Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und dabei das Nutzererlebnis zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Mehr Informationen

Deutsches Team führt in der Heide-Euro

Nach dem zweiten Dressurtag bei der Europameisterschaft in Luhmühlen sind die ersten Pflöcke eingeschlagen: Das deutsche Team führt mit 68,9 Punkten vor Großbritannien (85,7) und Belgien (90,9). Drei deutsche Mannschaftsreiter gehen von der Spitze ins Gelände: Jung, Klimke, Rüder starten von Platz 1, 2 und 4. Eingerahmt wird in der Spitze Laura Collett, die mit London Großbritannien als Einzelreiterin vertritt. Es war wieder ein guter Tag in Luhmühlen - auch für die Jagdreiter.

Olympiasieger, Weltmeister, drei Mal Europameister, Deutscher Meister – die Liste seiner Titel ist lang, und Michael Jung hat einmal mehr seine Klasse in jedem Sattel unter Beweis gestellt. Mit 20,8 Punkten geht er als Führender ins Gelände. Ein kleiner Patzer in der Schritt-Etappe hat ihn mit fischer Chipmunk FRH oberhalb der 20 gehalten. „Da war ich ein bisschen zu nah am Limit, aber wir haben sehr gut zusammengefunden“, urteilt er über sein Pferd, das in Luhmühlen schon mit Julia Krajewski unterwegs war und mit dem Jung seit Anfang des Jahres verpartnert ist. Die beiden arbeiten auf Olympia in Tokio hin, offenbar mit großen Aussichten, wie man jetzt schon sehen konnte.  

Die Titelverteidiger, „unsere“ Ingrid Klimke, liegt knapp hinter Jung: 22,2 Punkte mit SAP Hale Bob OLD. „Stolz wie ein Spanier“, so die Reiterin, sei „Bobby“ ins Stadion einmarschiert, er habe sich total locker angefühlt. „Es ging alles wie ich es wollte“, war sie zufrieden mit ihrem Pferd und der Ausgangslage für die Mannschaft. „Die Teammedaille ist unser Ziel. Deshalb sind wir hierher gekommen“, betonte sie. Zur Einstimmung habe sie sich noch Julia Krajewskis Dressur mit Chipmunk bei der Weltmeisterschaft in Tryon angesehen. „Dann war ich richtig motiviert.“  



Anna Siemer, geborene Junkmann aus Norderney und jetzt schon lange in Salzhausen in der Heide zu Hause, genoss ihr Heimspiel in Luhmühlen. 31,9 Punkte, Platz 23, erritt sie als erste Starterin am Freitag mit der Hannoveraner Fast-Vollblüterin Butts Avondale. „Mein kleines Pferd hat mir jetzt schon zwei Träume erfüllt, erst Aachen und jetzt hier zu reiten. Ich bin so stolz auf sie.“ Stolz war auch ihr Besitzer, Prof. Dr. Volker Steinkraus. „Das ist das Ziel jedes Züchters, sein Pferd einmal hier zu sehen.“ Der Dermatologe ist mit seiner Familie Mitglied im Hamburger Schleppjagdverein und veranstaltet alle zwei Jahre eine Jagd an seinem Hof in Ollsen mit der Niedersachsenmeute. Er reitet selbst keine Jagden mehr, ist aber dieser Disziplin „weiter sehr gewogen. Schließlich ist es die Basis für unseren Sport“, wie er betonte. Als Züchter hat er sich inzwischen ganz auf die Vielseitigkeit eingeschworen und hat auch weiterhin drei Stuten aus der berühmten Zucht des verstorbenen Friedrich Butt, der der Vielseitigkeit schon so viele gute Pferde geliefert hat, nicht zuletzt Ingrid Klimkes Butts Abraxxas. „Ich habe noch einige vielversprechende Nachzucht auf der Weide und hoffe, dass ich die in einigen Jahren hier auch mal sehen kann.“ Anna Siemer gab eine charmante Charakterisierung ihrer noblen kleinen Stute, die im Viereck im Galopp leider etwas eilig wurde. „Sie ist ein großes Pferd in einem kleinen Körper und wollte es den anderen eben zeigen. Sie findet sich selbst sehr gut. Alle anderen sind ihrer Meinung nach Statisten.“



Und noch ein jagdreitender Pferdebesitzer, der allerdings vielleicht nicht ganz so stolz war. Prinz Nikolaus von Croy (RWS) stellt seinen Franzosen-Fuchs Viamant Du Matz (10) für Weltmeisterin Sandra Auffahrth zur Verfügung und war „mittelbar zufrieden“. Heute blieben beide noch etwas unter ihren Möglichkeiten: 31,7 Punkte, Platz 22. „Er wurde etwas nervös beim Einritt ins Stadion und das zog sich durch die Prüfung.“ erklärte Auffarth. „Aus der Situation heraus eine gute Aufgabe“, habe der Trainer gemeint. Prinz Croy hat seine eigenen jagdlichen Ambitionen zur Zeit zurückgestellt und baut ein neues Unternehmen auf. Seine wunderbare irische Schimmelstute, einst Siegerin der Young Horse Championship in Dublin, ist wieder tragend, mit dem ersten Fohlen von Conthargos noch bei Fuß.  

Wetten, dass darauf beim heiteren Beruferaten niemand gekommen wäre? In Luhmühlen gibt es eine offizielle Galoppwechselfilmerin. Betty Hallwig hat jetzt gerade am Rodderberg ihr Goldenes Reitabzeichen bekommen für Erfolge, noch als Betty Peitgen, in Vielseitigkeit und Springen. Nächste Woche will sie die Eröffnungsjagd beim RWS mitreiten.
Jetzt sitzt sie auf der Tribüne und filmt mit ihrem Tablet die fliegenden Galoppwechsel, die am Donnerstag und Freitag in der Dressur gezeigt werden, jeweils zwei bei jedem Ritt. Als Videobeweis für die Richter, falls es zu Beschwerden über die jeweilige Note kommen sollte. Wirklich hinten zuerst gesprungen oder doch nachgesetzt? Offiziell gibt es diese Praxis nur bei Fünf-Sterne-Prüfungen, aber weil Betty Hallwig ihre Sache im Sommer bei der Deutschen Meisterschaft in Luhmühlen so gut gemacht hat, wurde die Reitlehrerin jetzt wieder verpflichtet.  
Hallwig ist des öfteren in Schwarzenstein zu Gast und freut sich schon auf die Abwechslung. „Samstag Abend Party und am Sonntag schön reiten.“

Und zum Schluss noch eine Empfehlung, gefunden in der Ladenstraße auf dem Turniergelände bei „Dies & Jenes“ (Roselind Schirp, Jemgum):

Text und Bilder: Petra Schlemm