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Morgen ist ein neuer EM-Tag

Wie gewonnen so zerronnen. Freitag noch Weltrekord-Führung nach der Dressur für die Europameisterschaft der Vielseitigkeitsreiter in Strzegom – am Samstag auf Platz zwei hinter den Engländern in der Team-Wertung, mit zwei Springfehlern Unterschied. 113,9 Zähler für die Briten, 123,0 für die Deutschen. „Wir kommen leise von hinten“, witzelte Chris Bartle zufrieden. Und Bundestrainer Hans Melzer macht sich schon Sorgen wegen Schweden, das jetzt auf 128,5 Minuspunkte kommt.

Hoy-te war kein ganz schöner Tag im Gelände von Strzegom. Hans Nagel hatte nicht ganz richtig gelegen mit seinem Tipp, dass Julia Krajewski die besten Chancen haben könnte, weil sie die schräg zu springenden Hindernisse von Rüdiger Schwarz aus Warendorf in nächster Nähe gehabt habe. Bei der ersten Klippe - Hindernis 4 aus drei Elementen - war noch alles klar. Aber dann erwischte es sie bei 8 b - auf einem Hügel und vorne nur 50 Zentimeter breit (!).  Krajewski rangiert jetzt auf Platz 21.
Toller Job von Einzelreiterin Josefa Sommer, die bei ihrem ersten Championat mit dem vom Vater selbstgezogenen dunkelbraunen Hamilton eine tolle Runde zeigte. Sie ist mit nur 6,8 Zeitfehlern auf Platz 14 vorgerückt. Dann das Aus für die führende Bettina Hoy. Ihr Seigneur Medicott war vom ersten Sprung an unsicher auf dem Hufbeschlag mit Platten von denen er gleich zwei verlor und hatte deutlich kein Zutrauen. Am breiten Tisch Nr.10 kam es dann zum Sturz und demnach zum Ausscheiden. Tiefschlag nicht nur für Hoy, die vor 20 Jahren ihren ersten EM-Titel geholt hat sondern auch für die Mannschaft. Aber dann kehrte sich das Bild wieder um: Kai Rüder sehr sicher mit nur einer kleinen Zeitüberschreitung, jetzt an 9. Stelle.  Er schob nichts auf glatten Boden, der sich zu seiner späten Startzeit am Nachmittag auch schon wieder deutlich erholt hatte. „Am Ende zählt äußerer Schenkel und innerer Zügel. Ich hatte einen tollen Ritt und mein Pferd war richtig dazu eingestellt. Ingrid Klimke und Michael Jung beide gewohnt sicher und mit ihrem Dressurergebnis im Ziel. Klimke führt jetzt vor Jung, kein ganzer Springfehler hinter ihr. Der vierte EM-Titel ist in greifbarer Nähe für ihn. Oder Ingrids erster Einzeltitel?



Dazwischen ist viel passiert an diesem Tag. Bettina Hoy war nicht die einzige, die stürzte. Eine dänische Reiterin ist mit Schulterverletzung im Krakenhaus. Ein Pferd ist tot. Der polnische Wallach Bob the Builder fiel an Sprung 15 im Stadion und blieb zunächst lange mit Schock reglos liegen. Unter den Ersthelfern hinter dem eilends aufgebaute Sichtschutz waren Michael Jung und Annette Wyrwoll, die mit tierärztlichem Rat zur Stelle war und veranlasste, dass das Pferd von der verletzten Seite gerollt wurde um aufstehen zu können. In der Klinik wurden dann irreparable Schäden festgestellt. Aus Gründen des Tierschutzes und im Einverständnis mit den Besitzern und dem Reiter – Michal Knap (23) bei seinem ersten Championat am Boden zerstört – ist der Braune eingeschläfert worden.

Jung hatte in dem Notfall fix reagiert auf den Hilferuf nach Wasser um das reglose Pferd aus seinem Schock wiederzubeleben. „Ich war im Zelt und da riefen die nach Wasser.“ Wer keinen Druck hat, der macht sich welchen, möchte man sagen. Jung: „Klar bringt einen so was erstmal aus dem Konzept.“ Aber letzlich hatte er nicht nur mit seiner eigenen Erwartung zu kämpfen sondern auch noch drei Schüler zu betreuen. Die beiden Schweizer Felix und Ben Vogg und den erfolgreichsten polnischen Reiter Pawel Spisak, der sich mit einer Nullrunde bei nur 0.4 Zeitfehlern auf Platz 11 geschoben hat. „Das Wichtigste ist, den Druck nicht ans Pferd weiterzugeben. Vertrauen und Zuversicht müssen erhalten bleiben und das Pferd darf nicht den Endruck bekommen, das jetzt etwas Besonderes passiert.“ Trotzdem hat er die Stute unterwegs leicht ermuntert. „Sie hat an allen drei Gräben etwas gebremst. Da guckt sie schon mal ganz gerne rein und  da habe ich ihr gesagt Pass auf, das ist hier kein Kindergarten.“



Dabei hatte der Tag so munter und bunt angefangen mit einem großen Bauernmarkt, bei dem appetitlich die agrarischen Produkte des Landes dargeboten wurden. Kastaniengroße frische Himbeeren, Wurst, Schmalz, Marmeladen, selbstgebackenes Brot – eine schmackhafte Alternative zu den fetten Würsten und gegrilltem Käse, die hier hoch im Kurs stehen.



Den Preis für das stärkste Jagdreiterteam hat wohl der Brandenburger Hunting Club verdient. Mit einer Gruppe von 15 Reitern  sind die Köthener nach Strzegom gefahren. „Schließlich sind wir sowohl Jagd- als auch Vielseitgkeitsreiterverein“, betonte Kathleen Rosenstiel. Und die BHC’ler haben sogar noch ihren eigenen Olympiareiter, der ihnen den Kurs erklärte. Uwe Plank, der 1968 in Mexiko unter der Fahne der DDR geritten ist, hat sich den Aufbau von heute gut angesehen und fand. „Früher hatten wir es angenehmer. Das hier ist sehr anspruchsvoll und bei diesen vielen Schrägen und Ecken ist ein Pferd ganz schnell mal vorbeigerutscht.“ Aber wenigstens war das Wetter in Strzegom besser als 1968 in Mexiko. Die angekündigten 30 Liter Regen sind nicht heruntergekommen. Es war den ganzen Tag trocken. Anders als damals in Mexiko. „ Da hat man die Gräben gar nicht mehr gesehen. Ich in damals die ganze Zeit im Wasser geritten,“ erinnert sich der Altmeister
Text und Bilder: ps