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Jagdreiten als Schnupperkurs

Ihr Herz schlägt für Jagdreiter: Astrid Unger vom Landhotel Baumann's Hof in der Kirchdorfer Heide (Kreis Diepholz) organisierte einen „Schnupperkurs Jagdreiten“. „Wenn bei uns am Hof Meutejagden stattfinden, werden wir oft von Reitergästen gefragt, wie das denn alles läuft bei einer Jagd und ob das denn zu schaffen sei“ so die Inhaberin des Hotels und selbst Jagdreiterin. „Da beschlossen wir, einen Schnupperkurs anzubieten und konnten  MFH Friedel Sielemann und seine Frau Heike von der Ostwestfalen Meute hierfür gewinnen“.

Für den praktischen Unterricht stellte sich der international erfolgreiche Galopp-Trainer Jan Peter Flöttmann zur Verfügung. Schon am Freitag Mittag reisten Sielemanns mit 6 1/2 Koppeln Foxhounds und zwei Piköre mit ihren Pferden an, um die Hunde vor dem Kurs noch einmal im Gelände führen zu können. Am frühen Abend trafen sechs erwartungsvolle Kursteilnehmerinnen ein; erstes Kennenlernen und Besprechung der folgenden Tage erfolgte gut gelaunt und bei bester Bewirtung. Aufkommende Zweifel über eigene reiterlichen Fähigkeiten sowie die Befürchtungen, das Pferd/ Pony könne den Ansprüchen nicht genügen, wurden durch die Zusicherung, dass jeder an seinem Trainingspunkt „abgeholt“ wird, aus dem Weg geräumt.


Der Samstag begann mit einer intensiven Lehreinheit auf dem neuen Geländeplatz direkt am Hof. Souverän und einfühlsam führte J.P. Flöttmann seine Schüler an die Grundlage des sicheren leichten Sitzes im Gelände heran. Stets mit Ruhe, immer positiv und fair zum Pferd bekam er jede knifflige Situation in den Griff. Man konnte deutlich beobachten, wie wirklich JEDEM Reiter/Pferd Paar die richtigen Übungen und Hilfestellungen gegeben wurden und die Teilnehmer immer sicherer und mutiger wurde. Am Ende koordinierte der Trainer die Gruppe im gemeinsamen Galopp über die große Fläche inklusive kleiner Hindernisse und durch das neue Wasser, welches von Ulf Meyer, Mitinhaber des Hotelbetriebes, fachmännisch angelegt und erst tags zuvor freigegeben wurde. Alle strahlten und die Pferde schnaubten zufrieden - geschafft, aber nicht überfordert.
Danach übernahm Master Friedel Sielemann die Leitung. Es stand ein Gang mit den Hunden auf dem Programm - hier erlebten alle Wesen und Temperament der Foxhounds hautnah. Gemeinsam führten Master, Equipage und Teilnehmer die Meute um das Hofgelände. Auch das Anlegen einer Schleppe wurde demonstriert - natürlich nicht so schnell wie zu Pferd (Danke Heike für den sportlichen Einsatz…), jedoch sehr eindrucksvoll und lehrreich für die Neulinge, von denen noch keiner eine Schleppjagd mitgeritten hatte. Nach kurzer Pause (üppiges Kuchenbuffet…) traf sich die Gruppe zu Pferd um gemeinsam erstmal ohne Hunde in jagdlicher Manier auszureiten. Paarweise geordnet ging es in die wunderschöne Heidelandschaft: der Master an der Tête, gefolgt von den Teilnehmern und den Pikören bewußt am Schluß. So wurden die „Lehrlinge“ gut angeleitet und im Notfall von erfahrenen Reitern mit sicheren Pferden begleitet. Es zeigte sich, daß alle in dieser strukturierten Einheit in allen Gangarten kontrolliert und sicher reiten konnten. Schrittphasen und Trab in Zweierreihen sowie der Gruppengalopp - alles ohne Probleme. Am Hof angekommen, kam ein weitere Höhepunkt: das erste Zusammentreffen mit den Hunden. Wie würden die Pferde reagieren? Wie verhalten sich die Reiter, können sie zuvor Erlerntes umsetzen? Bleiben alle gelassen? Und JA, es lief hervorragend und die Gesichter wurden immer fröhlicher…


Am Abend versammelte sich die Gruppe im Tagungsraum und Friedel hielt einen Vortrag mit Lehrfilmen und Aufzeichnungen von Schleppjagden. Hier konnten viele Fragen beantwortet werden - es hätte noch Stunden weiter gehen können, so groß war das Interesse. Auch die Erklärung unterschiedlicher Bräuche vom „Stelldichein“ über Ordnung im Feld, Kleiderordnung, Verhalten bei den Hunden bis zum „Halali“ und „Curee“ sowie der Tradition der Jagd mit Meute war sehr hilfreich.


Fazit dieser Schulung: “Es war wichtig und äußerst lehrreich, den Ablauf einmal in Theorie und anhand der Bilder verfolgen zu können; unsere Vorurteile und teilweise auch Ängste (Schlagwort „wilde Jagd“) konnten annähernd beseitigt werden.“ so eine Teilnehmerin. Dass das Reiten einer Jagd ein gewisses Risiko birgt und jeder demnach seine eigene Fitness und die Kondition seines Pferdes richtig einschätzen muß, war jedem sicherlich klar. Aber die Befürchtung, in ein ungestümes Feld von ungezügelter Raserei zu geraten, wurde genommen. Bei einem wiederum sehr leckeren und üppigen Abendessen klang der Tag gemütlich aus.
Der Sonntag startete wie gewohnt mit tollem Frühstücksbuffet und dann wurde alles zum ersehnten ersten Ritt mit der Meute gerichtet. Die zwei vergangenen Tage trugen Früchte: ohne Probleme, in allerbester Laune und bei passendem Wetter konnten alle echtes Jagdfeeling genießen; die Schleppen wurden sehr harmonisch geritten, die Hunde zeigten sich in bester Manier und das Tempo war zügig. Der Nachwuchs ist gesichert, die Kursteilnehmer haben so viel Vertrauen und Sicherheit gewonnen, dass sie gerne an einer Jagd teilnehmen würden - es muß ja nicht im springendem Feld sein. Dies ist dann ja auch bald möglich, denn am 30.September und 1.Oktober ist die OWM wieder in Kirchdorf (s. Termine Baumann´s Hof u. Ostwesfalenmeute), außerdem ist nun Saison für diesen wunderbaren, traditionsreichen „Sport“, das Schleppjagdreiten.
Text: Patricia Aufdemkampe, Fotos: Ulf Meyer u. privat