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"Wir" sind Europameister - Gold für Klimke

„Heute war Zahltag!“ hat der Bundestrainer Hans Melzer der neuen Europameisterin Ingrid Klimke bescheinigt. Und ihr Lehrmeister Chris Bartle strahlte genauso: „Ich freue mich so für Ingrid.“ In einer nervenstarken Runde als letzte Starter haben die Reitmeisterin aus Münster und ihr (jetzt wohl endgültig Ex)-Jagdpferd „Bobby“ die Schärpe für den Einzelsieg gesichert.  Bartle hatte natürlich noch mehr Grund zur Freude, denn sein neues Team von der Insel holte Gold und für Deutschland blieb - mit fünf Null-Runden im Parcours - Silber. Was lernen wir daraus. „Wo Chris ist, ist vorne“, war  am Samstag schon gemunkelt worden.

Der erste Einzeltitel für Klimke. Die Anfahrt ihres persönlichen Springtrainers Kurt Gravemeier hat sich gelohnt. „Ich war so gerührt, dass er sch um 4 Uhr morgens ins Auto gesetzt hat.“ -  und ebenso der Start beim Turnier der Sieger in Münster vor der EM (mit Parmenides). „Ich wollte mir ein gutes Gefühl sichern für das Springen“, bekannte Klimke, die schon mehrfach über Fehler im Springen vom Podium gefallen ist – wohl jeder erinnert sich an Luhmühlen 2011. Jetzt ist die Sammlung durch Hale Bob komplett mit Bronze aus Blenheim 2005 (Sleep Late) und Silber aus Malmö 2013 (mit Escada). „Ich bin in erster Linie Teamplayer, aber der Einzeltitel war immer mein Traum,“ sagte sie nach der Siegerehrung.


Der dreifache Europameister Michael Jung fügte in Strzegom Silber zu seiner Europa-Kollektion, die er 2009 mit Bronze in Fontainebleau begonnen und seither kontinuierlich fortgesetzt hat. Als vorletzter Starter blieb er mit fischerRocana in gewohnt sicherer Manier bei seinem Dressurergebnis. Zwölf Hindernisse mit 15 Sprüngen im Parcours, wo die Zeit für 470 Meter auf 76 Sekunden festgesetzt war. Nicht so generös wie es zunächst schien, denn etliche Reiter kassierten Zeitfehler, unter anderem einer für Josefa Sommer in einer ansonsten fehlerfreien Runde. Sie ist nun zwölfte. Kai Rüder setzte seinen guten Lauf fort und beendet die EM auf Platz sechs. Dazu war die ganze Familie angereist, inklusive Vater Thomas, der ja selber reichlich Erfahrung hat auf dem Gebiet, wo jetzt der Sohn glänzt. Rüder sen. war 1981 Europameister der ländlichen Vielseitigkeitsreiter und startete 1982 bei der WM in Luhmühlen. Julia Krajewski blieb ebenfalls fehlerfrei und beendet die EM auf Platz 18. Ihren Tränen konnte man nicht ansehen ob sie Freude über Team-Silber oder Trauer über verpasstes Gold bedeuteten. Ehrlich gratulierte sie jedenfalls Nicola Wilson zu Einzelbronze. Die Britin profitierte mit Bulana von den Springfehlern der Schwedin Sara Algotsson-Ostholt, die mit 12 Punkten von ihrem Bronzerang gefallen war. Die Siegerliste zeigte am Ende eindrücklich, dass die Briten wieder da sind: Geschlossene Leistung auf Platz 3, 4 und 5.



Drama schon am Morgen bei der Verfassungsprüfung. 63 Pferde waren nach dem Gelände noch dabei gewesen, nachdem 14 ausgeschieden sind, davon acht wegen eines Sturzes von Reiter oder Pferd. Prominenteste Streichung am Sonntag auf dem Trabstreifen vor Richtern und Tierärzten war der polnische Vorzeige-Reiter Pawel Spisak. Sein Banderas war deutlich ungleich. Da nützten auch Michael Jungs Ratschläge an seinen Schüler nichts mehr. Bettina Hoys holländische Einzelreiterin Merel Blom trabte nicht mehr vor und der vierte britische Teamreiter Oliver Townend ebenfalls nicht.  Alle Deutschen in guter Verfassung - wenn auch ungleicher Kleidung. Am auffälligsten Ingrid Klimke in kniehohen schwarzen Wildlederstiefel mit Troddeln in schwarz-rot-gold. Sara Algotsson trug das selbe Modell, aber natürlich mit schwedisch eingefärbten Anhängseln. Den Vogel abgeschossen hat ohne Zweifel die Österreicherin Margit Appelt. Zur Verfassung brachte sie ihren Schimmel im – zugegeben – schicken Dirndl. Ob der Mannschafts-Olympiasieger Matthias „Tissy“ Baumann ihr Modeberater war?

Der erschien mit Wadenwärmer zur kurzen Lederhose. Am Samstag im Gelände war Appelt in Gelb mit Punkten angetreten - was zu erstauntem Augenaufreißen (mindestens!) jeden Betrachters geführt hatte (und irgendwie an Käse denken ließ). Die maisgelbe Hose für die sie sich in Dressur und Springen entschieden hatte, wäre im Jagdfeld guter Ton gewesen, aber zu einem Schimmel dann in Kombination mit Schabracke und Gamaschen in gelb? Gut, dass Modefragen nicht die Hauptsache waren bei dieser Europameisterschaft in Polen.  
Text und Foto: ps