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Bügel verkürzen und Gleichgewicht finden

Stabilität und Balance im leichten Sitz für das Reiten im Gelände – das war die Arbeitszeile für einen Lehrgang über Sprünge, auch als Vorbereitung zum Jagdreiten in Aulendorf/Wallenreute. Philipp Jakob gab den Unterricht, Andreas Hertkorn war der Veranstalter auf dem Rochushof.

Judith Fiedler schildert ihre Eindrücke: „Voller Vorfreude reisten wir bereits am Vortag zum Lehrgang an und wurden sehr herzlich vom Gastgeber und Veranstalter Andreas Hertkorn und seiner Frau Alexandra in Empfang genommen. Auch Ralf Köberle und sein Team vom Rochushof hatten schon alles vorbereitet und die Pferde haben sich sofort sehr wohl gefühlt. Ideale Voraussetzungen für ein spannendes Lehrgangswochenende, das mit einem  gemeinsamen Abendessen im Arthus Hotel eingeläutet wurde.
Samstagmorgen - noch vor der Theorieeinheit - putzen wir unsere Pferde um möglichst pünktlich in den Lehrgang starten zu können. Wie es immer so ist hatten wir unseren «Engländer» vergessen, aber am Rochushof hilft man sich und so waren dann auch die Stollen schnell montiert. Die Boxen hatten freien Blick auf den Geländeplatz, Philipp war schon dabei die Wiese vorzubereiten für den späteren Unterricht. Weitere Teilnehmer trafen ein, alles erfahrene Jagdreiter. Alle waren sehr gespannt auf kommende Herausforderungen. Ein fröhliches Hallo unter Gleichgesinnten. Ein klein bisschen war auch Nervosität bei der einen oder dem anderen zu spüren.
Der Kurs begann mit einer einer Theorieeinheit. Philipp Jakob erläuterte den Hintergrund des Klassischen Leichten Sitzes, erklärte an Hand verschiedenster Analogien, gab bildliche Beispiele und beantwortete weitere Fragen der Teilnehmer. Der Hintergrund und damit das Warum aber auch das Wie wurden durch die sehr gute Erklärung allen Teilnehmern klar und auch, wie hinderlich dabei zu viele Pauschen am Sattel sein können. Bei der Einteilung  ergaben sich schnell zwei Gruppen à 5 Reitern.
Einige Sprünge auf der liebevoll hergerichteten Geländewiese hatte Andreas extra für den Lehrgang aufgestellt. Die Pferde waren frisch und kernig. Beim Abreiten gab es schon den ein oder anderen Bocksprung. Alle Teilnehmer einen Steigbügelriemen um den Hals ihrer Pferde gelegt. Dieser half nun auch die Luftakrobatik der Pferde auszusitzen.  


Und schon ging es an die Einstellung der Bügel. Der ein oder andere hatte bereits vorher die Bügel kürzer eingestellt und dennoch waren weitere Anpassungen nötig… diese variierten von zwei bis zu sieben (!) Bügellöchern. Bei manchen Reitern wären die Bügel idealerweise noch weiter verkürzt worden, doch die Sättel boten nicht alle die richtige Kniefreiheit dafür. In den folgenden Übungen im Trab war jeder froh um den Halsriemen und merkte schnell wie wichtig die richtige Platzierung des Fusses ist – nur so erreicht man die richtige Stabilität. Im Galopp war es dann doch etwas einfacher und sah schon gar nicht schlecht aus. Jakob nahm sich die Zeit jeden Reiter immer individuell zu korrigieren und gab Sicherheit – Unterschenkel weiter vor, mehr in den Bügel eintreten, Hände tief - das hörte nicht nur ich sondern alle Reiter immer wieder. Es ist wirklich nicht so einfach aus seinen Mustern herauszukommen und etwas komplett anders zu machen. Besonders toll: Jeder hatte mindestens ein Erfolgserlebnis in dieser ersten Einheit, in der kleinere Hügel und erste Sprünge von allen Teilnehmern gemeistert wurden. Auch die zweite Truppe sah sich den gleichen Herausforderungen gegenüber, Bügel weiter verkürzen, Gleichgewicht finden, den Halsriemen als Hilfestellung nutzen und die Position der Unterschenkel anpassen. Jeder wurde vom Trainer begleitet und vor individuelle Aufgaben gestellt. So nahm er sich separat Zeit, bei einem Vollblut, das zu hitzig auf die Hindernisse galoppierte, genauso wie bei einem Pferd, das sich übersprang oder buckelte. Alle konnten sich nach kurzer Zeit des individuellen Eingehens harmonisch und im Takt in die Gruppe einsortieren und in der Gruppe springen.


Die erste Reiteinheit hatte alle gefordert und das Mittagessen war wohlverdient bevor es dann schon in die nächste Lektion ging. Nochmalige Prüfung der Bügel, muss etwas angepasst werden, kann es so bleiben? Diesmal ging es schneller in den Galopp, die Pferde waren schon etwas eingespielter, die Reihenfolge war klar, jeder wusste wo er hingehört. Die ersten kleinen Absprünge wurden spielerisch eingebaut und kombiniert mit folgenden kleinen Sprüngen. Zum Abschluss ging es dann noch ins Wasser. Alle Aufgaben waren sehr wohl durchdacht und gewählt und gaben Reitern und auch den Pferden Vertrauen und Sicherheit. Bei Schwierigkeiten fiel Philipp Jakob immer eine Lösung oder eine Alternative ein, so dass wirklich jeder großen Fortschritt machen und seine Grenzen überwinden konnte. Und schon war der erste Teil des Lehrganges beendet, viele strahlende und zufriedene Gesichter.
Freunde des Gastgebers begleiteten die Einheiten mit der Kamera. Diese Bilder wurden gemeinsam am Abend bei einem heimischen Bier in sehr offener und freundlicher Runde analysiert. Diese Reflektion und Diskussion schulte nicht nur das Auge, zeigte die Verbesserung von Runde zu Runde und gab gleichzeitig den individuellen Fokus für die Sonntagseinheit.


Leider hatte es in der Nacht angefangen stark zu regnen, so dass der Boden aufgeweicht war. Spontan wurde entschieden die ersten Übungen auf dem Springplatz zu verlegen und so den Boden und die Beine der Pferde zu verschonen. Einem frischen Gruppengalopp stand dies nicht im Weg, bald über das erste Kreuz, gefolgt von einem kleinen Steilsprung. Später auf dem Geländeplatz war der kleine Wall wieder die erste Aufgabe, gefolgt von dem kleinen Absprung und gesteigert mit dem etwas grösseren Absprung zum Springplatz. Als Abfolge wurde dieser dann kombiniert. Absprung Springplatz, zurück auf den Geländeplatz – der erste kleine Baumstamm, grosse Linie auf den nächsten Baumstamm. Und gleich die nächste Runde mit dem Einbau des neuen extra erbauten Hindernisses. Die nächste Runde wurde dann noch durch weitere Baumstämme ergänzt. Eine tolle Abschlussrunde zauberte jedem ein grosses Grinsen ins Gesicht. Die Pferde und Bilder sprachen für sich!
Jetzt heisst es weiter üben für eine hoffentlich baldige Wiederholung.“
Text: Judith Fiedler und Bilder: Andreas Hertkorn