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Paul Nickel (1938 - 2018)

Seit 57 Jahren ist das ein fester Termin gewesen. Aber heute, am letzten Samstag im Oktober, ist es ruhig auf der Straße nach Hornburg. Es fährt kein Jagdreiter in Richtung der ehemaligen innerdeutschen Grenze und die Böhmer Harrier Meute bleibt im Kennel. Keine Jagd mehr in Hornburg, denn Paul Nickel lebt nicht mehr. Im Alter von 80 Jahren ist er jetzt gestorben.

Im Jahr 1960 hat der Schlachtermeister aus Hornburg zum ersten Mal eine Jagd im Namen der Reitgemeinschaft Goslar veranstaltet. Keine einzige ist ausgefallen, auch nicht im vorigen Jahr als er schon aus dem Rollstuhl aus zusah. „Er liebte das Leben, die Geselligkeit und besonders die Pferde und die Jagdreiterei“, schrieb seine Familie in dem Totenbrief und viele, viele Reiter können das bestätigen. Es waren urige Veranstaltungen in Hornburg, unkonventionelle Hindernisse, unter anderem eine Eisenbahnbrücke auf der die Oker zu überqueren ist. Und hinterher gab es Spanferkel in Nickels Stall, höchstpersönlich tranchiert vom Gastgeber. Man sagt, dass einige Reiter in erster Linie wegen des Spanferkels auf der Stallgasse zur Jagd gekommen sind.
 
Paul Nickel ist 18 Jahre alt gewesen als er sich der Reitgemeinschaft Goslar anschloss und seither als „die Außenstelle Hornburg“ galt. „In vielfältigen Funktionen hat er sein ganzes Leben der Reiterei gewidmet“ erinnert sich Klaus Höfert aus der Reitgemeinschaft. Für die Pferdesportfreunde Wolfenbüttel war Paul Nickel sogar noch mehr als „nur“ Jagdveranstalter. In der von ihm gepachteten Halle der ehemaligen Zuckerfabrik von Hornburg hat er zweimal in der Woche Springunterricht für junge Reiter erteilt. Kein Pferd? Kein Problem. Nickel machte einige auch auf seinen eigenen Pferden beritten, Turnierbegleitung und Coaching inklusive.

Seit etlichen Jahren war die Böhmer Harrier in Hornburg am, Start. Einmal hat der Master den Fehler gemacht im Zusammenhang mit der Terminplanung in Hornburg anzurufen, um sich den letzten Samstag im Oktober bestätigen zu lassen. Das war eindeutig die falsche Frage. „So lange Paul lebt, findet die Jagd statt,“ hat seine Frau am Telefon nur kurz angebunden entgegnet.


Es war eine riesengroße Beerdigung am 5. Oktober in Hornburg. Gut hundert Trauergäste sind gekommen, nicht alle in der von Nickel gewünschten legeren Kleidung. Viele haben ihm zu Ehren den Jagdrock angelegt. Pauls eigener Roter Rock lag am aufgebahrten Sarg. Und hinterher gab es wieder Spanferkel in der Reithalle – ein letztes Mal.
Text: PS und Bilder: Petra Beinecke/ Archiv

Hier lesen Sie die Erinnerungen von Falk König an die Hornburger Jagden.