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Kavallerie in Schillingsfürst

Die Schleppjagd in Schillingsfürst ist eine der Traditionsjagden des Schleppjagdvereins Frankenmeute und jedes Jahr aufs Neue ein echtes Highlight im Jagdkalender. Dieses Mal wurde der Jagdtag mit besonderer Vorfreude erwartet, denn der Deutsche Kavallerieverband hatte sich für Schillingsfürst als Standort für die Verbandjagd entschieden. Der Vorsitzende des Deutschen Kavallerieverbandes Peter Lachenmayer hatte dann auch die Jagdherrschaft übernommen und begrüßte mit seiner Frau Bettina die Gäste.

Schillingsfürst bietet einen historischen Rahmen für die Schleppjagd. Schon der steile Aufritt zum Schloss und die Begrüßung im Schlosshof stimmt die Jagdgesellschaft passend ein. Die liebevoll hergerichteten alten Häuser, das Schloss Café, das seinen Platz in der alten Kaserne des ehemaligen Hohenlohe'schen Truppenkorps gefunden hat, der Ritt vorbei an den erhabenen Greifen und über den Burggraben bis man schlussendlich im wunderschönen Schlosshof der imposanten Anlage des Schlosses Schillingsfürst angelangt, ist immer wieder eine Reise zurück durch die Zeit, in der Jagdreiten beim Adel beinahe alltäglicher Sport war. Dieses Jahr wurde es mit über 60 Reitern fast ein bisschen eng im Schlosshof, aber das Jagdfeld stellte sich diszipliniert und ruhig auf. Die Reiter des Deutschen Kavallerieverbandes in ihren historischen Uniformen machten Geschichte erlebbar. Der Bürgermeister von Schillingsfürst, Michael Trzybinski hatte die Jagdgesellschaft bereits beim Stell- Dich ein in der Albert- Zietz Halle begrüßt, so dass der Aufenthalt im Schlosshof für die jagdgierigen Beagles und auch die zum Teil aufgeregten Pferde (und Reiter) passend nicht in die Länge gezogen wurde.


Musikalisch war diese Jagd besonders liebevoll und abwechslungsreich gestaltet, denn das Bayerische Trompeterkorps um Stabstrompeter Walter Werner spielte hervorragend und die Reiter  lauschten fasziniert den für sie doch eher ungewöhnlichen Stücken. Für die vertrauten jagdlichen Signale trugen die Reiterlichen Jagdhornbläser München und die Schanzer Parforce Ingolstadt die Verantwortung und ergänzten den jagdlich-musikalischen Teil auch auf der Jagdstrecke. Spätestens bei der Rast, als sich bei den Reitern dann auch die Aufregung gelegt hatte, genossen alle den Kontrast der unterschiedlichen Bläsergruppen und das üppige Klangbuffet.


Zunächst führte die Strecke unter der Feldführung des Jagdherren Peter Lachenmayer und Armin Schöbel vom Schloss herunter in die atemberaubende Hohenloher Landschaft. Dieser Anblick alleine ist es schon, der das Jagdreiterherz höher schlagen lässt, denn das Schöne am Jagdreiten ist ja das sportliche Erleben gemeinsam mit dem Pferd in der freien Natur.

Unten im Tal ging es dann los mit der ersten der neun Schleppen. Hier zeigte sich gleich: Schillingsfürst ist zu Recht als eine Jagd mit mittleren Anforderungen ausgeschrieben. Nicht die Sprünge, die alle einladend, breit, gut sichtbar und fair gebaut waren, sind die Herausforderung. Die Strecke ist es, die neben einigen schönen breiten Wiesenschleppen im Tal auch Anstiege und Abstiege, Kurven, Wendungen, alte Obstgärten und Waldschleppen in permanenter Abwechslung bietet und sportliches Reiten verlangt. Dem herbstlichen Panorama kam die Sonne zu Gute, die Bäume leuchteten (endlich) im schönsten Herbstlaub und man konnte getröstet sein, dass sie den trockenen Sommer zumindest einigermaßen überstanden hatten, so verwöhnte die Pracht der Natur Sinne und Seele.


Die Beagles der Frankenmeute zeigten wieder einmal allerbestes Jagdverhalten und es war eine reine Freude ihnen zuzusehen wie sie ihren „Job“ machen, den sie spürbar von Herzen lieben. Kaum ritten die Schleppenleger Herma Leitermeier und Christine Wägelein los, da spürte man schon die Spannung, die Vorfreude in dem wuseligen Pack, das die Equipage mit Master Uwe Hochbrückner auf die Seite führte. „Wir vermeiden immer, dass die Hunde sehen, wohin die Schleppenleger reiten. Die sind ja schlau, die würden dann auf Sicht laufen. Aber das wollen wir nicht, denn die Beagles jagen mit ihren feinen Nasen auf Trittsiegel. Das ist das Jagen, das wir abrufen wollen und worauf wir seit Jahren die Hunde züchten und auswählen.“ erklärte der Master die Wichtigkeit der Sichtdeckung.

Kaum führte er mit seiner Equipage die Hunde auf die Schleppe steigerte sich die Spannung im Pack und die Hunde wurden zu einer kribbeligen Masse, die kurz vor dem Explodieren zu stehen schien. Jetzt versuchten sie loszusausen und der Equipage auszukommen, die die Hunde nun besonders gut im Blick haben und schnell aber auch für die sensiblen Beagles angemessen reagieren musste, um die Rasselbande zusammen zu halten, bis sie los durfte. Ab und an erwischte doch einer eine Lücke und jagte schon mal los, aber seine Kollegen folgten ihm dann nach Entlassung durch die Equipage gleich gemeinsam und eifrig auf dem Fuße. Die Strecke in Schillingsfürst bot den Hunden viele Herausforderungen: schnelle Richtungswechsel, unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten und nur wenig Begrenzung, dazu guter Wildbestand. Hier konnte man die Besonderheit des Jagens auf Trittsiegel wie aus dem Lehrbuch sehen. Da die Hunde die kleinen Bodenverletzungen des vorausreitenden Pferdes abjagen, bieten harte Böden, wie Schotter für sie nur eine ungenauere Spur. Geht es dann noch von der Wiese (hervorragende Spur) um die Ecke (Richtungswechsel, da kann einen der eigene Speed schon mal weiter tragen bis man merkt, da fehlt was) über ein kurzes Stück Schotterweg (upps, da ist ja fast gar nichts zu erschnuppern), dann zeigte dieses Ausnahmepack was jagen heißt: retour bis dahin wo die Spur deutlich ist, kreisen bis man den „Anschluss“ erschnuppert und weiter geht’s. Diese Jagdbegeisterung ist es, die das Reiten hinter den Beagles so reizvoll macht.


Nach einem freudigen Halali ging es zurück nach Schillingsfürst und am Marktplatz bekamen die eifrigen Beagles ihren Lohn beim Curée und die Reiter Jagdknopf und Bruch. Nachdem die Pferde versorgt waren, traf man sich erneut in der Albert- Zietz Halle und tauschte sich gemeinsam beim deftigen Jagdeintopf und leckeren Kuchen über die Jagd aus. Ganz am Schluss kam dann auch noch der Reiter dazu, der nach einem Unfall zur Erstversorgung ins Krankenhaus gebracht worden war. „Alles gut, alles halb so wild“ konnte er beruhigen.


Die Reiter und die Frankenmeute danken der Stadt Schillingsfürst, die diese Jagd aktiv und tatkräftig unterstützt und fördert, der „Mannschaft“ die die Strecke präpariert hat, Sprünge gebaut und ausgeschmückt und dafür einen freien Tag geopfert hat. Besonderer Dank ging an die vielen Helfer, die nicht selbst in der Meute als Reiter aktiv sind und somit anderen deren Hobby ermöglichen mit ihrer tatkräftigen Unterstützung. Für andere selbstlos etwas tun, den ganzen Sonntag hergeben, das ist in unserer Zeit etwas ganz Besonderes und Zeichen gelebten Gemeinschaftsgeistes. Das Haus zu Hohenlohe-Schillingsfürst sei bedankt dafür, dass die Jagd im Schlosshof so einen wunderbaren historischen Rahmen gefunden hat. Die Grundstückseigentümer und Bauern seien ebenso bedankt dafür, dass sie ihre Flächen zur Verfügung stellten und für das Jagen präparierten. Besonderer Dank geht an die Rettungssanitäter, die sich hervorragend und schnell um die Reiter kümmerten, die sie brauchten. Gut, dass sie da waren.


Text: Reinula Böcker und Bilder: Doris Frank-Schneider