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Schlössertour mit den Hunden - 3. Etappe

Schlösser beleben – Geschichte erleben als Leitlinie. „Den Sport des Jagdreitens dahin zurückzubringen, wo er entstanden ist,“ wollte Toni Wiedemann, der seit 1983 die Meute des Schleppjagdvereins von Bayern als Master führt, und bis heute hat er mit den Hunden einen ansehnlichen Streifzug durch Schlösser und Burgen unternommen. Die hat er alphabetisch geordnet und hier, im dritten und letzten Teil seines historischen Jagdreiter-Kompendiums zusammengestellt. An mehr als 50 Stationen hat die Meute beigetragen zur Erinnerung und Weiterentwicklung von der Parforcejagd zur heutigen Schleppjagd.

Pöttmes, seit 700 Jahren Stammsitz der Freiherren von Gumppenberg und seit 1989 / 90 Meute und Vereinssitz des Schleppjagdvereins von Bayern. Mein Berufswechsel 1986 in die Versicherungsbranche und die Gründung des SvB gingen ziemlich zeitnah von statten. Das Bayernpack als Saison-Pack von Cappenberg war in dem früheren Jagdstall in Heimat bei Dasing untergebracht. Die Zunahme des Jagdbetriebes im Frühjahr und Herbst zeigte bald die Grenzen eines Saisonkennels auf. Bei meinen geschäftlichen Dienstreisen lernte ich auch Pöttmes näher kennen. Und so kam ich auf Empfehlung eines Geschäftspartners mit Baron Christoph von Gumppenberg ins Gespräch als wir bereits auf der Suche waren nach einem neuen Meute- Standort. So kam es, dass Baron von Gumppenberg 1988 im Frühjahr den ehemaligen Schafstall auf dem „Gumppenberg“ bei Pöttmes als Saisonkennel angeboten hat. Wir bauten diesen Stall entsprechend um und nutzten ihn bis zum Sommer 1989 als wir dann im Juli nach Gut Koppenzell umgezogen sind. Dort haben wir dann eine mustergerechte Kennelanlage eingerichtet, die für 22 Jahren unsere Heimat war. Doch zurück zu Pöttmes und Familie von Gumppenberg. Zum Schloss und Gutsbetrieb gehörte auch das Gut Sedlbrunn. Auch dies stand zur Pachtung bereit und wurde dem SvB angeboten. Es dauerte weitere fünf Jahre, denn inzwischen wurde das Gut von Hans & Nathalie Schuster im Erbbaurecht erworben und sehr aufwendig zum Schulungs- und Tagungshotel umgebaut. 1996 ritt der SvB dort seine erste Eröffnungsjagd, und das ist bis heute so geblieben. Das umliegende Gelände wie auch die Jagd gehört größtenteils zur von Gumppenbergischen Güterinspektion. Durch das inzwischen über 30-jährige freundschaftliche Verhältnis und die vertrauensvolle Zusammenarbeit konnten wir seither 15 Frühjahrsjagden und 25 Eröffnungsjagden dort reiten. Zu den Pöttmeser Reitertagen, einem Reit- und Springturnier über zwei Wochenenden präsentiert der SvB alljährlich seine Meute und wirbt für Jagdreiten im Wittelsbacher Land.

Piber, Schloss, Gestüt und Heimat der Lipizzaner in Österreich. Das Schloss, welches ursprünglich als Kloster erbaut wurde, dient seit über 200 Jahren für die Pferdezucht. Bis zum 1. Weltkrieg für die Pferde des Militärs, ab 1918 nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Donau-Monarchie kam die Lipizzaner Zucht vom Slowenischen Staatsgestüt Lipizza nach Piber in die Steiermark. Der Schleppjagdverein von Bayern hatte über die bisher zahlreich gerittenen Jagden in Niederösterreich gute Kontakte zum Landesverband und den Freunden des Parforcejagdclubs Austria aufgebaut. So dauerte es nicht lange, bis diese Freunde den Kontakt nach Piber hergestellt hatten und dort 2006 die erste Schleppjagd mit der Bayern-Meute gewritten wurde. Das herrliche Gestütsgelände bot abwechslungsreiche Schleppen. Vom Bereiter-Lehrling bis zum Obersattelmeister, alle bereicherten das Jagdfeld mit Lippizanern. Lobenswert, der Landstallmeister im Vierspänner und weitere Anspannungen vor dem Marathon-Wagen, welche aktiv durchs Gelände fuhren und immer nahe am Jagdgeschehen waren. Der feierliche Jagdball in den Festräumen von Schloss Piber machten diese Jagdtage zu einem unvergesslichen Erlebnis. Durch die wirtschaftliche Trennung vom Gestüt mit der Hofreitschule wurden der örtlichen Gestütsverwaltung die Möglichkeit der Jagdausrichtung genommen. Dies bedauern die Jagdreiter in Deutschland und Österreich zutiefst.

Schloss Philippseich bei Frankfurt. Dort ritt der SvB Anfang 2000 zusammen mit der Taunus-Meute eine Jagd. Vorausgegangen war am Samstag die Geburtstagsjagd von Hubert Barth, der damals noch in Heusenstamm wohnte. Nach längerer Pause wurde der Jagdclub Schloss Philippseich gegründet. Der Club lud dann ein von 2010 bis 2014 zur Schleppjagden. Eine neue Umgehungsstraße durchtrennte das Jagdgelände 2015. Damit war die Jagdreiterei von Philippseich gestorben - sehr schade für unseren Sport.

Schloss Rosenau bei Rödental nahe Coburg ist seit über 200 Jahren im Besitz der Fürstenhauses Sachsen-Coburg und Gotha. Dort wurde Prinz Albert geboren, der spätere Gemahl der britischen Königin Viktoria. Der SvB, der schon mit dem Cappenbergern seit 1980 Jagden bei Coburg ritt, hatte gute Freunde und begeisterte Jagdreiter aus Coburg, die auch mein Ansinnen verstanden, die Meutejagd dort hinzubringen, wo sie auch entstanden ist. So gelang es einer Coburger Jagdgemeinschaft Schloss, Park und Gelände um die Rosenau für eine unvergessliche Schleppjagd zu bekommen. Zum Glück gibt es einen Film, der dieses besondere Jagderlebnis festgehalten hat.

Schloss Reichertshausen bei Pfaffenhofen ist ein Wasserschloss des Freiherrn von Zetto, dem auch ein großer Wald- und Grundbesitz gehört. Der SvB hat dort auf Einladung von SvB-Mitgründer Hans Schaller über viele Jahre Schleppjagden geritten. Ein Höhepunkt der Bayerischen Schleppjagdgeschichte war 1992 eine Zwei-Meuten-Jagd mit der Warendorfer Meute mit insgesamt 133 Hunden. Sechs Schleppen wurden als Relaisschleppen geritten, auf der siebten Schleppe vereinigten sich die Packs unterwegs auf der Schleppe und die achte Schleppe liefen sie gemeinsam. Ein unvergessliches Ereignis und Zeugnis von perfekter Meute Führung.

Schloss Rosenberg bei Rügland in Mittelfranken. Hier ritt der SvB auf Einladung der Familie Sessler eine Schleppjagd im Gelände rund um Rosenberg. Tochter Alexandra wurde eine erfolgreiche Dressurreiterin, blieb aber dem SvB über Jahrzehnte verbunden.

Schloss Röthenbach bei Arzberg in der Oberpfalz ist im Besitz der Familie von Waldenfels. 2016 konnte SvB-Mitglied Dorly Kupke mit Unterstützung von Toni Schatzberger Schloss und Gelände für eine Schleppjagd mit der Meute bereitstellen. Ein besonderer Höhepunkt für die Reiter aus der Region und für die aus Oberbayern angereisten Reiter: ein toller Jagdtag mit charmanter Jagdherrin in besonderer Schloss Atmosphäre. Bleibt unvergessen!

Schloss Schleißheim, die Residenz von Kurfürst Max Emanuel. Erbaut um 1700 sollte es das Bayerische Versailles werden. Der Bayrische Kurfürst hat etwas geschaffen, was wir nach 300 Jahren für unseren traditionsreichen Sport nutzen dürfen. Bereits 1988 konnte ich nach mühevollen Verhandlungen in Erinnerung an die Gründung der 1. Bayerischen Schleppjagd Meute eine Jubiläumsveranstaltung mit Bläserkonzert und Schleppjagd veranstalten. Seit dem Jahr 2000 dürfen wir unsere Abschlussjagd dort reiten und feiern. Im Jahr 2008 wurde meine Idee eines historischen Jagdschaubildes zur 850-Jahr-Feier der Stadt München mit dem Bayerischen Reiter- und Fahrerverband BRFV verwirklicht. Es wurde die Historische Jagd und Kutschengala ins Leben gerufen. Neun Jahre lang war der SvB hier aktiv mit dabei. Inzwischen ist sie Geschichte. Die Erzählungen über die Kurfürstlichen Parforcejagden und später die Jagdberichte über Bayerns erste Schleppjagd Meute im „ Grünen Buch“ (den „Reiterinnerungen“ von Whyte-Melville/von Keudell, Anm.d.Red.) haben bei mir bleibende Eindrücke hinterlassen und mich motiviert, unseren Schleppjagdsport dorthin zurück zu bringen, wo er entstanden ist, eben in das geschichtsträchtige Schleißheim und sein Gelände.   

Schloss Seyfriedsberg bei Ziemetshausen in Schwaben. Dieses wunderbare Schloss mit seinen gepflegten Außenanlagen und dem großen Forst gehörte 350 Jahre zum Fürstenhaus Oettingen – Wallerstein. Bewohnt wurde es von SD Prinz Wolfgang von Oettingen – Wallerstein mit seiner Gattin. Prinz Wolfgang war in den 50iger u. 60iger Jahren ein passionierter und erfolgreicher Springreiter. 1984 besuchte er unsere Eröffnungsjagd bei Maria Beinberg und war von unserer Meute so begeistert, dass er mich einlud und wir fürs kommende Jahr bereits die erste Jagd reiten konnten. Wir ritten immer im Frühjahr, es waren herrliche Waldschleppen auf gepflegten Wegen und durch über 100jährigen Fichten- und Eichenbestand. Der Prinz begleitete unseren Schleppenleger, sonst hätte dieser sich mit Sicherheit verritten. Wir ritten 15 Jahre in Folge. Im Jahr 2001 verstarb unser Freund und Förderer, SD Prinz Wolfgang und somit auch die Schleppjagd auf Schloss Seyfriedsberg.

Schloss Sünching im Landkreis Regensburg gehört der Familie von Hoenning o Caroll, welche seit über 250 Jahren dort residiert. Sepp Hierl aus Niederbayern stellte die Verbindung zu der Familie her. Da diese unserem Sport sehr zugetan waren, wurden Planung und Durchführung dieser Jagden im großen Gutsgelände und dem Schlossbereich großzügig unterstützt. Die Schlossherrin lud zu Führungen und zeigte die kunstvoll renovierten Räume. Im ehemaligen Brauereikeller wurde gefeiert. Gerne kommen wir wieder.


Schloss Schorn bei Pöttmes. Hier wohnt Freiherr Richard von Hermann mit seiner Gattin Ludwiga Freifrau von Korff. Die Baronin („Micky“) ist Pferdesport Fotografin und ehrenamtlich Kulturreferentin in Pöttmes. Im Rahmen eines Kulturprogrammes präsentierte der SvB seine Meute vor großem Publikum. Der BR filmte mit. Der SvB pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zur Schlossherrschaft.

Schloss Sommersdorf im Landkreis Ansbach. Hier lud als Jagdherr Gerhard Crones Richter vom RF Alte Ulanen Ansbach zur Herbstjagd ein. Das sagenhafte Ambiente des Wasserschlosses, das seit vielen Generationen der Familie von Crailsheim gehört, gab einen festlichen Rahmen zu dieser Jagd. Die Wiesengründe entlang der Altmühl ermöglichten lange Wiesenschleppen und Reiten zu den Hunden. Das Jagdessen bei Fackeln und Kerzenschein bleibt in bester Erinnerung.
Schloss Schillingsfürst im Landkreis Ansbach hat eine langejährige und große Geschichte. Für die Schleppjagd entdeckt hat es Alf Strobel für den RV Wiedersbach bei Ansbach. Der SvB ritt dort von 1995 bis 1999. Seit 2000 pflegt die Franken-Meute die Tradition der Schleppjagd in Schillingsfürst.

Schloss Taxis bei Dischingen, wie der Name schon vermuten lässt, ist dies das frühere Stammschloss des Fürstenhauses von Thurn & Taxis. Nachdem der SvB auf Einladung ID Fürstin Gloria auf Gut Höhenberg bei Regensburg schon etliche Jagden geritten ist, konnte ich sie begeistern auf Schloss Taxis die Amazonenjagd des Vereins dort auszurichten. Eine umwerfende Kulisse, ein tolles Gelände sowie die fürstliche Familie komplett im Jagdfeld begeisterten unsere Amazonen und ihre männlichen Begleiter als Zuschauer.

Schloss Thurn bei Heroldsberg nahe Erlangen, im Besitz des Grafen Benzel – Sturmfelder Horneck. Hier wurde bereits in den 80iger Jahren mit der Cappenberger Meute geritten. Jahre später fand hier die Franken-Meute eine Bleibe über etliche Jahre bevor sie nach Pommersfelden weiterzog.

Burg Tittmoning im Chiemgau gehörte im Mittelalter zum Fürstentum Salzburg. Die Fürstbischhöfe nutzten es als Jagdschloss. Der SvB kam auf Einladung des Kulturamtes von Tittmoning, welches im Jahr 2018 ein besonderes Jubiläum feierte, zur Meute-Präsentation mit Schauschleppe auf das Schloss. Umrahmt wurde das Jagdschaubild durch die Chiemgauer Jagdhornbläser mit der Gruppe „Jungwölfe“ von Konstanze Hofinger.


Schloss Tagmersheim im Landkreis Donau-Ries gehörte über viele Generationen zum Besitz des Grafen Moy. Vor etwa 15 Jahren erwarb es Familie von Morgenstern als ihren Familiensitz. Als Freunde des Polosports errichteten sie Poloplätze, und zwei Dutzend Polopferde wohnen seither in den Stallungen des Schlossgutes. Der SvB wurde vor etwa zehn Jahren zum Schauprogramm beim Poloturnier eingeladen. Seither gibt es eine freundschaftliche Beziehung zu Familie von Morgenstern. Weitere Schauschleppen folgten bei jedem Polo Turnier. Auch Trainingsritte und eine Schleppjagd gab es schon. Auch durften wir unser Gründungsfest 2014 mit Hundetaufe dort feiern und genossen die Gastfreundschaft.

Schloss Wallerstein. In Wallerstein ist der Hauptsitz des Fürstenhausen Oettingen Wallerstein. Die Bayernmeute hatte in den vergangenen Jahrzehnten viele Gelegenheiten sich dort zu präsentieren. Seit 1996 kam der SvB mit Meute in den Schlosspark um den Empfang der Turniergäste, Sponsoren und Honoratioren, eingeladen von ID Fürstin Delia und Hans Günter Winkler. Dies war immer eine gute Gelegenheit mit Deutschlands Spitzenreiter und den Sponsoren ins Gespräch zu kommen. Zum Bayerischen Landesjägertag lud SD Fürst Moritz die Meute mit der Equipage ein, um den Gästen des Abendempfangs die Verbindung zwischen „Roter“ und „Grüner“ Jagd zu demonstrieren. Erbprinz Carl Eugen von Oettingen-Wallerstein hat sich mit seiner Familie dem Polosport zugewandt und Poloplätze hinter dem Schlosspark angelegt.  Auch hier zeigte der SvB seine Meute beim Turnier. 2005 wurden die Schlossanlagen einmal für unser Gründungsfest zur Verfügung gestellt. Der Tag wurde abgerundet mit umfangreichen Führungen durch die Festlichen Räume im Hauptschloss, des Fürstlichen Marstalles und der historischen Reithalle, die der Wiener Hofreitschule sehr ähnlich ist. Zu guter Letzt besuchten wir noch die Schlossbrauerei und beendeten den Nachmittag im Biergarten.

Das Wittelsbacher Schloss in Friedberg, meiner Heimatstadt, lernte ich von Kind auf kennen. Im Rahmen eines historischen Altstadtfestest und einer Reiterhochzeit unserer Mitglieder Uli und Harald Mayer ritten wir über die ehemalige  Zugbrücke und drehten unsere Runden im Schlosshof. Es entstanden schöne Fotos, die uns an das besondere Ereignis gerne erinnern.
Schloss Wildegg im Wienerwald - hier veranstaltete Peter Balony über viele Jahre Schleppjagden, meistens mit Paul Koffler und der SHC-Meute. Auch der SvB kam gerne dorthin.

Schloss Weinern, das Filmschloss im Waldviertel in Niederösterreich. Hier reiste der SvB mit 40 Hunden und 20 Reitern im Sommer 2000 zu den Filmaufnahmen für den Fernsehfilm „Sophie, Sisis kleine Schwester“. Es war eine äußerst interessante und arbeitsreiche Woche dort mit den Schauspielern und dem Filmteam.
Schloss Waal bei Landsberg ist im Besitz des Fürsten von der Leyen. Dem Schloss angegliedert ist eine Reitanlage. 1994 ritten wir eine Frühjahrsschleppjagd – Mitte April. An diesem Tag schneite es von früh bis spät, von Frühjahr keine Spur. Durch die Umstrukturierung des Reitbetriebes kam es zu keiner Wiederholung.

Schloss Weiherhaus bei Feucht, ist Stammsitz der alt eingesessenen Nürnberger Familie von Grundherr. SvB-Mitglied Nikolaus von Grundherr mit seiner aktiven Reiterfamilie hat uns schon mehrmals zur Schleppjagd und zum Gründungsfest nach Weiherhaus geladen.

Bei fast allen Schlossterminen wurde der SvB begleitet durch die befreundeten Bläsergruppen, meistens die Anjagd, die Chiemgauer Jagdhornbläser und die Gruppe Freischütz Schwaben.
Text: Toni Wiedemann und Bilder: Archiv des SvB

Zum ersten Teil hier
Zum zweiten Teil hier.