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Schleppjagd - Quo Vadis? 1.0

Welche Anforderungen sollen bzw. müssen oder dürfen Schleppjagden stellen? Angestoßen von Eugen Klein, Jagdherr in Isernhagen, hat Schleppjagd24 diese Frage zur Diskussion gestellt und damit ein breites Echo hervorgerufen.

Wenn, dann mit der nötigen Sportlichkeit angehen

Zum Thema meldet sich auch Dieter Backasch zu Wort, langjähriger Huntsman und Master des Hamburger Schleppjagdvereins. Er hat dazu auch ein Bild „aus alten Zeiten“ beigefügt. Seine Ansicht hier:
„In meiner langjährigen Erfahrung und Beobachtung als Jagdreiter und Master glaube ich, dass dies nur eine vorübergehende Erscheinung ist. Wir waren auch in den vergangenen Jahrzehnten oft an solchen Punkten angelangt, die Sprünge zu hoch, die Lines zu kurz, die Gräben zu weit und zu tief. Letztlich wird man doch in einer  Jagdsaison fast allen gerecht. In den 80er Jahren gab es die Jagd von  Hans Giele in Suderburg mit 25 Hecken, das Holz  einen Meter hoch, als Hecke gestopft 1,50 m bis 1,70 m in einem welligen Gelände. Auch da war das  1.Feld oft überschaubar, während das nichtspringende Feld immer größer wurde. Ähnlich ist es doch auch in Sudermühlen, Ehlbeck, Ollsen, Grabow und später auch in Hexenagger gewesen. Irgendwann kommen neue Einflüsse, Aufbauer und Veranstalter und es geht wieder in die andere Richtung. Wichtig  ist nur, dass die Hounds, die Meute an erster Stelle steht, was leider nicht immer der Fall ist. Jagden wie Isernhagen oder sportlich Gleichwertige sollten erhalten bleiben. Und wenn ich  als Reiter solche Jagden einplane, dann bitte auch mit der nötigen Sportlichkeit.“
 
Jeder sollte ein passendes Angebot finden

kann die fürUnd zum Thema schreibt auch Axel Henrich (Versmold):
Vor nicht allzu langer Zeit hätte ich dem Feldführer, in dem Video, das Reinula Böcker (Frankenmeute) bei Facebook eingestellt hat, den Marsch geblasen: „Ich will als Jagdreiter Hundearbeit sehen, ich will "Zu den Hunden reiten", wie kann ich das, wenn ich einen Kilometer hinter der Meute reite"?
Diese zwei Gruppen, a) die Jagdreiter, die die Hunde bei der Arbeit sehen, und dicht an der Meute sein wollen, mit TOP sicheren Pferden und ausgezeichnetem reiterlichen Ausbildungsstand, die jede Geschwindigkeit der Meute, auch springend mitreiten können, und b) die Jagdreiter, die aus den verschiedensten Gründen (ich z.B. im Moment, mit meinem unerfahrenen Pferd), einen spannenden Geländeritt mit Springen aller Hindernisse reiten wollen, aber bitte in gemäßigtem Tempo, die hat es schon immer gegeben. Beide Gruppen sind willkommene Gäste, und haben ihre volle Daseinsberechtigung, und beide Gruppen sind Jagdreiter - schaut eimal über den Kanal, da findet man auch Beides.
Bislang waren die Reiter der Gruppe A ganz vorne im springenden Feld zu finden, die Reiter der Gruppe B dann etwas weiter hinten im Feld, alles war in Ordnung und jeder hatte seinen für ihn passenden Platz.
In letzter Zeit sind die Reiter der Gruppe A mehr und mehr aufs Altenteil gegangen, ohne Nachwuchs zu hinterlassen, und die Gruppe B nimmt weiter zu. Dem muss Rechnung getragen werden.
Mein Vorschlag: Mal über ein zusätzliches Feld nachdenken, zum Beispiel "1. springendes Feld zu den Hunden" für diejenigen Jagdreiter, die das Tempo der Hunde und der Equipage(!) mitgehen wollen, und ein 2. springendes Feld für Reiter in gemäßigterem Tempo!

Nichtsdestotrotz ist es nicht schön zu sehen, dass einige Meuten immer schneller werden, und das Reiten zu den Hunden bei diesen Jagden kaum noch möglich ist, wo selbst die Equipage sich nicht mehr traut zu springen. Ich will weder Hunderennen sehen noch Pferderennen reiten, genauso wenig wie Geländespringprüfungen mit 40 und mehr Hindernissen. Die Konzentration hierbei gilt dann zuviel den Hindernissen, der Genuss der anderen wesentlichen Teile einer Jagd geht darüber verloren.
Wenn wir unseren schönen Sport erhalten wollen, dann sollten wir schauen, dass wir allen Interessierten die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Jagd ermöglichen. Ein jeder sollte ein Feld vorfinden in dem er seine Vorstellungen vom Jagdreiten verwirklichen kann. Zum Glück haben wir ja (noch!) so viele unterschiedliche Meuten und Veranstaltungen, dass jeder etwas Passendes für sich finden kann. Und wenn Isernhagen nicht dazugehört? Dann wird man auch dort vielleicht irgendwann umdenken müssen. Die Meuten sind inzwischen Dienstleister – und zu jedem Gastgeber kommen die Gäste, die seine Einladung schätzen. Das ist beim Jagdreiten so wie im richtigen Leben.
Zum Thema Hindernis ist ganz allgemein vielleicht noch Folgendes zu sagen: Ein Jagdhindernis muss der Landschaft angepasst sein, und wie es der Name schon sagt, es muss ein HINDERNIS sein, heißt: Es hindert mich daran meinen Weg fortzusetzen, ich m u s s also springen, oder einen Umweg in Kauf nehmen, .....und nicht umgekehrt,  wie man es leider immer häufiger sieht: Einzelne Sprünge auf freiem Feld, auf die man ganz genau zielen, also einen Umweg reiten muss, um diese SPRÜNGE genau zu treffen - das ist nicht jagdlich!
Und wenn solche Hindernisse, an denen man nicht links oder rechts vorbei kann, auf der Schleppe stehen, wird auch ein junges Pferd Gefallen daran finden, und sicher dort rüber kommen – vorausgesetzt, dass das Hindernis Respekt, und keine Angst einflößt!“