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Saison-Fazit 2020: Zappenduster

Schlechtes Timing! Zwei „Lockdowns“ und beide ausgerechnet zur intensivsten Zeit für das Jagdreiten haben den „Sport in Rot“ in diesem Jahr lahmgelegt. Die Saison 2020 hat nahezu nicht stattgefunden – mit den entsprechenden finanziellen Konsequenzen durch ausbleibende Jagdgelder.

Alle DSJV-Meuten haben mit mindestens 50 Prozent an Ausfällen ihrer Termine zu kämpfen gehabt, einige hat es noch herber getroffen. So sind die Böhmer Harrier nur bei fünf von 25 Terminen gelaufen, die Cappenberger Meute war sogar nur bei vier von 27 Veranstaltungen im Einsatz. Alles andere war entweder von den Veranstaltern abgesagt oder behördlich untersagt worden. Besonders schmerzlich waren die Ausfälle im Herbst. So mussten unter anderem die Vogelsberger Beagles auf eine Reise zu mehreren Jagden in Tschechien verzichten, die Böhmer haben bei zwei Anfahrten fünf Jagden verloren und die Mecklenburger haben publikumswirksame Aushängeschilder wie das Usedom Cross Country oder die Jagd in den Elbauen am Schloß Wörlitz eingebüßt.  
Das Training der Hunde ist davon unterschiedlich beeinflusst gewesen. Zwar gab es keine behördlichen Diskussionen über die Notwendigkeit von Auslauf für die Hunde. Dennoch war die Art und Weise doch auch abhängig vom Standort. Nicht jede Meute verfügt über Gelände wie der RWS am Haus Schwarzenstein oder die Niedersachsenmeute am Truppenübungsplatz in Dorfmark. Die Hardt-Meute konnte nur am Kennel in Dunzweiler (Rheinland-Pfalz) trainiert werden. Die Badischen Dragoner, zu Hause am Stadtrand im Baden-Württembergischen Forst, waren ebenfalls zu Fuß auf die eigenen „vier Zäune“ beschränkt und hatten dazu „beinahe täglich“ Polizeikontrollen auf zulässige Personenzahlen an Kennel und Stall. Mit Sondergenehmigungen waren die Böhmer und Cappenberger Equipage unterwegs. Besser dran waren die Mecklenburger. „Bei uns haben die Behörden genug mit Schweinepest und Vogelgrippe zu tun“, beobachtete Master Gabriel Rodenberg.  „Fein raus“ waren auch die Münsterlander Beagles, die auf einem Laufband trainieren können und außerdem viel am Fahrrad bewegt wurden. Dr. Konstantin Mettenheimer konnte das Training insgesamt positiv sehen. „“Wir hatten viel Zeit, uns auch um die Junghunde zu kümmern, und die Equipagenpferde haben in Ruhe an Routine gewonnen“, zieht der Vorsitzende sein momentanes Fazit für die Taunusmeute.   
„Im schnellen Tempo denken und handeln“ war das Motto bei der Ausbildung der Jagdreiter an der Kavallerieschule Hannover. Mit Initiative und Flexibilität sind die Meuten auch ein Jahrhundert später noch der der Krise begegnet. So hat der RWS seine Mitgliederversammlung schnell „open air“ im Anschluss an die Junghundeschau abgehalten „als sowieso alles aufgebaut war“, und der Schleppjagdverein von Bayern hat als einzige Meute eine „ordentliche“ Abschlussjagd abgehalten – indem der Ritt in Schleißheim blitzschnell und haarscharf vor den November-Lockdown vorgezogen wurde auf einen durch Absage frei gewordenen Termin – keine kleine Leistung, wenn man weiß wie viel Aufwand die Organisation einer Jagd bedeutet.
Die finanziellen Einbußen sind heftig und werden nur unterschiedlich aufgefangen. Hochwillkommen waren Futterspenden. So hat sich die Vogelsbergmeute über gleich zwei Paletten ihres Lieferanten gefreut. „Das hat uns drei Monate weitergeholfen“, betont der Master Hans Nimrichter und die Hundehalter haben sich auch gegenseitig unterstützt. So leiteten die Bayern eine Palette nach Ostwestfalen weiter. Und wie alle von Corona betroffenen Unternehmen schieben auch die Meuten ihre Reserven. „Den Lkw tauschen wir erst später aus“, so Camill von  Dungern in Niedersachsen.
Positives gab es auch. So ist der Zusammenhalt in den Equipagen und der Menschen direkt an den Hunden gewachsen und viele Ehemalige haben wieder ihr Herz (und auch das Portemonnaie) für „ihre“ Meute geöffnet und den Wert der „Freiheit im Galopp“ unter Gleichgesinnten draußen mit Pferden und Hunden für sich wieder erkannt.  
Das Fazit am Ende des „Corona-Jahres“ fasst am besten Hans Nimrichter, Master der Vogelsbergmeute zusammen. „Wir werden es überstehen – wenn es nicht zu lange dauert.“ Aber der Mecklenburger Rodenberg unterstreicht: „Es ist ernst.“
Text: Petra Schlemm znd Foto: Jutta Nebe