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Hardt-Meute eröffnete Saison in St.Johann

 Auf den Gestütshof St. Johann des Haupt- und Landgestüts Marbach lud der Badische Schleppjagdverein Hardt Meute zur Eröffnungsjagd der Herbstsaison 2020 ein. Die Planung war im Vorfeld nicht einfach gewesen, aber die Jagd selbst konnte fast ohne Einschränkungen ablaufen, nachdem Formulare und Listen erstellt, ein Hygienekonzept erdacht, Genehmigungen eingeholt und Teilnehmer, Helfer, Bläser sowie Zuschauer belehrt waren. „Wir hatten Glück mit dem aktuellen Verlauf von Covid 19 und konnten die eigentliche Jagd fast ohne Einschränkungen durchführen. Alle Beteiligten hielten sich an die Vorgaben,“ war das Fazit.

Hauptsattelmeister Herbert Strobel war mit seiner Familie für die technische Vorbereitung verantwortlich und sorgte gemeinsam mit dem Bereich Landwirtschaft des Gestüts für perfektes Geläuf auf frisch gemähten Weiden und Wiesen, sowie für einige jagdgerecht gebaute Hindernisse.


 Master Andrea Wiehn brachte 7 ½ Koppeln, davon 2 ½ Koppeln Junghunde mit. Die Bläser der Rallye Trompe Württemberg unter der Leitung von Gerhard Vogt bliesen zur Begrüßung  im Gestütshof, in dem sich knapp 30 Reiter versammelten. Die Jagdherrschaft vertreten durch 1. Vorsitzende des Badischen Schleppjagdvereins Katja Grimm begrüßte die Jagdgesellschaft und teilte die Chargen ein. Ihr besonderer Dank ging an die Gestütsverwaltung mit Landoberstallmeisterin Dr. Astrid von Velsen-Zerweck an der Spitze für die Möglichkeit auf dem unvergleichlichen Gelände des Gestüts die Eröffnungsjagd abhalten zu dürfen und an Familie Strobel für die Organisation der Veranstaltung.
Zum Signal Hunderuf wurden die Grand-Anglo-Francais ausgeladen und mit erwartungsvollem Geläut der Meute ging es im Schritt Richtung Schafhaus zur ersten Schleppe. Dieser wunderschöne, warme Spätsommertag mit blauem Himmel und Sonne satt hatte nochmal hunderte  Wanderer und Ausflügler auf die sonst einsame Schwäbische Alb gezogen. Neugierig und erstaunt folgten sie dem Schauspiel.  


Die erste Schleppe war bergauf durch eine riesige Koppel mit großen Bögen gut gewählt, die Hunde ab und mit dem Ruf „ Gute Jagd“ folgten Equipage und das Feld. Die Hunde legten gleich ein hohes Tempo vor, überschossen am Gegenhang, was vom Feld gut zu sehen war, kamen aber sofort mit lautem, kehligem Geläut zurück auf die Schleppe und waren längst vor dem Feld, das in großen Bögen geführt wurde, über den ersten Berg. Die Pferde konnten ihren Laufdrang gegen den Hang auf bestem Geläuf ausleben, ohne sich oder andere zu gefährden. Danach ging es im schnellen Galopp durch zwei Engstellen, das Feld hatte sich schon etwas auseinandergezogen, leicht den Berg hinunter und im großen Bogen um die abgelegte Meute herum. Die erste Anspannung der Reiter war verflogen und man sah nur strahlende Gesichter. Die Hunde labten sich am Wasser und der Klang der Trompe schallte über die Wiesen am Albtrauf. Auch hier fernab von Straßen waren unzählige Wanderer anzutreffen, die staunend am Wegesrand stehen blieben. Im Schritt ging es durch ein Waldstück zur nächsten Schleppe, die Hunde voraus und eine fröhliche Jagdgesellschaft hinterdrein.


 
Nach kurzem Ablegen ließ Master Andrea Wiehn die Meute an den Scent. Die Reiter folgten im Galopp. Zwei Junghunde wichen von der Schleppe ab und beäugten die Ponys in einer Koppel nebenan, was zu einer kurzen Unterbrechung führte. Sie kamen auf Ruf des Masters zurück auf die Schleppe und weiter ging es im Galopp erst gerade aus, dann im rechten Winkel den Berg hinauf, auf einem Plateau entlang mit Fernsicht fast wie in den Alpen. Die Hunde abgelegt, zog das Feld im Canter im großen Bogen um sie herum.
Zur diesmal dritten Schleppe ging es den langen Weg zurück über den Gestütshof, wo die Hunde nochmal am Gestütsbrunnen getränkt wurden, weiter Richtung Fohlenhof.  Die sonst übliche Schleppe vom Schafhaus Richtung Gestütshof war wegen Bauarbeiten versperrt. Auch hier auf der Alb sind die Auswirkungen der Energiewende spürbar. Neue Masten für die Überlandleitungen werden gebaut und überall grüßen riesige Windkrafträder in der Ferne, wie bei Don Quichotte die Windmühlen.

Es folgte die Hindernisschleppe. Die Hunde wurden auf einer Anhöhe abgelegt, Schleppenleger Josef Büchele und Katja Grimm stürmten den Berg hinunter, am Waldtrauf entlang. Dort luden mehrere wuchtige Baumstämme zum Springen ein - weiter bis zum Waldeck. Hier ist das Highlight der Hindernisse dieser Jagd. Eine Hecke am Wegrand mit einem Loch, durch das man springen kann, gut vorbereitet ausgeschnitten, mit einem Stamm davor. Man reitet direkt gegen eine grüne Wand, das Hindernis selbst ist nicht groß, ca. 60cm hoch und einen Meter tief, aber die Landestelle liegt einen dreiviertel Meter tiefer. Die Pferde sind leicht irritiert. Sobald sie den Kopf auf Höhe der Aussparung haben, sehen sie die Schaulustigen und Fotografen auf der anderen Seite und kommen gern ins Stocken, was für spektakuläre Bilder sorgt. Vorher rechts Abbiegen geht natürlich immer und das Feld trifft sich am nächsten Sprung wieder. Nicht alle Reiter kamen in den Genuss über diesen Sprung.

Weitere drei Hindernisse folgten und im großen Bogen ging es im schnellen Galopp den Berg hinauf gegenüber des Fohlenhofs.  
Im Schritt zum Stopp auf den Fohlenhof. Pandemie bedingt blieben die Reiter auf den Pferden und wurden von fleißigen Helfern der Hardt Meute versorgt. Am verbeiführenden Wanderweg Bad Urach – St. Johann war Betrieb wie auf der Königstraße in Stuttgart, unzählige Wanderer, die genau wissen wollten, was wir da machen und die auch gerne mit Getränken und Leckereien versorgt worden wären. Eine gute Gelegenheit um Werbung zu machen.

 

Auch die sonst übliche Schleppe über die Fohlenweiden musste dieses Jahr umgeplant werden, die Stutfohlen waren noch auf den Koppeln. Stattdessen legten die Schleppenleger ihr Trittsiegel entlang der langen Allee vom Fohlenhof nach St. Johann, was für die dort Spazierenden ein einmaliges Erlebnis war. Hauptsattelmeister Strobel hatte alle Hände voll zu tun, die zufällig anwesenden Besucher vorher zu warnen und Hundebesitzer zu bitten, ihre Hunde anzuleinen. Aber die Meutehunde ließen sich nicht ablenken, einige von ihnen wählten den Asphaltweg zwischen den Bäumen als Laufstrecke, hatten aber zu tun, das Tempo der jungen Kopfhunde zu halten. Für das Jagdfeld war es Premiere an dieser wunderschönen Allee mit hohem Tempo entlang zu galoppieren.

 

Zur kurzen, letzten Schleppe ging es ums Forsthaus herum, ein Stück durch den Wald, auf die Wiese hinter dem Gestütsgasthof.  
 Die Schleppe ging bis zum großen Baum in der Wiese, so dass das Feld im großen Bogen um die Meute den letzten Galopp absolvieren konnte. Strahlende Gesichter sah man überall, nach einer wunderschönen, unfallfreien Jagd. Die Hunde haben einen sehr guten Einstand in die Saison abgelegt und die 5 Junghunde waren Top.
Besonders ist mir das tiefe, kehlige Geläut der Meute aufgefallen. Nach einigen Jahren mit weniger starkem Spurlaut haben die Junghunde neuen Sound in die Meute gebracht und sind immer mit vorne dabei.  Master Andrea Wiehn hat sich mit intensivem Training der Hunde viel Mühe gegeben und das Ergebnis war hier zu bestaunen.
Zum Curée wurde zum Dank an die Hunde abgesessen. Die hatten an diesem heißen Tag und nach der schnellen Jagd keinen großen Hunger. Jagdherrin Katja Grimm verteilte die Brüche und Master Andrea Wiehn verlieh die Jagdknöpfe. Die Rallye Trompe Württemberg hat diese Schleppjagd mit herrlichem Klang vollendet. Jagdreiten ist der einzige Sport mit eigener Live-Musik.
Nach dem Versorgen der Pferde ging es zur nahegelegenen Waldschenke wo Plätze im Biergarten reserviert waren um den wunderschönen Jagdtag in fröhlicher Runde nochmal Revue passieren zu lassen.


Text: Clemens v. Welck und Bilder: Thore Brockhoff. Alle Bilder unter https://www.flickr.com/photos/183785626@N03/albums/72157715942586326/with/50334396742/.