der Bayern-Master Toni Wiedemann, der konzentriert alle Bewertungen am Ring aus dem Rollstuhl verfolgte.

Die Rüden waren in diesem Jahr (noch) qualitätsvoller als die Hündinnen, fanden die beiden englischen Foxhound-Richter Polly Portwin und Will Cursham. Vierzehn aus der Vorberichtung mit „gut“ bewertete Rüden trafen im Finale aufeinander. Die beiden Champions Gustav und Harry (HSJV) nahmen daraus ein „sehr gut“ mit. Auf allen vier Championatsringen der Schau war in diesem Jahr gut zu erkennen, dass Arbeit und der daraus erwachsende Muskelaufbau auch Hunde in ihrer Erscheinung verändert und schöner macht. Dementsprechend sinnvoll erscheint die Regelung, künftig wirklich nur noch junge Hunde bis 18 Monate im Championatsring aufeinander treffen zu lassen. Ältere Hunde werden für die Eintragung nur noch bewertet, aber nicht mehr prämiert. Dieses Los traf in diesem Jahr bereits die Mecklenburger „von Esebeck“-Meute, die ihren R-Wurf in 2017 wegen einer Fahrzeug-Panne nicht hatte zeigen können. Fast dreijährig waren diese Hunde nun eindeutig zu alt. „Schade“, fand Polly Portwin. „Aber die jagen bestimmt klasse“, schloss sie aus der eifrigen Nasenarbeit der feinen Hunde im Ring.

„Jagende Hunde und Jungspunde lassen sich nicht vergleichen“, fasste Dr. Michael Weiler zusammen. Als Moderator der Schau machte der Hunting-Referent die Entscheidungsprozedur der Richter öffentlich und war darüber hinaus auch noch bei der Vorberichtung als Tierarzt eingebunden, am zweiten Tag unterstützt von Jochen Schlesies. Der DSJV-Präsident Egbert v.Schultzendorff bedankte sich entsprechend und verkündete in seinem Schlusswort den nächsten offiziellen Termin des Bundesverbandes. Mitglieder und Freunde der DSJV treffen sich am letzten März-Wochenende 2019 zur Jahrestagung im Osten, ausgerichtet vom Brandenburger Hunting Club in Schlepzig.  

                                                                                                                       

Text und Fotos: Petra Schlemm