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Internationales Hunter Championat in Ede

Das war Probereiten für Nicht-Holländer. Ohne ausländische Beteiligung im Finale ist die Schärpe für das  erstmals international ausgeschriebene Hunter Championat in Holland vergeben worden.  Keiner der 14 Starter, die aus Deutschland oder Belgien angereist sind, hat es in die Endrunde geschafft – aber trotzdem ein tolles Event erlebt. Mit einem Budget von 60.000 Euro (!) hat die Soestdijk-Meute als Ausrichter einen Wettbewerb mit Stil und Anspruch auf die Beine gestellt – und eine Siegerin mit sensationellem Rekord gekürt: Brigitte Vonk (Königlich Niederländischer Jagdclub) hat zum sechsten Mal gewonnen in der 34jährigen Geschichte des niederländischen Championats, zum dritten Mal mit ihrem jetzt 15jährigen Iren Guinness. 

Das Championat besteht aus drei Teilen mit dem paarweise zu bestreitenden Geländeritt als Kernstück. Vorher bewerten die internationalen Richter die Pferde in den drei Grundgangarten und im Jagdgalopp. Außerdem wird viel Wert gelegt auf das Herausgebrachtsein, den Gesamteindruck und die Rittigkeit insgesamt. Typvoll müssen sie sein, die Bewerber, und Jagdpferde, die direkt aus dem Wald kommen, haben keine Chance. „Meine Pferde stehen nicht genug im Hunter-Typ“, wusste Vanessa Bölting schon im Voraus. Die Bundeschampionesse, die hinter den Hamburger Hounds reitet, nutzte das Event als Generalprobe für den ersten 1*-Auftritt ihrer beiden jungen Pferde am folgenden Wochenende in Münster. Platziert auf Rang 22 mit Baumann’s Fleur war sie schließlich die erfolgreichste ausländische Teilnehmerin, gefolgt von Kirsten Schuldt (Niedersachsen-Meute) mit dem gerade wieder genesenen Trakehner-Wallach Michel aus Lönneberga als 30. „Die Richter wollten was anderes sehen, aber es war ein tolles Turnier“, fand die Rotenburgerin, die damals noch mit der Stute Niedersächsin und unter dem Namen Peters das erste Jagdreiter-Championat in Deutschland gewonnen hat.


Es wurde sehr gut geritten, auch in der niedrigeren „Members Class“, die nur für holländische Teilnehmer offen war. Allerdings ist das Championat eine sehr subjektive Veranstaltung, bei der 75 Prozent der Wertung auf den persönlichen Eindrücken der Richter beruhen.

Sechs Juroren beobachten und benoten die Pferde an unterschiedlichen Standorten im Gelände, und die zwölf besten Pferde werden zum Schluss noch von zwei Richtern im Fremdreitertest durchgefühlt. In diesem Jahr hatten zwei Profis aus England die Entscheidung in der Hand. Louise Daly und Jack Cochrane haben beide Erfahrungen als Teilnehmer  und Richter bei der Horse of the Year-Show, und sie wirbelten die Rangierung noch gehörig durcheinander. So fand sich der Holländer  Joost Kartman, zweiter nach Gelände, nach dem Votum der beiden schließlich auf Rang 8 wieder. Obwohl er vorher ganz sicher war: „Mein Fuchs ist sehr einfach zu reiten und kommt bestimmt gut an.“ Er ging dann leider zunächst wie ein Hirsch….



Dem Siegerpferd Guinness konnten die Fremdreiter den Sieg nicht mehr nehmen. Dritter nach der  Wertung auf dem Viereck, das beste Ergebnis im Gelände – da schadete die nur zweitbeste Bewertung der Engländer nicht mehr. „Ein Traumpferd“ urteilte der Turnierleiter Paul Paardenkooper schon vorher über den dunkelbraunen Iren, den seine Reiterin im Rahmen der feierlichen Siegerehrung – es dauerte lange, bis alles Silber verteilt war - in den höchsten Tönen lobte. Unter Freudentränen schluchzte sie ins Mikrofon:  „Der kann einfach alles.“ Und jetzt ist er nicht nur dreifacher niederländischer Champion sondern auch der erste Internationale Hunter Champion in Holland.


Die vier holländischen Meuten mit rund 300 eingeschriebenen Mitgliedern haben eigens für das Championat unter Schirmherrschaft der holländischen FN eine Stiftung gegründet und treten reihum als Gastgeber auf. Nach Jahrzehnten auf dem Gelände des Königs-Palast in Soestdijk – und mit tatkräftiger Hilfe der holländischen Streitkräfte - war jetzt Premiere in Ede. „Stadt mit drei Buchstaben“ - kennt man aus dem Kreuzworträtsel. Dort haben die Soestdijker um den Vorsitzenden Paul Paardekooper  das Landgut „Da Velouwe“ als Austragungsort gefunden, wo auch schon 3*-Vielseitigkeiten stattgefunden haben: Offene Heideflächen und Wald, leicht hügelig, Sandboden und viel Platz für einen abwechslungsreichen Kurs mit 25 Hindernissen und 28 Sprüngen auf 3.800 Metern. Ideal gelegen, auch mit Bett und Box ganz in der Nähe. „Nur zwei Kilometer vom Stall durch den Wald, da sind die Pferde gerade warm“, fand der Böhmer Master Thorsten Mönchmeyer.



Mit einer großen Kraftanstrengung wurde im Rahmen mehrerer Arbeitsdienste seit Ostern aus dem nackten Gelände – „ es gab hier weder Wasser noch Strom“ - ein imposanter Turnierplatz mit Fahnen,  hochklassigen Zelt-Aufbauten, Shopping-Optionen und Edel-Verpflegung. Pommes Frites gab es auch, aber diskret um die Ecke. Die geschätzt 1000 Besucher, die 25 Euro Eintritt gezahlt haben, haben die sicher nicht vermisst. Die Pferdestärken ihrer Karossen auf dem Parkplatz haben die Kraft der 100 Starter um ein Vielfaches übertroffen.



Das Championat war zum ersten Mal international ausgeschrieben. Die Initiative kam über   Claudia Strommenger , die neben ihrer RWS-Mitgliedschaft auch bei der Soestdijk-Meute eingeschrieben ist und über den Soestdijker Huntsman Frank Teunissen, der mit den Böhmer Harriern Verbindung hat.  „Wir hoffen auf noch mehr ausländische Teilnehmer in den kommenden Jahren“, so Paardekooper. Zumindest ein Besuch als Zuschauer ist zu empfehlen. Auftritte der Bläser und eine Schauschleppe der Gastgeber geben ein gutes Bild der Jagdreiterei bei den Nachbarn im Westen.

Und hier weitere Impressionen:

Stilstudien

Hunde

Und in Holland sind selbst die Mülltonnen orange...

Helfer


Text und Fotos: Petra Schlemm