Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und dabei das Nutzererlebnis zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Mehr Informationen

Drei Männer in Irland

Freitag 1. Dezember 2017: Da treffen sich drei Männer mit insgesamt 198 Jahren Lebenserfahrung am Düsseldorfer Flughafen. Ziel ist nicht - wie man jetzt bei dieser Altersgruppe erwarten dürfte - ein Kegelausflug nach Mallorca sondern Irland, um als Wiederholungstäter zum Jagdreiten zu fliegen. Axel Henrich berichtet.

Also geht‘s für Wolfgang Fehl, Hans Nagel und mich mit einem Flug nach Dublin, von dort aus weiter mit dem Mietwagen nach Athlone in unser Hotel und zentralen Ausgangspunkt unserer weiteren Unternehmungen. Das Blöde ist, dass das aufgegebene Gepäck von Hans nicht mitgekommen ist und er somit zum Zuschauen verdammt ist.
Der restliche Freitag dient von allem dazu, uns unsere Hunter für die zweite Jagd am Sonntag mit den "Streamstone Harriers" bei Jim und Francis Derwin, den wohl bekanntesten Pferdehändlern der Region, auszusuchen. Danach führt uns Hans, der vom verhinderten Jagdreiter zum hervorragenden Reiseleiter mutierte, in einen Pub mit ausgezeichnetem Essen. Irische Steaks sind großartig!
Samstag Morgen fahren wir dann nach Galway, treffen uns in einem gemütlichen Pub, drücken unseren Cap (150,-€) an eine freundliche Lady ab, und nehmen anschließend vom Verleiher unsere Pferde in Empfang. "Let him go" ist die einzige, und wirklich auch einzig notwendige Anweisung, die ich für den mittelgroßen, eingeflochtenen (!) 10 jährigen Braunen auf den Weg mit den "Galway Blazers" Foxhounds bekomme.


Aufgesessen, Bügellänge korrigiert, nachgurten und schon geht‘s los, mit Schritt und Trab auf der Teerstrasse, übergehend in "Hack" - wir würden sagen "Schlachtertrab" - zum etwa 3 Kilometer entfernten ersten "Cover" (steht hier für den Raum, den die Hunde jetzt im Moment oder als nächstes absuchen, jagdlich: die Dickung.)
Die Hunde, Pferde und Reiter kommen also gut aufgewärmt zum Jagen, denn es kommt durchaus vor, dass gleich Anfangs ein Fuchs ausgemacht wird und ein "Run", also die heiße Phase der Jagd, startet.
Das Wetter war gut zum Jagen, kein Regen, aber "feuchte Luft". Der Boden dagegen grundlos, und Mauern, große Mauern, kleine Mauern, heile Mauern, zum Teil umgeworfene Mauern, die überwunden werden mussten um weiter zu kommen. Zwischen 35 und 40 werden es wohl gewesen sein. Durch den grundlos tiefen Boden wurde aus einer 1-Meter-Mauer schnell mal eine 1,20ger, oder gar eine 1,30ger-Mauer, die gerade dadurch nicht leichter zu springen war, dass heruntergefallene Steine meist davor und dahinter lagen. Aber mein braver Hunter zeigte sich als ausgezeichneter Heimatkenner und machte keinen einzigen Fehltritt. Zweimal blieb er vor einer Mauer stehen, wofür ich ihm sehr dankbar war, denn Stehenbleiben ist in diesen Fällen kein Verweigern, sondern er fand absolut keinen Absprung und gönnte sich einen zweiten Anlauf. Der  zweite Steher entstand, als das Vorderpferd sich in einem Draht gleich hinter der Mauer verfangen hatte. Die Landestelle war also blockiert. Kluger Hunter!



Drei Auffälligkeiten, die ich unterwegs ganz besonders fand: Zunächst war das meine Mitreiterin Maria Mc Namara, die die gesamte Jagd im Sidesattel mitritt! Und der Master, ein Amerikaner. Er hatte sich für 20.000 Euro für ein Jahr die Mastership gekauft, konnte sich aber kaum auf dem Pferd halten, und steuern noch weniger. Er rempelte ständig an, entschuldigte sich so oft wie andere es in ihrem ganzen Leben noch nicht mussten. Wenn der Ruf "Master" ertönte, mussten alle Platz machen, damit er springen konnte, was aber oft genug in einem Stehenbleiber endete. Irgendwann habe ich ihn dann nicht mehr gesehen.


Großartig die Disziplin aller Reiter/innen (und Reiter i n n e n war die Mehrzahl) vor dem Sprung. Jeder wartete bis er dran war, kein Gedränge, kein Vordrängeln oder ähnliches. Es waren halt Hunt Jumps, Durchlaß immer nur für ein Pferd möglich - und einen anderen Weg gab es nicht!
 
Brav suchten die Hunde jede "Hedge" (Hecke/Gebüsch/ Gestrüpp) ab, konnten aber trotz 4 1/2 Stunden Suche keinen einzigen Fuchs hochmachen. So blieb also die reiterliche Herausforderung der Hindernisse und des Bodens, in dem die Pferde teilweise so tief versanken, dass sie mit dem Bauch auflagen! Insgesamt haben wir wohl zehn Cover abgesucht, die jeweils so weit auseinander lagen, dass wir zwischendurch immer wieder auf die Strasse mussten um im "Hack" -  so schnell, dass Totilas im starken Trab gedacht hätte, er stünde auf der Stelle - zum nächsten zu eilen.


Weidezaun-Stromdrähte, die auf dem Boden lagen und mit einer Grassode bedeckt sein sollten, machten die Jagd noch beschwerlicher, denn durch den völlig aufgeweichten Boden lagen sie bald wieder frei im Wasser und hauten ganze drei Mal meinem armen Pferd einen Stromschlag ‘rein. Das hatte er nun wirklich nicht verdient!
Jede Jagd geht mal zu Ende, aber wer glaubt das Ende der Jagd sei auch das Ende des Reitens, vertut sich hier gewaltig! Die Suche nach dem Fuchs hatte uns so weit vom Meet weggetragen, dass wir geschlagene 3/4 Stunde, natürlich im "Hack" und auf der Strasse zurück reiten mussten. Erst der letzte Kilometer ging im Schritt. Danach hieß es Abschied nehmen von meinem tapferen Braunen, dem ich mit einer gehörigen Menge an mitgebrachten Pferdeleckerlis Dankeschön sagen konnte. Der erste Jagdtag endete für uns wieder in dem Pub in Athlone mit einem hervorragenden Essen. Diesmal war es eine wunderbar zubereitete Ente, mit der ich mich für die wegen der abnormen Bodenverhältnisse kniffeligste Jagd meines Lebens belohnte.

Text: Axel Henrich und Fotos: Hans Nagel und A.Leonard

Zur Fortsetzung am zweiten Jagdtag geht es hier: