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Drei Männer in Irland - 2. Teil

Sonntag Morgen, Hotel Athlone. Das schwierigste am Morgen war das aufstehen. Deutlich wurde mir gezeigt welche Muskelgruppen ich in den letzten Jahren nicht benutzt hatte. Aber nach bestem Frühstück und einiger Bewegung ließ sich auch das kompensieren. Heute hatten wir es nicht so weit. Die Pferde wurden uns Jim Dervin aus Athlone gestellt, zum Meet war es eine Viertelstunde Fahrzeit, den Transport unserer Pferde übernahm ein Farmer, der selbst auch mitritt, mit seinem LKW.

"Halston Stud" war der Treffpunkt des heutigen Tages, ein Gestüt, das der deutschen Gräfin Sophie von Maltzan und ihrem Mann Kieran Guinness" gehört, und auch von diesen geführt wird. Der Mann trägt nicht nur den Namen des weltberühmten Bieres, ihm gehört auch, zumindest in Teilen die Brauerei. Wir waren nicht zu früh dran. Kein Pub am Mewet heute, wahrscheinlich ging es darum zügig ans aufsitzen und wie nun schon gewohnt in Schritt, Trab, später Hack, zum ersten Cover.  "Natürlich" musste  von der Teerstrasse über eine nicht zu kleine Mauer, hineingesprungen werden.
Hier zeigte sich allerbeste Huntsman/Whipper-Arbeit: Die Hunde wurden äußerst professionell geführt, jede Möglichkeit einen Fuchs hochzumachen wurde sorfältigst ausgelotet und nachgeschaut, wenn man ins Gebüsch nicht reinreiten konnte, war sich der Huntsman nicht zu schade abzusteigen, und mit seinen Hunden im Gebüsch zu kriechen. Äußerst beeindruckende Hundearbeit, die die Hunt staff (Equipage) mit ihren Hunden dort leistete! „Leider" hatten die Hunde auch heute keinen Erfolg, kein Fuchs in Sicht.
Trotzdem kam die Reiterei auch heute zum vollem Zuge. Der Muskelkater war vergessen, Hecken, Mauern, Banks (hier Wassergaben-Wall-Wassergraben, Bäche) mussten, bei etwas besserem Boden als gestern, überwunden werden. Tore waren zu öffnen und wieder zu schließen, was die freundlichen und äußerst zuvorkommenden mitreitenden Iren und Irinnen übernahmen. Nicht gerade zu unserem Missfallen waren die Damen wieder in der Überzahl.

Meine erstklassige 7/8 Blüterin trug mich sicher und souverän über diesen schwierigen Kurs. Ein großartiges Pferd. Wenn ich nur den Hauch einer Möglichkeit gehabt hätte dieses Pferd zu Hause unterzubringen, hätte ich sie, da käuflich, mitgenommen. Durch ihre wunderbare Leichtrittigkeit machte sie die Jagd noch einmal einige Grade schöner!
Wir sprangen in besetzte (!)Rinder- und Pferdeweiden, und auch wieder raus, in jeder Hedge, jedem Wall, jeder Bank, war irgendwo ein Hunt jump geschaffen worden, eine schmale Stelle wo man das Hindernis überwinden konnte, manchmal allerdings schon so alt dass man kaum noch einen Unterschied zum restlichen Gelände erkennen konnte. Es wurde trotzdem genutzt, da eine andere Möglichkeit nicht gegeben war.

Rezept für einen guten Hunter: Vollblut und Irish Sport Horse


Einmal kam ich ganz schön in Wohnungsnot, als ich bei dem Aussprung aus einem Bach den Griff in den Halsriemen verpasste, und ganz ordentlich hinter die Bewegung kam. Ich hielt mich bei dieser Aktion im Zügel fest (Entschuldigung, Du tolles Pferd) und konnte mich so gerade noch im Sattel halten! Habe nach der Jagd versucht mein unreiterliche Verhalten, mit ganz viel mitgebrachten Leckerlis aus Deutschland, zumindest teilweise wieder gut zu machen!
Einmal kam uns eine Herde von wohl 50 Connemaras im Galopp entgegen, änderte kurz vor uns den Kurs, um im vollen Tempo seitlich an uns vorbei zu laufen. Ein großartiges Bild und Erlebnis!
Nach rund drei Stunden und acht Covers, und null Füchsen meldeten wir uns beim Field master ab. Wir waren absolut HAPPY, und wenn es am schönsten ist, sollte man bekanntlich aufhören.
Nach dem Besuch eines italienischen Lokals zum Essen endete der Abend relativ früh. Irische Reittage sind lang. Müde aber glücklich sank ich ins Hotelbett, um am folgenden Montag Morgen die Heimreise anzutreten. Am Flughafen Dublin konnte Hans seinen Koffer in Empfang nehmen, der gerade im Moment von Düsseldorf angekommen war, um ihn etwas später wieder zur Reise nach Deutschland aufzugeben. In Zukunft werden wir nur noch mit Handgepäck reisen. So angenehm  es auch ist, einen Reiseleiter und -begleiter zu haben, es tat schon ein bisschen weh, Hans dort  zum Zuschauen verdammt zu sehen!
Der nächste Besuch und die nächste Jagd in Irland, sagen wir mal in einem Jahr, ist fest eingeplant!
Text: Axel Henrich, Bilder privat