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Schlimmer wird's (hoffentlich!) nimmer

Ein „Annus horribilis“, ein schreckliches Jahr – das hat auch die Queen von England schon mal gehabt. Das macht es aber nicht erträglicher. Manchmal läuft es einfach nicht. Davon kann die Ostwestfalenmeute, nein, kein Lied singen. Da gab es nichts zum Singen in 2018. Aber erzählen - und inständig hoffen, dass es 2019 besser wird.

„Wir, die Ostewestfalenmeute, blicken auf ein ereignisreiches Jahr voller Berg- und Talfahrten zurück. Bekanntlich sind wir ein recht kleiner Verein. Der Unterhalt und auch die gesamte Versorgung der rund 35 Foxhounds wird von Master Friedel Sielemann und seiner Frau Heike bestritten. Dazu die entsprechenden Pferde. Wenn hier jemand ausfällt oder „mal was passiert“ wird es schon eng, weil es keine große Mannschaft im Hintergrund gibt. In diesem Jahr hat sich die Zusammensetzung der Equipage etwas geändert. Neue Piköre haben sich bewährt, erfahrene sind nicht mehr dabei; somit stand das Training oft unter dem Motto „Teamarbeit und Basiswissen“, aber auch ganz besonders im Zeichen der Einarbeitung der neuen Pferde und ganz wichtig des Einjagens der Junghunde. Das alles hat letztendlich hervorragend funktioniert, wir sind ein wenig stolz auf das Ergebnis… Dennoch wurde jeder einwandfrei durchgeführte Termin gefolgt von einer bitteren Niederlage: Nach den ersten gemeinsamen Ritten erfolgte das vielversprechende Training in Zechlin. Es reisten der Master mit seinem erfahrenen Schecken plus dem Nachwuchspferd und Heike mit ihrem unerschütterlichen Trakehner Genever, der scheinbar selbständig die Schleppen legen könnte, an. Die komplette Equipage kam dazu sowie begleitende Reiter und Helfer - alle hoch motiviert. Gleich zu Beginn ein kleiner Sturz mit großer Folge – der Master hat sich den Knöchel gebrochen. Die Maßnahme: sofortige Neusortierung im Team und somit doch noch ein sehr gutes Training für alle Beteiligten. Nach der Genesungspause machte intensive Arbeit inklusive eines Wochenendes in der Kirchdorfer Heide alle schnell wieder fit. Am 29.Juli dann die Eröffnungsjagd. Ein schönes Event mit vielen positiven Kommentaren, Anerkennung für die harmonische, sicher laufende, gut arbeitende Meute und rücksichtsvolle Durchführung (wir denken an die Hitze und Trockenheit).

Aber die schlechte Nachricht ließ nicht lange auf sich warten: Kurz nach diesem gelungenem Auftakt hat der Schecke von Friedel eine schweren Kolik leider nicht überlebt (am Tag der Jagd ritt er seinen braunen irischen Wallach). Keiner konnte fassen, dass dieses stattliche, markante Pferd nicht mehr zurückkommt. Aber so war es und so ging es trotz allem mit guter Energie die nächsten zwei Monate non-stop weiter. Tolle Jagden, eine wunderbare Schauschleppe in Bielefeld-Brake, die sehr zufriedenstellende Vorstellung der Junghunde in Schwarzenstein - wir konnten uns freuen! Dann, einen Tag vor der zum sechsten Mal stattfindenden Schleppjagd in Melle, der Anruf: Das Masterpferd lahmt - was sollen wir tun? Ich (die Jagdherrin dieser Jagd und Pikörin seit einigen Jahren) war geschockt. Wie soll in einem Tag Ersatz gefunden werden?? Lösung: Die OWM reiste mit acht Koppeln und einem Pferd an. Der Master begleitete das Feld im Auto und war an jeder möglichen Stelle zum Anlegen der Schleppen zu Fuß vor Ort. Geführt wurden die Hunde von 3 Pikörinnen und Heike Sielemann, die gleichzeitig mit einer Begleitung die Schleppen legte… Höchste Konzentration, eine riesige Anspannung und später glückliche Erleichterung, denn alles hat wunderbar geklappt! Großer Dank für das Vertrauen und den Mut, Danke an die teilnehmenden Reiter für ihre Disziplin und den Zusammenhalt! Dann die nächste Niederlage: Wir mussten alle weiteren Termine bis zur Genesung des Masterpferdes absagen! Ein neues Pferd wurde zwar gefunden, aber es steht erst ganz am Anfang der Ausbildung und ist noch nicht einsatzbereit. Es sollte mit den „alten Hasen“ angelernt werden. Nach einiger Zeit durfte der Braune wieder laufen, zuerst an der Longe und dann auf der Koppel - und dabei, am 31.Oktober, geschieht das Unfaßbare: Heikes Trakehner Rappe, zwar schon älter aber fit, spielt mit, stürzt dabei und stirbt an den Folgen…. es herrschte eine Weile Stille, keiner vermochte etwas zu sagen oder irgendetwas zu planen. Heike ohne ihren Rappen… kaum vorstellbar.

Es bleibt nun ein Pferd im Aufbautraining und ein kompletter Neuling, für ein Ersatzpferd ist das Budget vorläufig erschöpft. Aber: keiner lässt sich schnell unterkriegen, und auch eine angebrochene Rippe, die sich Friedel zuguterletzt noch zugezogen hat, bringt uns nicht zum Aufgeben: Wir sind immer noch motiviert, glauben an unsere Hunde, sind dem Flair der Schleppjagd verfallen – dem einzigartigen Moment, wenn die Hunde „ihren Job“ machen, zu sehen, wie die Meute sich entwickelt, wie die Pferde ihre Aufgabe verstehen und auch lieben, wie es sich anfühlt, durch Wälder und endlose Weiten zu galoppieren, sich über „Hundewetter“ zu freuen, in achtsamer Ruhe den Foxhounds bei der Suche zu folgen, ihr Tempo aufnehmend zum Ziel zu gelangen - gemeinsam!"
Heute, am letzten Tag des alten Jahres, hat der Master Friedel Sielemann Geburtstag. Wir wünschen ihm und allen Jagdreitern ein gutes Neues Jahr und immer ein gesundes Pferd unter dem Sattel. Denn ohne gutes Pferd ist alles nichts!
Solch ein „Annus horribilis“ soll sich niemals mehr wiederholen.
Text: Patricia Aufdemkampe