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Golden Jubilee bei der Weser Vale Hunt

Von Besatzungsmacht bis Brexit – so manches beschwert deutsch-englische Beziehungen. Aber in Ostwestfalen sind sie nirgendwo so glücklich und erfolgreich wie in der Historie der Weser Vale Hunt, gegründet 1969 von englischen Offizieren der Rhine Army. Zum 50jährigen Bestehen der inzwischen deutschen Meute – der einzigen hier, die Bluthunde führt - kamen aus England nicht weniger als 14 ehemalige Master und Freunde der Meute. Sie erlebten ein Hunting-Festival der Extraklasse dank brillant arbeitender Hounds und wandelten zusammen auf den Spuren der Vergangenheit. „Die Alten wären stolz, wenn sie sehen könnten, was heute aus ihrem Projekt von damals geworden ist“, hieß es mehrfach.

Als der Abzug der Rhine Army aus Detmold sich ankündigte begannen erste Gespräche mit einem Kreis von deutschen Reitern, die regelmäßig mit den Engländern jagten. Es dauerte dann eineinhalb Jahre bis zum offiziellen „hand over“ am 1. März 1992 in Sennelager. Die Briten legten Wert darauf, dass die Weser Vale weiter „englisch“ jagt, soweit das mit deutschen Gesetzen vereinbar war. Das Jagdverbot durch den „Hunting Act“ auf der Insel war damals noch lange nicht in Sicht. „Englisch“ - das bedeutet Verzicht auf eine künstliche Schleppe, Hornsignale, feierliches Halali, großes Garderoben-Gepräge, dafür schlichtes „clean boot“ – auf Trittsiegel eines Pferdes, nicht mehr hinter einem Soldaten als Läufer - und ein Lob an die Hunde: „Good hounds“. Danach wird gekoppelt und es folgt das Going Home. Aus die Maus…  Ohne Schnörkel, „the real thing“ eben.



Die englischen Bräuche sind geblieben bis heute - „Honorary Master“ ist seit jeher der Colonel Commanding Household Cavalry in London. Aber der Wechsel in deutsche Hände hat Konstanz gebracht. Seit 27 Jahren führt Busso Freise mit seiner Frau Angela die Hounds. „Die Weser Vale hatte 38 Huntsmen in den ersten 22 Jahren, danach nur einen,“ hat Horst Moog aus den Archiven zusammengerechnet.  Moog (85) ist schon beim ersten Meet dabei gewesen – mit 120 Pferden und 100 Car Followern - und von den Engländern auf Lebenszeit zum Master bestimmt worden. Busso Freise ist ebenfalls Joint Master, und seit 2018 reitet auch Fiona von Elverfeldt mit diesem Titel und führt die Hounds, aktiv unterstützt von ihrem Mann, Fides. Die Zukunft der Weser Vale liegt bei den beiden.

Busso Freise feierte im Rahmen des Goldjubiläums auch Geburtstag. Er ist jetzt 78 und seit 46 Jahren mit seiner Frau Angela verheiratet. Den wunderhübschen „Rosenkotten“, in Alleinlage in Dalborn, haben sie gekauft und gemeinsam saniert als feststand, dass sie ihr Leben künftig mit einem Dutzend Bluthunden teilen würden: jeder einzelne mit etwa einem Zentner Lebendgewicht und lauter Stimme gesegnet. Bloodhounds sind Kolosse, aber zart besaitet. Es gibt nur eine haarfeine Linie bei der Entscheidung, ob man sie laufen lässt oder abschlägt, eingreift oder nicht. „Dass ich heute hier als Master und Huntsman stehe, verdanke ich nur Euch beiden und Eurer Expertise“, bedankte sich Fiona von Elverfeldt bei ihren Lehrmeistern, die sie schon seit jungen Jahren als Whip begleitet hat.   

 

Es waren wilde Zeiten damals in den ersten Jahren hinter den fünf Hounds, die aus England geholt wurden, damit die Soldaten auch bei ihrem Auslandsdienst das machen konnten, was sie am liebsten taten: Hunting – wenn auch nur auf künstlicher Fährte. Den „Kick“ holten sie sich dafür beim Springen über blanken Draht, nicht immer zur Freude der Landeigner. „Wir Soldaten hatten es so langweilig damals. Die Weser Vale hat uns gesund erhalten. Aber ich bin nicht sicher, wie Sie uns ertragen haben. Sie waren sehr geduldig“, betonte Sir Barney White-Spunner beim festlichen Dinner zum Abschluss des Golden Jubilee. Er kann das beurteilen, denn drei Mal  und über vier Seasons hat er im Rahmen von Stationierungen in Deutschland die Mastership innegehabt, hat auch nicht in der Kaserne in Detmold sondern im „Cottage“ von Gut Himmighausen gewohnt. Inzwischen ist er Brigadegeneral und von der Queen zum Ritter geschlagen. Unter den Gästen war auch der letzte Verbliebene der damals drei Meutebegründer. Robert Campbell ist mit 77 Jahren jetzt zum ersten Mal wieder in Germany gewesen und fand bestätigt, was er damals schon beobachtet hat: „Die Meute war ein großer Vermittler zwischen den britischen Soldaten und der deutschen Bevölkerung. Sie hat uns in Kontakt gebracht.“ Und hüben wie drüben stiftet das Jagdreiten auch Ehen. Campbell ist mit der Schwester von White-Spunner verheiratet.



Der gute Kontakt zur örtlichen Bevölkerung hat der Weser Vale von Anfang an fantastisches Jagdgelände vor prächtigem Hintergrund beschert. Die jungen Hunde residieren im neu eingerichteten Kennel auf der Hegge, dem Wirtschaftshof von Schloss Niesen, zum ersten Mal erwähnt 1273.

Fides von Elverfeldts Urgroßvater hat es erworben, seine Eltern haben die Schlosskapelle renoviert. Die Brauerei auf Schloss Rheder der Familie von Spiegel ist mehr als 350 Jahre alt. Die Vorburg und die Kirche sind dem großen westfälischen Baumeister Johann Conrad Schlaun zugeschrieben. Gut Holzhausen der Familie von der Borch ist heute ein ansehnlicher Demeter-Betrieb. Schloss Merlsheim ist gar von 1420, eine Perle der Weser-Renaissance. Gut Himmighausen ist ein Besitz der Familie von Puttkamer. Im Jagdkalender der Weser Vale sind sie feste Bestandteile.



Diese vielfach sehr verborgenen Schätze Ostwestfalens führte Gavin Peebles den Mitgliedern und Gästen der Weser Vale im Rahmen eines „Kulturprogramms“ vor, bei dem die britischen Gäste Vertrautes wieder entdecken konnten. Der pensionierte schottische Colonel ist „Master of Ceremonies“ der Weser Vale und weiß, was Gästen Freude macht.

Er gestaltete das Jubiläumsprogramm mit Ideen und Einfallsreichtum. Angefangen vom Auftaktabend im Rosenkotten, wo die englischen Gäste herzlich willkommen geheißen wurden – passend am „Tag der Deutschen Einheit“, die sie als Rhine Army mit vorbereitet haben.

Und endend mit dem festlichen Dinner nach der Jagd über fünf Lines um Schloss Niesen. Das war dann auch die Gelegenheit für Danksagungen. Sir Barney White-Spunner überreichte ein Rufhorn der Household Cavalry an Busso Freise, und Horst Moog erhielt einen „stirrup cup“. Der  Prunkbecher bildet den Kopf eines Bluthundes nach und ist gefertigt von einem Künstler, der bei der Household Cavalry gedient hat. Freudentränen rief das Bild der Meute hervor, das die Mitglieder der Weser Vale zum Jubiläum den Freises schenkten, gemalt von Dagmar von Fürstenberg. „Mein Toffee ganz vorne. Gleich muss ich weinen“, stammelte Angela Freise angesichts der naturgetreuen Jagdszene auf der Staffelei.

 

 Brexit oder nicht - die deutsch-englische Geschichte wird weitergehen in der Weser Vale. Dafür sorgt die Tochter der Freises, Sascha-Caroline, die mit Ben Stokes verheiratet ist. Der brachte mit dem „blue and buff“ der Beaufortmeute britische Farbe ins Jubiläumsjagdfeld und legte mit seinem Schwiegervater die Schleppe. Und dafür sorgt vor allem Fiona v.Elverfeldt. Ihr Vater, Peter Vickery, ist einer der WV-Reiter der ersten Stunde. Ihre Großmutter hat als Master in England die New Forest Buck Hounds geführt, Englands einzige Meute auf Damwild.  Eine Meute als Kommunikator, bei der Weser Vale wird das so bleiben. Frischen Wind hat Fiona jetzt schon gebracht. Jedes Jahr vertritt Busso Freise die Weser Vale getreulich beim Hounds Dinner der Household Cavalry in London – Freundschaften muss man pflegen. Seit Fiona die Mastership angetragen wurde, sind zu dem Event im  ehrwürdigen und wirklich „very old English“ Turf Club auch Damen zugelassen.

Weitere Impressionen von der Jagd zum Jubiläum:


Text: Petra Schlemm, Bilder: Jes Johannsen, PS