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Eine eigene Fanfare zum Geburtstag

Hoch oben thront sie mächtig, die beeindruckende mittelalterliche Burganlage Harburg, direkt an der Romantischen Straße mitten im Herzen von Bayerisch-Schwaben und oberhalb der Stadt Harburg an der Wörnitz zwischen Donauwörth und Nördlingen. Ihre Geschichte reicht nachweislich bis in das Jahr 1150 zurück und sie zählt zu den größten, ältesten und am besten erhaltenen Burganlagen Süddeutschlands. Seit dem Jahr 2000 ist die Harburg im Besitz und Eigentum der „Gemeinnützigen Fürst zu Oettingen-Wallerstein Kulturstiftung“.

Seit Jahrhunderten sind Fürsten und Grafen von dieser Burg aus ins Umland auf die Jagd auf Hirsche, Rehe, Füchse und Hasen gegangen. 1999 fand die erste Schleppjagd auf der Burg statt, seit nunmehr elf Jahren übernimmt der Vize-Präsident des Schleppjagdvereins von Bayern, Robert Guggenberger, die Jagdherrschaft und das damit verbundene Sponsoring; als Schirmherr steht S. D. Fürst zu Oettingen-Wallerstein, dessen Familiengeschichte eng mit der Harburg verbunden ist.


 
Nach dem Eintreffen in der prachtvollen Burgschenke im Innenhof der Burg, wo das Jagdbuch auslag,  konnte sich jeder Reiter noch mit einem Glas Sekt und einem Weißwurstfrühstück stärken, selbstredend freundschaftlich und herzlich – und auf Abstand! - begrüßt durch den Jagdherrn, seinen Sohn und seine Lebensgefährtin Andrea Bauer. Bereits in diesem imposanten Gewölbe, in dem die Geschichte der Burg durch verschiedene Wappen von allen Wänden blickt, ertönten die wunderbar-klaren Hörner der Parforce-Horngruppe „Freischütz Schwaben“ sowie der Chiemgauer Parforcehornbläser mit dem Nachwuchs der „Bayerischen Jungwölfe“.


 
Recht steil auf einem steinernen Pfad stampften die rund dreißig Pferde samt Reitern zum Stelldichein den schmalen Weg zur Burg hoch – das laute Hufgetrappel auf dem Pflaster war weit zu hören – erst durch das „Untere Tor“, anschließend durch das „Innere Tor“. Schließlich erreichten sie, einer hinter dem anderen und vorbei an einer Greifvogelvoliere, den eindrucksvollen Innenhof, der umgeben von der Burgmauer, historischen Gebäuden und den imposanten Türmen daliegt. Bereits ab diesem Zeitpunkt fühlte man sich ins Mittelalter zurückversetzt.


Nachdem sich die Reiter auf ihren Pferden und die Equipage mit 15 1/2 Koppeln Foxhounds in einem Halbkreis versammelt hatten, sprach der Vorstand der „Gemeinnützigen Fürst zu Oettingen-Wallerstein Kulturstiftung“ Fritz Hertle als Zeichen der Verbundenheit ein paar einführende Worte, danach folgte eine kurze Ansprache des ersten Bürgermeisters der Stadt Harburg, Christof Schmidt.  Alle wünschten der Jagdgesellschaft viel Freude und eine unfallfreie Jagd.
 
Robert Guggenberger, sichtlich bewegt von den beiden Bläsergruppen, die sich rechts und links im Burghof verteilt hatten und sich nun abwechselnd jagdliche Fanfahren zuspielten, stand gerührt mit seinem Sohn in der Mitte und ließ diese wirklich stimmungsvolle Kulisse auf sich wirken.
Nach dem Bügeltrunk, dem Jagdruf des SvBs: einem dreifachen „Horrido!“ – „Auf die Hunde, Auf die Pferde! Auf Jagdreiten in Bayern!“ und unter der Begleitung kräftiger Hornsignale begab sich die gut gelaunte Jagdgesellschaft auf die Strecke.


 
Angesetzt waren acht Schleppen mit zehn festen und einer Reihe natürlicher Hindernisse. Nicht alle wurden erreicht, denn eine Rinderherde versperrte den Weg und musste weiträumig umritten werden.


Der Jagdherr und seine Helfer hatten in den letzten Wochen alles perfekt geplant und vorbereitet, die Streckenführung klug ausgesucht, die Sprünge einladend aufgebaut und dekoriert. So führte die erste Schleppe über die reizvolle Heidelandschaft hinter der Harburg, ungewohnt für viele Reiter und Pferde, weil zwischen dem hügeligen, kargen Boden immer wieder große Steinplatten liegen. Man muss seinem Pferd Vertrauen schenken und darauf zählen, dass das Tier unter einem auch im gestreckten Galopp weiß, wohin es tritt. Die zweite Schleppe bestand aus wunderbar langen Wiesenpassagen, mal eine Senke nach unten, dann wieder einen Hügel hinauf, immer in einem sportlichen Tempo den Hunden folgend.


 
Für die Foxhounds waren das Wetter und die äußeren Umstände nahezu optimal, sie jagten laut und mit Passion auf der Schleppe, ließen sich kaum beirren und zeigten durch ihr Geläut dem folgenden Jagdfeld die Richtung an. Selbst in großen Kurven im 180-Grad-Winkel und über Sprünge folgten sie dem Scent engagiert und spurtreu. Der perfekte Trainingszustand der diszipliniert geführten Meute war deutlich.
Die folgenden Schleppen führten durch einen für die Gegend typischen herbstlich bunten Buchenwald, mal über lange Wiesen, immer wieder mit breiten Hindernissen unterbrochen, die zu springen waren. Am Ende jeder Schleppe ertönten die Hörner der Bläsergruppen weit über das Land und empfingen so das Jagdfeld.


 
Die Pause fand traditionell auf der Lichtung der Waldschänke Eisbrunn inmitten eines riesigen Buchen- und Mischwaldes statt. Auch hier spielten die beiden Bläsergruppen wieder jagdliche Stücke, unter anderem die Geburtstagsfanfare, die Andrea ihrem Robert in diesem Jahr zum 60. Geburtstag hatte komponieren lassen.


 
Danach folgten drei weitere Schleppen, die die vielfältige Landschaft des Nördlinger Rieses zeigten, immer hügelig, mal steiler, mal steiniger, selten länger geradeaus. Ein Highlight dieser Jagd ist die sogenannte Wellenbahn. Die Schleppenleger haben diese Schleppe weit unten angelegt, über eine langgezogene Wiese, einem Weg folgend, der rasch nach oben führte und schließlich auf Heideboden endete. Doch damit nicht genug, hier scheint der Boden anzufangen, sich in wellenförmigen Bewegungen unter den galoppierenden Pferden zu bewegen, nicht gleichmäßig, kein Sprung wie der andere. Höchste Konzentration für die Pferde, maximales Vertrauen vom Reiter – und zum Glück ohne Sprung!


 
Und dann kam ganz schnell die letzte Schleppe, noch einmal quer über die hügelige Landschaft der Alb, dann sehr steil hinauf, wo die Pferde mit mächtigen Galoppsprüngen ihre letzten Kräfte aus sich herausholten, bis hinter der Kuppe die beeindruckende Harburg am Horizont auftauchte. Halali! Halali!
 
Anschließend ritt die Jagdgesellschaft wieder zurück zur Burg, um im Innenhof den Hunden beim  Curée zu danken und die Brüche und den Jagdknopf in Empfang zu nehmen. Überall blickte man in vor Glück strahlende Gesichter, beseelt von den Eindrücken dieser gelungenen Jagd!
Der Jagdherr dankte noch einmal ausdrücklich der Huntslady Sissi Veit-Wiedemann, die gemeinsam mit der Equipage die Foxhounds perfekt vorbereitet und optimal geführt hatte. Außerdem vergaß er auch nicht all die fleißigen Helfer zu erwähnen, die sich liebevoll um die Bewirtung gekümmert hatten, die Landwirte, die ihren Grund und Boden zur Verfügung gestellt hatten, die Stadt Harburg, die sich nicht gegen das Stattfinden der Schleppjagd gestellt hatte – und all die anderen Menschen, ohne die das Ausrichten einer Schleppjagd gar nicht möglich wäre.

Nach dem Versorgen der Pferde traf sich die Jagdgesellschaft dieses Mal unten am Parkplatz zur Stärkung mit Kuchen, belegten Semmeln, einen wunderbaren Rum mit Tee und anderen Leckereien.  Dazu hab es noch einmal  die festliche Musik der beiden Jagdhörnergruppen und als Krönung gaben die Chiemgauer „Jungwölfe“ a capella und mit glockenklaren Stimmen ein Stück zum Besten. Gänsehaut pur! So wie der ganze Tag an der Harburg.

Text: Carolin Raffelsbauer und Bilder: Fotoagentur Herrmann, foto-production.shop