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Leichter Sitz - gar nicht so leicht

Manchmal muss man offenbar das Rad doch noch einmal neu erfinden. Keine Ahnung, warum der in jedem Gelände sichere, ausbalancierte leichte Sitz aus dem Gedächtnis vieler Reiter verschwunden ist. Es gibt genügend alte Aufnahmen, nicht nur, aber doch sehr häufig aus der Zeit der Kavallerieschule in Hannover. Philipp Jakob (Melle) hat Fotos und Filme gründlich studiert und das Thema bei einem Lehrgang am Lohberg in Neddenaverbergen wieder ins Gedächtnis gebracht. Mit deutlich sichtbarem Erfolg!

Leichter Sitz -furchtbar einfach? Oder doch eher einfach furchtbar? Diese Sinnfrage stellte sich beim ersten Praxistest auf dem Platz des RV „Graf von Schmettow“, wo vierzehn Teilnehmer in drei Gruppen versuchten, das umzusetzen, was der erfahrene Jagdreiter und bekennende Stilist Philipp Jakob am Vorabend in seinem Vortrag in der Reiterstadt Verden in Wort und Bild theoretisch erläutert hatte.

Der wunderbar präparierte, atmosphärische Platz besteht seit fast 100 Jahren und hat ganz sicher noch die heute legendären Größen aus Hannover erlebt, die den Leichten Sitz in jeder Lebenslage so stilvoll beherrschten: mit kurzem Bügel, Unterschenkel lotrecht zum Erdboden, Hände ruhig am Pferdehals. Egal ob rauf oder runter im Gelände – so sitzt man ausbalanciert und stabil im Gleichgewicht und kann auch einen Rumpler sicherer überstehen. Deutlich besser jedenfalls als in der „modernen Version“ des leichten Sitzes, der oft nur als „vornüber lehnen und Po aus dem Sattel“ interpretiert wird und der durch nach hinten flatternden Unterschenkel nur noch schneidiger aussehen soll.


Eine eigene Gruppe stellte der Verdener Schleppjagdreitverein VSJRV, aktiv angeführt von der Vorsitzenden Sabine Behrendt. Eine weitere Abteilung hatte Reiter aus einem Radius von mehr als 100 Kilometern angelockt. Das zeigt: Das alte Thema ist immer noch aktuell.


Die Bügel so kurz schnallen, dass der Oberschenkel des Reiters eher zur Waagerechten weist als zur Senkrechten – das kostet Überwindung und geht auch für Ungeübte auf Dauer zunächst nicht ganz komfortabel ab. Die Lochzange war kräftig im Einsatz beim Auftakt in der Praxis, wo diese für viele ungewohnte Position zunächst beim Stangentreten ausprobiert wurde.

„Und ich dachte immer, ich ritte schon mit kurzem Bügel – aber weit gefehlt“, fasste eine Teilnehmerin zusammen. Die ersten kleinen Sprünge über ein niedriges Kreuz und kleine Baumstämme gingen dann schon besser, und schließlich waren alle Teilnehmer in der Lage eine ganze “Schleppe“ über den großen Turnierplatz durchzuhalten und die Naturhindernisse zu überwinden - und dabei auch noch wie bei einer Schleppjagd diszipliniert, mit Abstand zum Vorderpferd, am Platz zu bleiben. „Viel sicherer - besser in der Balance. - Mein Pferd war viel zufriedener. - Es fühlte sich an, als ob das Pferd gar nicht gesprungen sei,“ wurde bei der Abschlußbesprechnung am Sonntag kommentiert.



Jetzt heißt es „Weitermachen“ – ein Wochenend-Kurs reicht nicht, um alte Muster auszulöschen und Neues zu verinnerlichen, mahnte der Referent nach seinem mehrstündigen Lehr-Marathon.

Das Thema liegt ihm am Herzen. So sehr, dass er dazu eine eigene Webseite geschaltet hat. Unter jagdreitenmitstil.de kann man es nachlesen. Die Webseite legt den Fokus auf Stil und Form beim Jagdreiten und das Training eines Jagdpferdes sowie den sicheren Sitz (nicht nur) beim Jagdreiten. Über eine Blog-Funktion werden regelmäßig entsprechende Artikel unter den Rubriken „Jagdreiten“, „Stil“, „Training Jagdpferd“ und „Stabilität und Balance im Leichten Sitz“ hochgeladen. Darüber hinaus werden auf der Webseite Termine über Jagdreiterlehrgänge und Seminare angekündigt. Zudem gibt es den Youtube-Kanal Jagdreiten mit Stil ( youtube.com/channel/UC4r5k14mYRHqKYim0rMbTJA?view_as=subscriber ). Dort werden Videos gezeigt aus dem Training der Jagdpferde, die Jakob zur  Verfügung stehen. Man merkt, dass der Jagdreiter ein „Medienmann“ ist: Die Inhalte sind auch über Instagram, Twitter und Facebook unter dem Namen Jagdreiten mit Stil zu finden. „Mein Ziel ist es, den klassischen schlichten Stil ohne „Bling-Bling“ im Jagdsport über die mir zur Verfügung stehenden Kanäle nach draußen zu bringen, dabei junges reiterliches Publikum über moderne Medien anzusprechen und auf den Jagdsport aufmerksam zu machen. Die Videos sollen zeigen, dass Jagdreiten mehr ist als nur geradeaus preschen mit untrainierten Pferden - wie leider oft das Image ist.“ Der Lehrgang am Lohberg war schon einmal ein guter Anfang dafür.
Text: PS, Fotos: Britta Pohl und PS