Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und dabei das Nutzererlebnis zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Mehr Informationen

95 Jahre Hamburger Schleppjagdverein

Jahrgang 1923 – damit ist der Hamburger Schleppjagdverein der älteste Meutehalter in Deutschland. Aber von Altersgebrechen keine Spur. Im Gegenteil: Stilvoll, gastfrei dank großzügiger Mäzene und im flotten Vorwärtsgang wurde jetzt in Sudermühlen mit vielen Gästen Geburtstag gefeiert. „Wir laufen uns warm für die Hundertjahrfeier“, versprach der Präsident Uli Deus.

Wie feiert ein Schleppjagdverein Jubiläum? Natürlich mit einer Jagd. Und mit Vorher und entsprechendem Nachher. Beim HSJV ging das Fest schon am Freitag los mit einem Willkommen, das als Heidjer-Abend ausgeschrieben war, sich aber saisongemäß mit bayerischem Oktoberfest-Anstrich, Blaskapelle und Dirndl-Schau entwickelte. Münchner Flair in Sudermühlen – und am Ende des Abends standen doch wieder alle da, wo sie immer stehen. An der Heidjer-Bar.



Samstag strahlte die Sonne mit dem Jubilar um die Wette. Die Bläsergruppe aus Usedom um Daniela Heuer hatte sich verstärkt mit zwei tonangebenden Kräften der „bien aller“ aus Verden und setzte den musikalischen Rahmen auf dem Hof vor der Mühle, wo Master Jens Möllering die Mitglieder und Freunde des HSJV willkommen hieß, darunter auch eine Abordnung der Niedersachsenmeute mit Master Cosimo von Dungern zu Pferd und eine ansehnliche Fußtruppe des Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdvereins mit ihrem Master Christian Coenen. Diese drei „Alteingesessenen“ verbindet eine besondere Freundschaft in der deutschen Meutelandschaft.



Die Sudermühlener Hausherren, Carlo und Stefan Rabeler hatten sechs Lines vorbereitet und waren auch nicht kleinlich mit Hindernissen. Jubiläumsjagd eben. Jens Möllering hatte 13 Koppeln Foxhounds mit Huntsman Heiko Lindner aufgeboten, und als Piköre waren die neue Vizemaster Lulu Steinkraus und Carl Bolten und Philipp Schwart im Einsatz. Stefan Rabeler und der Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter, Hans Melzer führten das erste Feld, Jochen Fischer wie (fast) immer das zweite. Gut 60 Reiter gingen auf die Strecke durch Wald und Heide.



Besonderes Augenmerk verdienten die beiden Schleppenreiterinnen: Anke Voigtländer mit ihrer Tochter Cathrin. „25 Jahre Schleppen-Erfahrung“ hatte Jens Möllering die Witwe seines Vorgängers Ernst-Günther Voigtländer (1994 bis 2004) angekündigt. Aber das war es nicht, was Hochachtung einforderte. Es war vielmehr ihre Eleganz und die Leichtigkeit mit der sie ihr fünfjähriges Pferd bei seiner ersten Jagd vorneweg über alle Sprünge brachte, einschließlich des berüchtigten Halali-Sprunges in die Wiese am Hof. „Da hat er weniger geguckt als vor den viele Zuschauern, die daneben standen,“ freute sich die Reiterin über ihren Zucht- und Ausbildungserfolg. Dass ihre Tochter ebenfalls ein von ihr gezüchtetes  Pferd ritt sei nur nebenbei bemerkt. „Alles selbstgemacht“, das hatte da eine ganz besondere Bedeutung – und war eine der vielen prächtigen Rosen wert, die Uli Deus beim festlichen Dinner am Abend nach der Jagd an besonders verdiente Damen überreichte. Weitere Rosen gingen unter anderem an Adelheid Dreckmann, auf deren Gut Rohlfshagen der HSJV seit 92 Jahren (!) jagt und an Elisabeth „Lizzy“ Fischer, die das gesamte Festwochenende sorgsam bis ins letzte Detail orchestriert hatte.



Carl Bolten skizzierte Gegenwart und Zukunft des Hamburger Schleppjagdvereins: „Ein extrem gutes Pack, eine stark reitende Equipage, ein professioneller Huntsman und ein Master, der alles zusammenhält. Wir sind stark aufgestellt.“ Der historische Rundumschlag des ersten Vorsitzenden Uli Deus spiegelte sich in einem großen blanken Zinnteller mit etlichen eingravierten Namen: Sie gehören den Spendern, die dem Verein eine Heimat auf Gut Schnede geschaffen und ihn seit 2017 dort auch großzügig schuldenfrei gemacht haben. Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein. Jens Möllering: „Wir sind jetzt höchstens noch bei größeren Anschaffungen auf Spenden angewiesen, Das gibt Sicherheit.“ Und es macht den HSJV „unsterblich“, wie es sich der Ehrenmaster Hans Giele immer wünscht. Giele ist genauso alt wie „sein“ HSJV, den er 26 Jahre lang, bis 1982, aktiv als Master und danach bis 1997 als Vorsitzender geführt hat. „Unsere Zukunft baut auf der Gegenwart, und wir müssen der Jugend das vermitteln, was wir selbst von unseren Alten gelernt haben,“ schloss Uli Dreus. Das scheint ein gutes Rezept zu sein.



Text und Fotos: Petra Schlemm
Weitere – und weitaus bessere! - Aufnahmen bei Thomas Ix unter foto-ix.de