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Cledith - Berufsziel: Jagdpferd, 2.Teil

Sie hieß Cledith, ist Holsteinerin von bestem Geblüt und sie soll ein Jagdpferd werden. Axel Henrich (Versmold), erfahrener Jagdreiter und Ausbilder, hat die Stute gekauft und wir haben die beiden schon vorgestellt. Schleppjagd24 begleitet die beiden auf ihrem Weg und berichtet in Abständen über die Lernerfolge. Am Anfang stand erst einmal eine Namensänderung. Jetzt heißt die Stute Julchen und manchmal auch „Die coole Jule“, weil sie so toll mitmacht. Axel Henrich berichtet in Teil 2 der Serie:

„Jetzt sind es rund vier Wochen her seit dem letzten Bericht, und wir haben so einiges erlebt!
Beim Aufsteigen zappelte sie erst noch rum, jetzt steht sie wie angewurzelt bis ich ihr das Kommando zum Losgehen gebe. Erreicht haben wir das mit konsequenter Übung: Die "Chefin von Alles" (Martina Henrich, Anm.d.Red.) stand unten und hat sie ruhig aber energisch am Weggehen gehindert, was ich anschließend von oben mit einem Leckerli belohnt habe. Später ging das Aufsteigen dann ohne die "Chefin von Alles". Cledith stand auch beim Aufsteigen, wollte aber gleich nach dem Leckerli loslaufen. Auch das haben wir inzwischen miteinander „besprochen“, und sie hat es verstanden.

Die Arbeit mit dem sehr dicken Gebiss erwies sich als negativ. Ich bekam zwar Verbindung zum Maul aber "Julchen", wie sie mittlerweile genannt wird (damit keine Mißverständnisse entstehen bleiben wir hier bei "Cledith"), nutzte jede Gelegenheit um sich auf das Gebiss draufzulegen. Also wieder alles zurück, auf Anfang, will heißt, eine relativ dünne Knebeltrense!.
Jedes Pferd ist anders und manchmal passieren Dinge, die man einfach hinnehmen muss ohne eine Erklärung dafür zu haben, so auch hier. Kaum hatte ich wieder auf das dünnere Gebiss gewechselt, nahm "Cledith" das Gebiss jetzt die meiste Zeit gut an, und ich konnte sie in feiner Remontehaltung in allen drei Gangarten im Arbeitstempo reiten. Nicht weiter drüber nachdenken, weitermachen, abgehakt.



Die gymnastizierende Arbeit - andere würden "dressurmäßig" sagen -  steht jetzt im Vordergrund: leichtes biegen und stellen, dabei leicht übertreten lassen, um die Geschmeidigkeit zu fördern, geraderichten (das passiert auf dem 50-Meter-Zirkel automatisch) einfache Galoppwechsel, angaloppieren aus dem Schritt. Auf das Aussitzen im Trab verzichte ich noch. Da fehlt mir noch Muskulatur im langen Rückenmuskel (der zwar ein Streckmuskel ist, aber durchaus tragen kann, um so ausgeprägter er ist). Im Galopp ist aussitzen schon für einige Zeit möglich, wenn ich noch nicht in den Vollsitz gehe, sondern den Pferderücken durch ein wenig Abstützen in den Bügeln vermindere.

Die Geländetage, immer mit Zweitpferd, machen mich sehr optimistisch. Mit der Führung dieser Kleinstgruppe können wir uns mittlerweile schon abwechseln. Cledith geht ruhig und brav an jedem Platz, in jeder Gangart, und ist ohne große Zügeleinwirkung gut regulierbar (im Gegensatz zum Reiten Zuhause). Sie hört hier sehr gut auf Stimme, und macht in der Regel das "was das andere Pferd auch macht". Das scheint ihr offenbar das Logischste zu sein.

Nach jedem Reittag ist ein Tag im Roundpen (eingezäunter Longierzirkel) angesetzt. Dann  longiert "Chefin von Alles" unsere Cledith ohne Longe und ohne Ausbinder, nur mit Longierpeitsche und Stimme. Dies dient in erster Linie der Gleichgewichtsfindung. Damit hat Cledith so ihre Schwierigkeiten. Es dient aber auch als vertrauensbildende Maßnahme, wo sie lernt, dass die Peitsche kein Folterinstrument ist. Vom "gar nicht" galoppieren können (viiiel zu klein so ein 18 mtr.Durchmesser Zirkel), über "nur im Kreuzgalopp", bis hin zu "3 bis 4 Runden kann man ja mal" haben die beiden alles durch, und das alles in bewundernswerter Ruhe. Eine andere „Baustelle“ ist das Annehmen von Paraden, sowie der Wechsel in niedrigere Gangarten. Beides ist im Moment nur mit Unterstützung der Stimme möglich, die ihr, so langsam aber sicher, einen Zusammenhang vermittelt.

Es ist ein Phänomen mit welcher Intensität sie Naturhindernisse angeht. Während sie bunte Stangen doch schon relativ lässig übersprang, ist sie bei festem Holz doch ziemlich übereifrig. Vor allem nach der Landung geht es erst einmal in großer Aktion weiter, was ich mit hauptsächlich Stimme, und abwenden auf einen immer kleiner werdenden Zirkel versuche einzudämmen. Klar, dass jetzt erst einmal nur aus dem Trab gesprungen wird, um diesen Aktionismus zu unterbinden! Schön ist dass sie jedes Hindernis annimmt, und alles (!) gibt um es fehlerlos zu überwinden.
Ich bin der Meinung, dass sie in dieser relativ kurzen Zeit schon Muskulatur aufgebaut hat (Bilder) und auf gutem Weg ist, wenn auch die erste Jagd, ja sogar das erste jagdliche Training mit Hunden in einiger Entfernung liegt. Aber wir sind sehr optimistisch, das für das kommende Frühjahr gesteckte Ziel zu erreichen.“

Ein Wort noch zum Tragen eines Reithelmes. Grundsätzlich sollte man den IMMER tragen. Axel Henrich hat in diesem Jahr sein sechzigjähriges (60) Satteljubiläum gefeiert und denkt, dass er einschätzen kann, wann es gefährlich werden könnte. Im Gelände und beim Springen trägt er den Helm immer – nur nicht bei diesem einen Sprung. „Soll nicht wieder vorkommen“. hat er gesagt.
Text: Axel Henrich, Bilder: Martina Henrich
Hier geht es zu Teil 1 des Ausbildungsweges von Cledith alias Julchen.