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Dreilingen: In der Lösung lag die Lösung

Dreilingen mal ganz anders – im 34. Jahr mit dem Reit- und Fahrverein Ebsdorf und der Niedersachsenmeute:  Für alle, die nicht dabei sein konnten und somit einen in vieler Hinsicht besonderen Tag verpasst haben, hier das „Tagesprotokoll“ vom Birkhof:


Bereits bei der Anfahrt der Gespanne war es anders als in den Vorjahren, kein Jagdbuch, aber Capgeld und Formulare im Umschlag und dann der Hinweis auf die Richtlinien für diesen Tag durch die Feuerwehr. Die gut 50 Reiter, darunter viele neue Gesichter, zum Teil mit mehr als 200 km Anreise, hatten sich vorbildlich vorbereitet. Es lief alles reibungslos ab.
Zeitiges Stelldichein mit Small Talk im Sattel, nach der langen Jagdpause hatte man sich viel zu erzählen. Aber die Zuschauer auf den Wagen fehlten – schade. Die Fanfare „Niedersachsenmeute“, intoniert von den Ebstorfer Parforcehornbläsern, leitete über zur Begrüßung, dann „Aufbruch zur Jagd“ und Anritt zur ersten Schleppe.


Aber was war das denn? Kühle Luft und feuchter Boden waren eigentlich ideale Bedingungen für die Schleppen. Aber es kam anders: Anritt auf Böschung und Graben, plötzlich wechselte die Meute auf die „falsche Spur der Autobahnauffahrt / Schleppe“, die große Doppelschleife wurde ignoriert. Zwei glimpfliche Stürze waren die Folge. Neuer Anritt, nun klappte es.
Schleppe zwei wurde von der Meute eigenmächtig stark verlängert, sie kennt ja schließlich Dreilingen seit Jahrzehnten! Oder hat das Nasen-Navi versagt, hatte der Scent vielleicht eine zu kurze Halbwertszeit? Schließlich wurde das Wiesental erreicht und alle waren mal wieder zusammen. Der nächste Anlauf lief leidlich  passabel ab, aber in Schleppe vier teilte sich die Meute. Plötzlich gab es „zwei Meuten, jede mit eigenem Navi“, und auch „zwei Jagdgesellschaften“.


Das war die Stunde der Feldführer und der Altpiköre. Sie hielten ihre „jeweilige Meute“ mit dem Jagdfeld gut zusammen - wer hat das schon, zwei Jagden zur gleichen Zeit? Das gibt es wohl nur in Dreilingen! Auch wenn es zuweilen etwas unwegsam und lang wurde – das war doch einer „Wildjagd“ recht ähnlich und hat die schöne Dreilinger Landschaft gut präsentiert.
Im Schleppenlegerteam kamen aber im Laufe der Jagd Zweifel auf. Weil das Hundegeläut und der Schleppenverlauf immer weniger zueinander passten - war die Schlepplösung vielleicht das Problem? Master Leonard von Schultzendorff erläuterte die Problematik. Das neu eingesetzte Schleppgerät (siehe Bericht auf S24 hier) war offenbar gefüllt mit alter Schlepplosung, die wohl ihr „Deo“ schon verloren hatte. Ohne Scent keine Orientierung. Es wurde technisch nachgebessert.   
Dann „Neues Spiel (Schlepplösung) und tatsächlich: ,neues Glück“. Auf den nun folgenden Schleppen fand die Meute zu ihrer alten Form zurück. In sagenhaftem Tempo, linksrum, rechtsrum, geradeaus, alles kein Problem mehr - die „Lösung“ war die Lösung!
Wie im Fluge hieß es „Halali,Halali,Halali“. Brüche und Getränke vom Hochtisch, dann Curée, dabei im Sattel bleiben, keine Umarmung, alles „Corona“-konform.
Auf dem Birkhof dann noch die obligatorische Jagdnachlese, diesmal als kontaktloses Stehkonvent mit Fingerfoodpaketen und Flaschengetränken und dem Ausblick auf 2021 mit gleich drei Jubiläen. Wir finden auch dafür eine Lösung, sind die Ebsdorfer sicher.


Aus der Sicht des Masters sah der Tag so aus: „Wir haben zu Beginn der Jagd das neue Schleppgerät getestet. Die Hunde liefen miserabel. Sie hatten schlichtweg nichts in der Nase. Ich konnte sie kaum unterstützen, weil ich die Strecke überhaupt nicht kenne und auch nicht kennen möchte. Nachdem die Hunde sehr schlecht liefen haben wir die Schleppflüssigkeit ausgetauscht. Ab dann lief es sehr gut. Das Problem lag also nicht in der Technik des neuen Geräts, sondern vielmehr an einer veralteten Schleppflüssigkeit, die nicht mehr roch. So waren die ersten drei Schleppen eine große Herausforderung verbunden mit einer gewissen Ratlosigkeit. Anschließend lief alles wie am Schnürchen. Die Schleppen waren ein Traum. Das Gelände war herrlich. Wir haben neue Gebiete erkundet, die sehr abgelegen sind.“ Für ihn steht fest: „Wir werden weiter das neue Gerät testen.“
Text:R+F Ebstorf/PS und Bilder von Thomas Ix. Mehr dazu auf foto-ix.de

Kommentar:
The uncertainty of hunting – das Ungewisse bei Jagden, das schätzte George John Whyte-Melville bei seiner liebsten Beschäftigung mit Pferd und Hund, darüber hat er Bücher geschrieben. Bei der Schleppjagd ist diese Ungewissheit weitgehend verlorengegangen.
Die Reiter wissen sicher, dass Scent da ist. Ob die Hunde ihn finden werden, wie schnell und in welchem Tempo sie folgen, das ist auch bei der Schleppjagd eine Ungewissheit, aber eben nur eine kleine. Meistens geht es "wie auf Schienen". Bei einer Wildjagd gibt es Tage, wo sich einfach gar nichts tut. Die Hunde suchen, Pferde und Reiter warten und warten und warten – bis der Master zum nächsten Cover zieht und die Hunde dort vielleicht eher fündig werden. Diese Ungewissheit ist es, die Whyte-Melville meinte. Schön, dass es das wie in Dreilingen auch mal bei einer Schleppjagd nachzuempfinden gab. Eine Schleppjagd ist mehr als ein Gruppen-Geländeritt. Wer nur möglichst schnell über einen festgelegten Hinderniskurs reiten will, der sollte es mit einer anderen reitsportlichen Disziplin versuchen.
Petra Schlemm