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Strzegom lehrt: Dressur kann so schön sein

Die Tage als Jagdpferd hat „Bobby“ lange hinter sich. Am zweiten Dressurtag der Europameisterschaft in Strzegom waren die „Zeiten von Brochterbeck“ nur noch ein Schatten der Vergangenheit. Stattdessen wuchs der Braune über sich selbst hinaus und Hale Bob und Ingrid Klimke haben ein weiteres Top Ergebnis für die deutsche Dressurwertung hereingeholt.30,3 Punkte, Platz zwei hinter der uneinholbar weiter vorn liegenden Bettina Hoy – womit bewiesen wäre, dass Jagden auch für Dressurpferde nicht schaden. Ganz sicher aber schadet Dressurausbildung nicht im Gelände von Samstag.

„An technischen Schwierigkeiten voll ausgereizt und höher geht laut Reglement nicht“, fasst  Annette Wyrwoll zusammen. Die Olympiareiterin von Sydney und Jagdherrin in Schwaiganger führte 135 Persönliche Mitglieder der PM über den Kurs, der nicht nur technische sondern auch psychologische Schwierigkeiten bietet. Auf dem schmalen „Handtuch“ des Geländes ist die Strecke so geführt, dass die Reiter zweimal auf langen Geraden auf und ab reiten und vor dem Ziel noch einen dritten Kringel „weg von zu Hause“ nehmen müssen. „Da werden manche Pferde wohl denken, ‚was soll der Quatsch. Da waren wir doch schon mal’.“



„Der Weg durchs Wasser ist lang und kostet Kraft. Da muss man schon vor der Zeit ankommen, damit man noch in der Zeit bleibt“, meint Ingrid Klimke. Hat sie sich aber natürlich vorgenommen. „Dafür bin ich hier“, meint sie selbstbewusst. Gleichzeitig lobt sie die Füllsprünge, die Pferden und Reitern zwischen den Anforderungen auch Gelegenheit geben wieder Fuß zu fassen.  „Es ist ein motivierender Kurs“, findet sie. Auch Kai Rüder – der Fehmaraner, der schon in Sudermühlen auf der Schleppe war – geht zuversichtlich in den Samstag. „Sehr pferdefreundliche Linien und Hindernisse“, meint er, nicht erst seit er mit Andrew Nicholson den Kurs diskutiert hat. „Nicht in allem ein Problem sehen sondern die Aufgaben mit den Augen des Pferdes betrachten“, habe ihm der Neuseeländer empfohlen. Rüder will seine Dressurerfolge fortsetzten. „Jetzt sind wir auf dem richtigen Weg“, meint er nachdem er mit Colani Sunrise schon im Mai die Gegebenheiten von Strzegom erfolgreich getestet hat.  



„Ein typischer Rüdiger Schwarz-Kurs“, urteilt Hans Nagel – auf Flitter-Kurzurlaub in Polen. Vor 14 Tagen haben er und seine Frau Claudia beim Standesamt unterschrieben. Nagel lobt die Wasservarianten und die „tollen Alternativen“, die auch schwächeren Reitern aus 19 Teilnehmer-Ländern – neuer Rekord! – eine Chance bieten werden das Ziel zu sehen. „Der Sport insgesamt muss siegen. Dann kann das IOC uns nichts wollen.“ Vorwärts reiten – das hat der Deutsche Meister der Vielseitigkeit 1989 in Luhmühlen immer noch drin. Er meint: „Die Kurse von Rüdiger Schwarz sehen erst immer so furchteinflößend aus, aber nach dem  zweiten oder dritten Blick kann man dann doch selbstsicher zureiten.“



Die deutschen Reiter haben jedenfalls das Bestmögliche getan, sich eine gute Ausgangsposition zu schaffen. „Alle sechs Reiter unter 41 Punkten! Es gab Zeiten, da waren wir froh, wenn wir einen mit 41 hatten“, fasste Hans Melzer zusammen.


Vor dem Gelände führt Bettina Hoy mit 24,6 Zählern vor Ingrid Klimke (30,3). Michael Jung, der seine Rocana am Morgen noch locker am Halfter longierte, rangiert mit 32,8 auf Platz drei.
Julia Krajewski liegt mit 36,3 an neunter Stelle. Die Einzelreiter Kai Rüder (37,10) und Josefa Sommer (41,0) sind auf Position 10 und 19.  Das Team kommt auf 87,0 Zähler. Weltrekord! Mit weitem Abstand dahinter aber nur 0,1 Punkte auseinander die Teams aus Frankreich (111,80) und England . „110 Prozent sicher reiten“ hat sich Michael Jung vorgenommen.



Und zum Samstag hat sich auch das Lager der Jagdreiter weiter verstärkt. In den Reihen der PM sind eine Handvoll Aktive und Ehemalige mitgekommen. Als Einzelreisende haben sich Vertreter weiterer Meuten, unter anderem Weser Vale und Böhmer, auf den Weg gemacht. Und jetzt wartet alles gespannt, was der FN-Bus ausspucken wird, der die Nur-Gelände-Intensiv-Freaks bringen wird. Abfahrt des Reisebusses am Freitag Abend um 20 Uhr in Oberhausen. Weitere Haltestellen in Dortmund, Bielefeld, Hannover und Magdeburg und dann Nachtfahrt nach Niederschlesien. Rückfahrt direkt nach dem Gelände. Das nennt man Leidenschaft.

Text und Bilder: ps