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Die Stecknadel am Ring fallen gehört

Ein Deutscher als Judge bei der Puppy Show des Duke of Buccleuch in Schottland. „Da schläft man erst mal nicht in der Nacht vorher“, bekannte Dr. Gerhard Bosselmann, der jetzt im dunklen Anzug mit Bowler einen vielbeachteten Auftritt im Mutterland des Foxhunting hinter sich gebracht hat.

Über gute Kontakte zu verschiedenen Meuten in England und Schottland ist die Einladung zustande gekommen. Tim Allen, Huntsman der Duke of Buccleuch’s Foxhounds hat sie ausgesprochen. „Und da habe ich Bowler, dunklen Anzug und Blazer eingepackt und bin nach Schottland gereist,“ berichtet Bosselmann, der dann mit den Mastern der anderen Meuten und seinem Richterkollegen, Andrew Cook, Master der Dumfries & Stewartry, einen intensiven Tag verbracht hat. Als Deutscher im Mutterland des Foxhuntings und 150 Schotten hören Dir zu - da hätte man eine Stecknadel fallen hören können am Ring“, so Bosselmann, der hier unter erschwerten Bedingungen seinen ersten Einsatz als Richter erlebt hat. „Das war ganz schön anstrengend. Das Gebäude bewerten, den Typ des Hundes einschätzen und  am Schluss auch noch den richtigen als Champion heraus zu suchen. Das ist not so easy.“ Aber er scheint es richtig gemacht zu haben. „Am Schluss haben alle applaudiert – und mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.“


Im November/Dezember geht es wieder nach Schottland, diesmal zum Jagen hinter den Hounds des Duke, der über ein Jagdgelände von unvorstellbaren 90.000 Hektar verfügt. „Herrliches Gelände, agrarisch, viele Hecken,“ so der Besucher. Der 10. Duke of Buccleuch ist der größte private Landbesitzer Europas. Sein Vermögen wird auf 450 Millionen Pfund geschätzt, die zumeist in der Buccleuch Gruppe angelegt sind, die sich mit Immobilien, Landwirtschaft, Lebensmitteln und Getränken befasst. Die Meute des jetzigen Duke ist gegründet 1827 von einem seiner Vorfahren. Die Meute heute ist mehr als nur ein Aushängeschild, was man eben so hat, wenn man als Adeliger über mehrere Schlösser als Hauptwohnsitze verfügt. Der Vater des jetzigen Duke saß nach einem Hunting-Unfall im Rollstuhl und vertrat als Member of Parliament unter anderem vehement die Rechte von Behinderten.



Die Buccleuch Hounds waren bis zu den 1970er Jahren aus den schwereren Old English Linien gezogen. Danach hat Sir Hugh Arbuthnot, als Master and Huntsman einige Modern English Linien eingekreuzt aus den Cotswolds im Süden Englands. Das Pack heute ist Modern English, aber es existieren weiterhin drei weibliche Linien von denen zwei direkt auf die alten Buccleus von 1860 und eine auf die Belvoir Singwell von 1864 zurückgehen. Heute ist die Meute vielfach geprägt durch die Hündin „Problem“, die 1992 in den Kennel kam. Ein Großteil der heutigen Hounds geht auf sie zurück und ihre braunen Flecken sind immer noch vorherrschend. Die Meute jagt heute vornehmlich mit Hündinnen. Die Rüden wurden 2002 – als der Schottische Hunting Ban ausgesprochen wurde – zum großen Teil abgegeben in den Süden, zur Heythrop, zum Duke of Beaufort und zur Cotswold Meute.



Bosselmanns Erkenntnis aus dem Wochenende in Schottland:. „Alle Jagdreiter, ob Schleppjagd oder Foxhunting, sind auf der ganzen Welt ähnlich. Das ist ja kein Hobby sondern eine Passion. Da muss man schon für gestrickt sein. Und dann findet man auch überall Gleichgesinnte. Die Gastfreundschaft in Schottland war großartig.“

Text: ps und Bilder: privat