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Gedanken zum Boxing Day

Der zweite Weihnachtsfeiertag, das ist für Jagdreiter der Boxing Day. Warum eigentlich? Das ist traditionell in England der Tag, an dem jeder Gelegenheit hat, eine Spende an die Meute in einer bereitgestellten Box zu versenken. Weihnachtliche Großzügigkeit sollte für jeden eine Freude sein, spätestens dann, wenn Kay Gardners Gedanken bedacht worden sind. Er zielt auf professionelle Huntsmen in England, aber im Grundsatz sind die Belastungen für die Hundeführer bei der Schleppjagd vergleichbar.

" Schwer trägt der Kopf... ' hat er seine Überlegungen zur Misere des modernen Professionals unter den Jagdreitern überschrieben.
„Schwer wiegt der Kopf, der die Krone trägt... ' das kann man auch übersetzen….,“der das Horn bläst.“ (Professionelle) Huntsmen  werden sich sicherlich mit diesem Szenario identifizieren.
Der professionelle Huntsman wird oft missverstanden. Er hat eine Rolle, die über Jahrhunderte geformt worden ist, die sich überraschend gut an die moderne Welt angepasst hat, und er muss viele kleinere Rollen darin übernehmen. In erster Linie muss er ein engagierter Hundemann sein, der seine Hunde liebt. Sie werden ihn lieben, aber auch ihn respektieren - ein Respekt, der nicht aus Angst herrührt sondern aus Vertrauen, der stärksten Bindung von allen. Seine Frau wird dir wahrscheinlich sagen, dass er mehr Zeit mit ihnen verbringt als mit ihr! In alten Zeiten hätte ein Profi eine Schar von Mitarbeitern - einen Kennelman und Zwinger-Jungs zu seiner vollen Verfügung. Heute findet er sich meistens allein in Zwinger, vielleicht mit Teilzeit-Amateur-Hilfe, oder einem unerfahrenen jungen Pikör. Ein Arbeitstag im Kennel ist lang und die Arbeit körperlich anspruchsvoll - zeigt mir einen fetten Huntsman! Niemand geht in den Job für Geld, das ist sicher. So muss unser moderner Huntsman seine Rolle erfüllen, um seine Hunde bei jedem Wetter zu pflegen, mit einem aufmerksamen Auge auf das Wohlbefinden und den Zustand jedes Einzelnen. In kleineren Betrieben muss er sich sogar noch um die Pferde mit kümmern. Viele Stunden mit den Hunden zu verbringen sorgt für guten Sport, denn so können sie buchstäblich jeder die Gedanken des anderen lesen. Heutzutage muss er mit all dem zusätzlichen Druck nach dem Verbot der Jagd auf lebendes Wild auch Diplomat sein, und als PR-Front-Mann agieren, wann immer Schulen und Medien winken. Es wundert mich, wie wenige Menschen verstehen, was die Rolle eines Huntsman draußen bedeutet, manchmal tun das noch nicht einmal die Piköre. Noch weniger Leute begreifen, was er im Kennel an Tagen ohne Jagd oder im Sommer macht. Sie nennen es niedlich seine „Auszeit“, wenn es in Wahrheit die mit Abstand arbeitsreichste Zeit des Jahres ist, die Junghunde zu integrieren, Welpen versorgen, Zwinger renovieren, Hundeschauen, Schauvorführungen, und die endlose Hundearbeit, bevor alles wieder von vorn beginnt, um nur ein paar Dinge zu nennen.
Da die Master von heute oft nur wenig Zeit haben wird er wahrscheinlich die letzten beiden Tage vor der Jagd mit dem Vorbereiten der Strecke verbracht haben. Irgendwie wird er Zeit gefunden haben, seinen Jagdrock zu reinigen und diesen makellosen Glanz auf seinen Stiefeln zu produzieren. Wenn er Zeit für ein schnelles Bier hat, wird er es sicher dort getrunken haben, wo er sich über das Jagdrevier weiter informieren konnte. Das ist kein gewöhnlicher Job, es ist eine Art zu leben. "Wir sind so froh, dass der vorige Huntsman gewechselt hat und weitergezogen ist“, sagt der Jagdreiter. „Er war nicht sehr gesprächig." Diese Bemerkung verwundert diejenigen, denen er und seine Frau treue und geschätzte Freunde sind. Sie wissen, dass der so Gescholtene ein Herz aus Gold hat, und einen trockenen Humor. Was der mäkelnde Jagdreiter nicht gesehen hat, war die Tatsache, dass der Huntsman an den Jagdtagen genau das war: ein Professional, fokussiert auf den Job, der zu erledigen war. In den vergangenen zwei Saisons hat er alle Namen gelernt, von den Meutereitern, von den Landeignern, weiß welches Land sie besitzen, kennt ihre Besonderheiten, selbst den Namen vom Schoßhund der Tochter. Sie werden alle beim Stelldichein begrüßt worden sein, aber seine Gedanken sind schon woanders. Er denkt an die erste Schleppe, an das, was er dort gestern bei der Streckenbesichtigung gesehen und gehört hat. Da warten viele Reiter mit großen Erwartungen, denen muss er auch den richtigen Weg weisen. Er könnte dieses Land schon mit geschlossenen Augen überqueren, kennt jeden Sprung. Aber sobald die Hunde in der Dickung sind - und er hat die Windrichtung sorgfältig beachtet – haben sie die oberste Priorität. Es gibt Weiden mit Vieh, das den Scent überdeckt, es gibt Stellen, wo die Hunde nur in eine Richtung können und einen Bauern, der gegen die Meute ist, weil sein Nachbar dafür ist. Ach ja, und es gibt eine Beerdigung in einem der Dörfer um 2 Uhr. Wenn er die Hunde wieder stoppen muss, wird es frustrierend sein, aber sie lieben ihn genug, um ihm zu vergeben.
Doch zwischen den Schleppen hat er noch ein freundliches Wort für jeden und immer lächelnd. Es gibt weder einen Grund noch eine Entschuldigung für einen Huntsman, seinen Job mit einem sauren Gesicht zu machen. Er wird das kleine Kind loben, das gut mitgehalten hat im Feld, er wird mit dem Alten auf dem Fahrrad scherzen, der das nicht geschafft hat, er wird die Hunde anhalten, damit sie den 80-jährigen begeisterten Anhänger in seinem Auto begrüßen, der gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden ist.
Er muss so viel Wissen in seinem Kopf haben, während er das Land vor ihm durchquert, auf einem Pferd muss er reiten, als ob es nicht da ist, auch wenn es ein Neues ist, und sein Rücken tötet ihn nach diesem Sturz am vergangenen Mittwoch. Seine Stärke ist es, seinen Hunden zu helfen, wenn sie es brauchen - auf diesem frisch gedüngten Feld, und ruhig bleiben, wenn sie es nicht sind. Er muss wie ein Fuchs denken, und immer wachsam sein für die Gefahren, die in Form von Straßen und Eisenbahnen lauern. Ein Top-Profi hat mir einmal gesagt, dass kein Mann, wie jung und wie fähig auch immer, die Hunde wirklich gut mehr als zwei volle Tage pro Woche jagen könnte. Das hat er nicht den körperlichen Forderungen zugeschrieben, sondern dem geistigen Druck des Jobs. Die blanke geistige Anstrengung an einem Jagdtag, sagte er, würde ihn am Ende total ausgelaugt lassen.
Der Huntsman muss die Bedürfnisse und die Sicherheit seiner Hunde obenan stellen - es ist Sache des Feldführers, die Reiter glücklich zu halten. Der Huntsman ist wie ein Trainer, dessen Team dazu gebracht werden muss an sich selbst zu glauben. Es ist sein Job, diesen Hunden Vertrauen zu geben. Wenn er an sie glaubt und ihnen vertraut, werden sie es auch tun. Es ermöglicht ihnen, ihren Job unter scheinbar unmöglichen Bedingungen zu machen, und bringt ihn dazu, einen genialen Schachzug gerade im richtigen Moment vorzunehmen. Man kann Hunde nicht täuschen, sie werden es nicht vergeben. Dieser Glaube gibt ihnen Zuversicht unbesiegbar zu sein – kein Dickicht zu dick, keine Lücke zu klein. Was auch immer ihr Huntsman fragt, sie werden es geben, und mehr. Er wird einen aufregenden Jagdtag gestalten, unter schrecklichen Bedingungen und in begrenztem Land. Es sind nur noch vier Reiter bei ihm und der Wind ist beißend kalt. Wenn die Hunde eine neue Fährte aufnehmen, werden sie eine atemberaubende Jagd erleben in einem neuen Jagdgebiet, wo gerade kürzlich erst Zugang genehmigt wurde. Nur wenige sind da, um es mitzuerleben, aber am Ende des Tages reiten sie fünf Meilen (acht Kilometer) in der Dämmerung zurück zum Stelldicheinplatz. Die "Rest"-Hunde singen ein fröhliches Willkommen, während sie im Dunkeln zum Kennel zurückkehren, und er setzt sich mit seiner Schubkarre in Gang, um sein hungriges Team zu füttern. Er versorgt eine Drahtverletzung, mehrere wunde Pfoten und gerissene Krallen, bevor er nach Hause geht für eine Tasse Tee und ein Bad. Das Telefon ist voller Nachrichten über Kadaver, die er morgen abzuholen hat. Seine Frau hat die Pferde versorgt und sie setzten sich zu einem herzhaften Eintopf. Er wird seine Hunde noch einmal besuchen bevor er früh zu Bett geht. Viele, die jagen, werden nicht wissen, dass er an jedem Jagdtag draußen auf der Bank bei ihnen sitzt und sie zu Bett bringt nachdem er sich vergewissert hat, dass alle gut aufgefressen haben.
Zu all dem wird er die gleichen Alltagssorgen haben wie andere Menschen auch - seine Familie glücklich zu halten, Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, neue Reifen für das Auto zu besorgen. Der Druck auf die Jäger heute ist schwer nachzuvollziehen. In der Zeit des Hunting Ban ist er noch stärker geworden. Sorgen wir dafür, dass sie wenigstens unter ihresgleichen nicht missverstanden werden.“
Text: Kay Gardner Übersetzung: PS