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Flutkatastrophe: Jagdreiter helfen

Das Wasser – der Schlamm – die totale Zerstörung. Tote Menschen, tote Pferde - die Bilder in den Nachrichten aus den Flutregionen lassen niemanden unberührt. Reiter helfen Reitern. Nach der Flut kam eine große Welle der Hilfsbereitschaft. „In schnellem Tempo denken und handeln, in diesem Fall: helfen“ – so haben auch viele Jagdreiter Initiativen ergriffen und tatkräftig angepackt.

Hier einige Beispiele:
Münsterländer Beagle Leute legen Hand an in Üxheim
Üxheim-Niederehe. Dort gibt es einen kleinen Verein Linden-Niederehe, der im September als Jagdveranstalter für die BMM auftritt. Zu der Besitzerin Diana Linden, jetzt Keul, bestehen langjährige Beziehungen, und der Hilferuf von dort hat die Marler aktiviert. Gleich am Samstag, keine drei Tage nach der Flut ist die BMM zu fünft an Ort und Stelle gewesen.

Holger Kirchmann berichtet: „Der gesamte Stalltrakt hat etwa 60 cm unter Wasser gestanden. Die Pferde konnten gerade noch mit Hilfe der Feuerwehr aus den Ställen gebracht werden. Das Wasser ist ganz plötzlich exorbitant gestiegen.

Die Pferde wurden dann zunächst einmal mangels Alternative alle auf Weiden gestellt. Am Samstag haben wir dann mit vielen Mitgliedern des Vereins den gesamten Stall mit einem Hochdruckreiniger von einer zentimeterdicken Schlammschicht gereinigt. Nach einer Trocknungsphase können die Pferde jetzt wieder zurück in den Stall.

Ein Großteil des Außenbereichs ist außerdem ebenfalls zerstört worden. Die vorhandenen Paddocks sind weggespült worden, ebenso wie der neuangelegte Reitplatz. Auch durch die Halle ist das Wasser geflossen“.

Ein Lkw voller Sachspenden in die Eifel
Harald und Karen Küfe betreiben eine Landwirtschaft und einen Reitstall in Bockhop im Kreis Diepholz und haben eine private Hilfsaktion gestartet. Spenden aus dem Kreis befreundeter Jagdreiter, ihren Einstellern, dem Maschinenring der benachbarten Landwirte und über örtliche Vereine des Dorfes haben sie in die Nähe von Gerolstein gebracht – einen  ganzen Lkw voll, mit dem Harald Küfe sonst sein Futter ausliefert: (Sommer)-Decken, Putzzeug, Schaufeln, Schubkarren, und ganz simple Dinge wie Arbeitshandschuhe und Mülltüten, dazu Mineralwasser und Futter.

Am Donnerstag, eine Woche nach dem Unglück, sind sie gefahren. „Was wir gesehen haben, ist unbeschreiblich. Im Fernsehen kommt das nur unzulänglich rüber.“ Die Spenden hat eine junge Frau erhalten, die mit 50 Pferden erst vor wenigen Wochen aus Bayern einen Hof in der Eifel bezogen hat. Ihre Tiere konnte sie retten, hat aber alles andere verloren. Die Weiden sind unbenutzbar auf unbestimmte Zeit und ihre neu renovierten fünf Ferienwohnungen sind zerstört. Karen Küfe: „Sie hat sich unfassbar gefreut und wird weitervermitteln, was wir gebracht haben.“ Allein in ihrem Ort sind drei weitere Pferdebetriebe. „Was wir in dem Gebiet gesehen und gehört haben  hat uns sehr berührt“, so Karen Küfe. „Die Hilfsbereitschaft unter den Menschen dort ist unfassbar. Sie fahren Tag für Tag in die zerstörten Dörfer  und helfen einfach. So viele Menschen haben alles verloren!“
Es steht jetzt schon fest, dass Küfes nicht zum letzten Mal in Richtung Eifel gefahren sind. „Die Menschen dort haben Angst, dass sie allein vor Allem stehen werden, wenn die erste Welle der Hilfsbereitschaft abgeflaut ist.“ Außerdem lagern in Bockhop noch alle die Spenden, die erst dann von Nutzen sein werden, wenn Stallungen und Sattelkammern wieder von Dreck und Schlamm befreit sind.

Futterspenden für die Pferde im Flutgebiet
„Wir hier im Norden kennen Wasser, aber was dort passiert ist, ist einfach unvorstellbar“, sagte sich Thorsten Mönchmeyer. Der Master der Böhmer Harrier und seine Equipage haben eine Futterspendenaktion für die Pferde in der Flutregion angeleiert. „Auch wenn wir selber unsere Sorgen und Nöte mit Corona haben und kämpfen müssen, um alles irgendwie am Laufen zu halten, möchten wir als Verein doch helfen, den Bauern, den Stallbesitzern, Pferdezüchtern und allen, die Tiere haben oder hatten und jetzt alles verloren haben.“  
Beim Hundetraining am Samstag nach den verstörenden Nachrichten galt die erste Sorge dem Jagdherrn in Bonn. Nach vielen Versuchen eines Telefonats kam Entwarnung, alles gut - das Wasser hat ihn zwar getroffen, aber nicht so hart wie viele andere. Aber die Sorge blieb. Harald Küfe als Vorsitzender des Schleppjagdvereins und Landwirt gab die Anregung, und dann wurden Pläne geschmiedet. Bereits in einem ersten Gespräch sind etwa 30 Hektar Grasfläche zusammengekommen, deren Ertrag die Böhmer Harrier in Form von Heu, Heulage oder Siloballen zur Verfügung stellen wollen. Das „Wie“ steht ebenfalls schon fest. Das Futter wird im Norden fertiggestellt und dort hingebracht, wo es gebraucht wird. Allerdings:  Das kostet Geld, was die Böhmer nicht alles selbst aufbringen können - für Mähen, Wenden, Pressen und den Transport in die Region.
Daher der Aufruf zum Spenden:
Schleppjagdverein Böhme e.V. Sparkasse Nienburg Konto 36111581. Kassiererin Ursula Lukas wird auf Wunsch auch Spendenquittungen ausstellen.
Thorsten Mönchmeyer: „Mit Eurer Hilfe, auch wenn man das jetzt noch nicht sieht - können wir auch unseren Sport in Rot unterstützen. Da haben die Grundstückeigentümer, Bauern, Züchter, Vereine etwas davon, und das sind die Leute, die wir für unseren Sport brauchen. Es kann jeden von uns auch treffen, und dann wären wir auch froh, wenn jemand uns helfen würde, denn die Tiere fressen 365 Tage im Jahr und der nächste Winter kommt.“

Und das Aufräumen wird lange dauern....



Kost und Logis frei
Auch kleine Zeichen können etwas bewirken. Astrid Mendyk (HSJV) hat in Greven Platz für zwei bis drei Pferde in ihrem Offenstall angeboten. Kost und Logis sind natürlich frei. Zusammen mit einer Kundin kümmert sie sich außerdem um Futterbeschaffung. Fast 150 (!) Tonnen Heu und Stroh sind dabei bereits zusammengekommen und zum Teil auch ausgeliefert, darunter auch eine Tonne Hunde- und Katzenfutter, bestimmt für eine Auffangstation für verwaiste Tiere deren Besitzer das Drama nicht überlebt haben. Solch eine Dimension ist wahrlich keine Kleinigkeit. "Gearbeitet in meinem Job habe ich diese Woche nicht viel", bekennt Astrid Mendyk. Wen wundert's. 
Bilder: Holger Kirchmann und Jasmin Haberzettl