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Jagd als Demonstration gegen Formalismus

Reitest Du noch oder demonstrierst Du schon? Der Reiterverein Isernhagen hat seine Jagd am 15. August als Demonstration im Rathaus der Gemeinde angemeldet. Gleichzeitig ist Klage vor dem Verwaltungsgericht Hannover erhoben worden. Der Antrag auf Unterlassung ist die Antwort des Vereins auf die Aufforderung des LAVES (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit), dass bei der Jagd sämtliche Teilnehmer und ihre Pferde mit ausführlichen Personalien registriert werden sollen.  „Hier wird häppchenweise die Freiheit unseres Sports eingeschränkt. Das ist unerträglich“, findet Eugen Klein, 2. Vorsitzender des RV Isernhagen. 

Das Jagdreiten ist von jeher ohne eine vorherige Erklärung einer Startbereitschaft ausgekommen, im Gegensatz zu jedem turniersportlichem Einsatz. Deshalb sieht der Isernhagener Jurist Klein in der LAVES-Anordnung einen Eingriff in die deutschen  Grundrechte. Er bezieht sich auf Artikel 8 des Grundgesetztes,  der Versammlungsfreiheit und das Recht auf eine gemeinschaftliche Meinungskundgebung verbürgt. Weil eine Schleppjagd Sport, aber zunächst keine Versammlung zur öffentlichen Meinungskundgebung ist, sagt Klein: „Deshalb demonstrieren wir am 15. August in Isernhagen gegen Formalismus.“

Die Registrierung aller Teilnehmer – Menschen und Pferde – wird in Niedersachsen landesweit verlangt, wo Viele zusammenkommen. Begründet wird die Maßnahme als Dokumentation zum Seuchenschutz. Dafür, so Klein, gebe es aber bereits andere EDV-gestützte Datenerfassung wie TRACES (TRAde Control and Expert System für den gesamten Tierverkehr in und aus der EU) oder TSI (TierSeuchenInfo). Außerdem würden die Eintragungen ungeprüft übernommen und die Listen seien außerdem an das jeweils zuständige Kreisveterinäramt zu schicken, nicht an das LAVES direkt. „Und wenn dann eine Krankheit ausbricht, muss wohl erst die passende Liste gesucht werden, um herauszufinden welches Pferd wo gewesen ist?“

Soll die LAVES-Liste korrekt ausgefüllt werden mit allen geforderten Angaben, dann dauere der Vorgang pro Reiter/Pferd-Paar etwa 6 Minuten, meint der Rechtsanwalt. Organisatorisch sei so etwas zu bewältigen, allein, der Sinn sei fraglich. „Die Formalismus-Schraube wird immer weiter gedreht“, ärgert sich der RV Isernhagen. Es ist nachzuvollziehen. „Für unsere Hubertusjagd im November – die es seit 150 Jahren gibt – brauchen wir inzwischen zehn verschiedene Genehmigungen, die alle zwischen 30 und 140 Euro kosten,“ betont Eugen Klein.

Stelldichein zur „Demonstration gegen Formalismus“ ist am 15. August, Mittwoch, um 18 Uhr neben dem Voltmers Hof, Burgwedeler Starße 143 in Isernhagen. Abritt um 18.30 Uhr hinter der Niedersachsenmeute. Das Halali wird gegen 20 Uhr geblasen von der Rallye Trompes de la Bruyère, wieder am Voltmers Hof. Geritten wird in vier Feldern, wobei die Reiter direkt hinter den Hunden etwa 20 klobige feste Hindernisse vorfinden. Insgesamt ist die Jagd als „mittel anspruchsvoll“ eingestuft. Zuschauer werden auf Treckergespannen transportiert und können so die 9 Kilometer lange Strecke erleben.
Die Jagdherrschaft haben Ursel Bülthuis und Heinrich Bätke jun. übernommen. Zu Ehren der Jagdherrin ist die Demonstration für Insider schon vor Jahren „Ursulum“ getauft worden. Und der Voltmers Hof ist die Keimzelle der Schleppjagd in Isernhagen schlechthin. Schon Hermann Löns hat über die Zusammenkünfte der Jagdreiter „am „historischen Gasthaus von Heimberg in der Hohenhorster Bauernschaft“ berichtet.
Text: Petra Schlemm und Foto: Archiv Schleppjagd24