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Aufregende Jagd an der Burg Pyrmont

Das Gelände um die Burg Pyrmont ist für die Rheinland-Meute mit ihren 25 Hunden schon vertrautes Terrain. Trotzdem war in diesem Jahr alles anders und noch aufregender als ein Jagdtag ohnehin schon ist.

Es begann damit, dass der Vorsitzede Ralf Siegel im Jagdsattel ausfiel, aber mit starkem Horneinsatz noch das Bläserkorps verstärken konnte, das mit dem Allrad-Bus die Schleppen musikalisch begleiten sollte. Mit 20 Teilnehmern hatte die private Veranstaltung trotz Corona-Krise einen guten Zulauf. Sicherlich war dies auch der allgemeinen Freude über den Beginn der Jagdsaison in Rot  geschuldet und natürlich der herrlichen Landschaft. So konnte der Jagdherr bei gewohnt strahlendem Kaiserwetter und angenehmen Temperaturen die zum Teil von weither angereisten Jagdreiter und zahlreiche Zuschauer auf dem Stoppelfeld bei den Pyrmonter Höfen begrüßen. Feierlich stimmten die Parforce- Hörner mit ihrem Signal auf das Jagdgeschehen ein. Etwas Herbststimmung lag schon in der Luft. Vom „Stelldichein“ weg wurde die erste Schleppe am Waldrand entlang bis zur Roeser Hecke gelegt. Die Houndslady führte mit der achtköpfigen Equipage die Hunde, die nach fast zwei Kilometern hechelnd das erfrischende Wasser schöpften.

Mit hellem Geläut  führte die zweite Schleppe zur Schwanenkirche, wo diesmal der Zuschauertroß das Legen der Schleppe mit Pansenlauge aus dem Schleppgeschirr, die jagenden Hunde, und das galoppierende Jagdfeld vom Anfang an miterleben konnten. Auf einem Acker wurden noch wie früher die Kartoffeln mit der Hand aufgelesen. Etwas 15 Säcke standen in Reih und Glied. Die ganze Familie war beschäftigt, und der Bauer, der Sohn des verstorbenen „Büschkläus“, winkte freundlich der Jagdgesellschaft zu, unterstützt er doch seit Jahren die alte Jagdreitertradition auf seinen Stoppelfeldern.
Beim Galopp in Richtung Neuhof dann plötzlich der Anruf: „Schwerer Sturz im Tälchen an den drei Ahörnern.“ Beim Anruf am folgenden Tag stellte sich heraus, dass nur schwere Prellungen und Hautabschürfungen von der Amazone aus Burgen zu ertragen waren. Aber im Augenblick blickte man sorgenvoll dem zurückjagenden Krankenwagen und später dem davonschwebenden Hubschrauber hinterher. Sollte man die Reitjagd abbrechen?
Aber der beherzte Verbandsbürgermeister und Schirmherr der Veranstaltung rettete in höchster Not. Wie ein Cowboy hatte er mit seinem  Quad das in Panik in Richtung Forst flüchtende Pferd eingefangen, hinten an sein Gefährt angebunden, mit dem Rettungssanitäter gesprochen und gab Entwarnung. Dann brachte er das inzwischen sich beruhigende Tier zu seinem Transporthänger.
Die Jagd konnte weitergehen, am Weilerhof vorbei, den dunklen Graben vor Möntenich hinunter, durchs Tal und das schäumende Wasser der Elz  bis zur goldgelb durch grüne Blätter leuchtenden Löffelmühle. Hier warteten bereits die befreundeten Löffelmüller mit dreistöckig dekorierten Köstlichkeiten, Jagddekorationen und wohl temperiertem Crèmant vor dem malerischen Innenhof mit plätscherndem  Springbrunnen, und die Hunde labten sich am kühlen Wasser.
Fast wäre dann auf der letzten Schleppe auch noch der Jagdherr zu Fall gekommen. Hätte sein erfahrenes Jagdpferd „Iltschi“ nicht von sich aus vor dem um die Ecke kommenden Geländewagen des Schäfers gestoppt, hätte es einen bösen Zusammenstoß gegeben. Wohl dem, der über ein mitdenkendes und selbständig handelndes Jagdpferd verfügt. So führte der „Sliding Stop“ nur zu blaue Flecken an den Oberschenkeln und einer schmerzenden Kopfnuß vom harten Pferdehals.

In Höhe des Wasserfalles,  mit Blick auf Burg Pyrmont und seine spät sommerlichen grünenden Waldhänge ertönte von allen Seiten das „Halali, Halali, Halali“, und die Gäste auf der Terrasse der „Pyrmonter Mühle“ kamen zum ungewohnten Anblick auf eine fröhlich vorbeiziehende Jagdgesellschaft mit schnaubenden Pferden, Reitern im roten, schwarzen und grünen Rock und zufriedenen Hunden. Das passte zum Ambiente einer mittelalterlichen Burg.
Zurückgekehrt auf die Pyrmonter Höfe rissen sich die hungrigen Hunde bei der Curée um die besten Brocken, während die Parforce Horn Bläsergruppe zum stimmungsvollen „Jagd vorbei, Halali“ anhub.
Zwei junge Amazonen, die ihre erste Reitjagd bestanden hatten, mussten im Stoppelfeld niederknien und wurden mit ‚Horrido joho‘ , Auflegen der Hetzpeitsche und einer kleinen Sektdusche im Kreis der Jagdreiter begrüßt. „Das schafft unvergessliche Erinnerungen und lenkt vom Handyquatsch ab“, fand der Jagdherr, Friedhelm von der Marwitz, der schon bald nach der Abreise der ersten Gäste positive Rückmeldungen entgegennahm. „Bei der herrlichen Landschaft um die Burg kein Kunststück. Die Hygiene Regeln aufgrund der Corona-Pandemie wurden eingehalten und behinderten den Jahrhunderte alten Jagdablauf nicht zu sehr. Der gute Beginn der Jagdsaison stimmte auf  weitere schöne Events ein,“ lautete sein Fazit, das auch etlichen regionalen Sponsoren zu verdanken gewesen ist.
Text und Bild: Friedhelm von der Marwitz